Wachsamkeit

Ahrensburg: Bürgern für Sicherheit droht das Aus

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Janina Dietrich
Hinrich Schmick (79), Vorsitzender des Vereins Bürger für Sicherheit, und seine Frau Karen (71) hoffen, kurzfristig neue Mitstreiter zu finden.

Hinrich Schmick (79), Vorsitzender des Vereins Bürger für Sicherheit, und seine Frau Karen (71) hoffen, kurzfristig neue Mitstreiter zu finden.

Foto: Janina Dietrich

Seit 24 Jahren wollen Vereinsmitglieder Kriminalität in der Schlossstadt verhindern. Doch nun fehlen Ehrenamtler für Beobachtungsgänge.

Ahrensburg. Mit wachsamem Blick streifen sie durch die Straßen Ahrensburgs, achten auf Menschen und Fahrzeuge, die ihnen entgegenkommen. Und alarmieren die Polizei, wenn ihnen etwas verdächtig erscheint. Seit 24 Jahren versuchen die Mitglieder des Vereins Bürger für Sicherheit Ahrensburg, sich und ihre Mitbürger vor Kriminellen zu schützen. Doch nun droht dem Verein das Aus. „Uns fehlen Aktive, die Beobachtungsgänge übernehmen“, sagt der Vereinsvorsitzende Hinrich Schmick.

Rund 38.000 Beobachtungsgänge in einem Jahr

Vor zehn Jahren zählte der Verein noch 450 Mitglieder, von denen 150 auf den Straßen der Schlossstadt im Einsatz waren. Rund 38.000 Beobachtungsgänge schafften sie in einem Jahr. Mittlerweile ist die Mitgliederzahl auf 266 gesunken. Das Problematische: Darunter seien nur noch 48 Aktive – mit weiter sinkender Tendenz. Die Zahl der jährlichen Beobachtungsgänge hat sich mehr als halbiert. „Viele Mitglieder scheiden alters- und gesundheitsbedingt aus“, sagt Karen Schmick, die sich wie ihr Mann seit der Gründung im Verein engagiert. Der Großteil der Ehrenamtler sei mehr als 70 Jahre, teils sogar mehr als 80 Jahre alt.

Am heutigen Donnerstag treffen sich die Mitglieder zu einer Krisensitzung. Einige seien dafür, den Verein aufzulösen, sagt Hinrich Schmick. Das möchte der 79-Jährige unbedingt verhindern – auch angesichts der weiterhin hohen Einbruchszahlen: „Einstampfen wäre doch das falsche Zeichen.“ Schmick sagt aber auch: „Wenn wir keine neuen Mitglieder finden, müssen wir vielleicht zur Jahreshauptversammlung im März 2021 wirklich einen Schlussstrich ziehen.“ Seine Hoffnung: „Wir bräuchten zehn neue Aktive, dann müssten wir nicht mehr ans Aufgeben denken.“

Mögliche Straftäter sollen abgeschreckt werden

Der Verein hat das Ahrensburger Stadtgebiet in elf Zonen unterteilt, in denen Mitglieder regelmäßig durch die Straßen streifen. Die Ehrenamtler seien weder an feste Uhrzeiten gebunden noch verpflichtet, eine bestimmte Anzahl an Beobachtungsgängen zu absolvieren. Auf Zetteln notieren sie, wann sie unterwegs waren und ob ihnen etwas Ungewöhnliches aufgefallen ist. Durch die Präsenz auf den Straßen sollen mögliche Straftäter abgeschreckt werden. Das Problem: In einigen Gebieten gebe es nur noch einen aktiven Ehrenamtler, sagt Karen Schmick. Das sei natürlich zu wenig.

Die Mitglieder schreiten nie selbst ein, sondern alarmieren die Polizei, wenn sie etwas Verdächtiges wahrnehmen. So wie Karen Schmick vor einigen Jahren. Bei einem Beobachtungsgang im Gartenholz traf sie gegen 23 Uhr auf einen jungen Mann, der an einem Gebüsch stand und sich vor ihrem Hund erschrak. Beim Weitergehen bemerkte Schmick einen zweiten Mann, der aus einem Auto stieg. Die Ahrensburgerin folgte den beiden und sah, dass sie am Nebeneingang einer Tiefgarage verschwanden. „Es kam mir seltsam vor, deshalb habe ich mir das Autokennzeichen notiert und die Polizei alarmiert“, sagt sie. „Die Beamten haben die Männer dann auf frischer Tat ertappt, mit einem Brecheisen unter der Jacke.“ Ein anderes Mal habe sie einen Autodieb gesehen und die Polizei gerufen. Der Täter sei mit dem Rad geflüchtet, dank ihrer Beschreibung konnte er jedoch gefasst werden.

Durch die Rundgänge Nachbarn kennenlernen

Das Motto des Vereins lautet „Wir organisieren Wachsamkeit“. Es gehe vor allem um Nachbarschaftshilfe, sagt die 71-Jährige. Wenn jemand verreist sei, achte sie auf Wunsch auf das Haus, verrücke auch mal die Mülltonnen, damit das Grundstück nicht so verlassen aussehe. Es sei schön, durch die Rundgänge die Nachbarn kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen. „Das hat nichts mit Neugier oder Kontrolle zu tun“, betont Schmick. Sie nutze Spaziergänge auch, um über andere Betrugsmaschen, etwa den „Enkeltrick“ oder „falsche Polizisten“, zu reden. Normalerweise organisiert der Verein auch Veranstaltungen, um Senioren über die Tricks von Kriminellen aufzuklären. Doch wegen der Pandemie sei das derzeit nicht möglich.

Bislang tragen die Mitglieder bei ihren Beobachtungsgängen weder Uniformen noch äußere Erkennungszeichen. „Kürzlich haben wir aber fünf Westen mit Aufschrift besorgt“, sagt Hinrich Schmick. Vorbild ist die Bürgerinitiative „Mehr Sicherheit in Großhansdorf“, deren Mitglieder in der Nachbargemeinde unterwegs sind und gute Erfahrungen mit ihren grünen Reflektorwesten gemacht haben. An U-Bahnhöfen hätten sie eine abschreckende Wirkung, sagte Vereinschef Hans-Jürgen Bendfeldt dem Abendblatt: „Wir haben uns auf den Bahnsteig gestellt. Es kam vor, dass Personen ausstiegen und – als sie uns sahen – gleich kehrt machten. Da liegt es nahe, dass die mit unlauteren Absichten hergekommen waren.“

Verein steht mit der Ahrensburger Polizei in Kontakt

An den Bahnhöfen der Schlossstadt würden die Bürger für Sicherheit künftig gern mehr Präsenz zeigen. Der Verein steht auch regelmäßig mit der Ahrensburger Polizei in Kontakt. „Die Kripo nennt uns zum Beispiel aktuelle Einbruchsschwerpunkte, in denen wir dann unsere Beobachtungsgänge verstärken“, sagt Hinrich Schmick.

Wer die Bürger für Sicherheit unterstützen möchte, kann sich bei dem Vorsitzenden unter Telefon 04102/425 12 melden. Ein Beitritt zum Verein ist aus Versicherungsgründen erforderlich, die Mitgliedschaft ist aber kostenlos. Ideal sei die Tätigkeit beispielsweise für Menschen mit Hund oder Jogger, die sowieso regelmäßig draußen seien, sagt Karen Schmick. „Sie müssten nur etwas aufmerksamer unterwegs sein.“ Sie selbst notiere sich zum Beispiel das Autokennzeichen, wenn ein Wagen auffällig langsam durch ihre Wohngegend fahre.

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