Verschärfte Massnahmen

Stormarn reißt erste kritische Corona-Grenze

Das Rondeel in Ahrensburg zählt zu den Bereichen, die besonders belebt sind und in denen wegen der Corona-Lage jetzt eine Maskenpflicht angeordnet wird.

Das Rondeel in Ahrensburg zählt zu den Bereichen, die besonders belebt sind und in denen wegen der Corona-Lage jetzt eine Maskenpflicht angeordnet wird.

Foto: Ralph Klingel-Domdey

Jetzt gelten erweiterte Maskenpflicht auf belebten Straßen und Sperrstunden für Gastronomie. Auch Veranstaltungen werden eingeschränkt.

Ahrensburg.  Der Kreis Stormarn verzeichnet einen sprunghaften Anstieg der Zahl an Corona-Infizierten. Dem Kreisgesundheitsamt in Bad Oldesloe wurden zwischen Dienstag, 13 Uhr, und Mittwoch, 13 Uhr, 32 Neuinfektionen gemeldet, allein 12 aus einem Altenpflegeheim in Tangstedt.

Damit haben sich innerhalb der vergangenen sieben Tage insgesamt 93 Personen mit dem Covid-19-Virus infiziert. Der Inzidenzwert, der das Infektionsgeschehen pro 100.000 Einwohner betrachtet, stieg innerhalb eines Tages von 29,1 auf den vorläufigen Höchstwert von 38,1 und liegt damit über der ersten kritischen Marke von 35. „Aus diesem Grund greifen ab sofort verschärfte Maßnahmen, die vorerst bis einschließlich 2. November gelten“, so Landrat Henning Görtz.

Der Gastronomie wird eine Sperrstunde auferlegt

Laut aktueller Allgemeinverfügung des Kreises gibt es eine erweiterte Maskenpflicht überall dort, „wo Menschen länger und/oder dichter zusammen kommen“, etwa auf Wochenmärkten, belebten Plätzen und in stark frequentierten Einkaufsstraßen. In der Gastronomie gilt eine Sperrstunde zwischen 23 und 6 Uhr des Folgetags. Reduziert werden müssen zudem die Teilnehmer an Veranstaltungen. Im öffentlichen Raum dürfen nur noch 25 Personen zusammenkommen, bei privaten Feiern 15.

Bereits Anfang dieser Woche hatte der Landrat die Bürgermeister der Städte und großen Gemeinden vorsorglich aufgefordert, Straßen und Plätze zu benennen, die durch eine hohe Passantendichte eine besondere Ansteckungsgefahr bergen. Ziel sei die Erstellung eines Corona-Katasters nach dem Vorbild der Stadt Neumünster. Die Rückmeldungen blieben bis Dienstagabend indes spärlich. Nur Bad Oldesloe, Ahrensburg und Bargteheide hatten bis 18 Uhr potenzielle Hot-Spots benannt.

Diese Straßen sind von der Maskenpflicht betroffen

In der Kreisstadt zählen dazu der Zentrale Busbahnhof, das Skateland-Gelände und der Streetworkout-Bereich auf dem Exer, sowie der Dirt-Park am Konrad-Adenauer-Ring. Außerdem gilt die erweiterte Maskenpflicht in der Fußgängerzone rund um Mühlenplatz und Markt (Besttorstraße, Hude, Heiligengeiststraße, Mühlenstraße, Hindenburgstraße) an den Markttagen Mittwoch und Sonnabend von 6 bis 18 Uhr, sowie am verkaufsoffenen Sonntag, 1. November, zwischen 13 und 18 Uhr.

In Ahrensburg wurden von der Stadtverwaltung die Große Straße vom Rondeel bis zur Kreuzung Doppeleiche inklusive Kohschietstraße, die Manhagener Allee vom Rondeel bis zur Eisenbahnunterführung, die Hagener Allee vom Rondeel bis zum Übergang Bahnhofstraße, die Hamburger Straße vom Rondeel bis zur Kreuzung Woldenhorn, das Rondeel selbst, die Rathausstraße, der Rathausplatz nebst Arkaden und Nebenflächen, die Verbindung Rathausplatz zur Klaus-Groth-Straße sowie die Klaus-Groth-Straße von der Manfred-Samusch-Straße bis zur Großen Straße benannt. In Bargteheide gelten die Fläche des Stadtparks als Zuwegung zum Schulzentrum, das Schulzentrum und die Unterführung am Bahnhof (Fußgängertunnel) als risikobehaftete Areale.

Es gilt die Ausbreitungsdynamik zu verzögern

„Die Maßnahmen sind dringend notwendig, um die Ausbreitungsdynamik zu verzögern und Infektionsketten zu unterbrechen“, lässt Görtz als Chef der Kreisverwaltung keinen Zweifel am Ernst der Lage. Im Interesse des Gesundheitsschutzes und zur dauerhaften Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems sowie der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sei eine strikte Einhaltung der erlassenen Bestimmungen unerlässlich, so der Landrat.

Im Gesundheitsamt des Kreises arbeiten nach wie vor mehr als 20 Mitarbeiter und sechs Bundeswehr-Angehörige an der Kontaktverfolgung von Infizierten. „Gestern haben wir erst Verstärkung von zwei neueingestellten Kollegen bekommen, Anfang November werden sieben weitere folgen“, so Christiane Clobes, Leiterin des Gesundheitsamtes.

Durchschnittsalter der Infizierten sinkt ständig

In den vergangenen Tagen sei deutlich geworden, dass das Durchschnittsalter der Infizierten beständig sinke. Inzwischen würden nicht mehr nur Personen der bekannten Risikogruppen vom Covid-19-Virus befallen, sondern zunehmend auch jüngere Menschen. Auffällig sei zudem, dass es in Stormarn bislang keine echten Hot-Spots gebe. „Die registrierten Fälle verteilen sich recht gleichmäßig auf das gesamte Kreisgebiet, es gibt nicht einmal signifikante Unterschiede zwischen den Städten und Gemeinden“, so Görtz.

Das galt allerdings nun bis gestern Morgen. Dann wurde bekannt, dass es einen massiven Corona-Ausbruch im Tangstedter Altenpflegeheim „Haus Sommer“ gegeben hat (siehe Text unten). Damit werden Erinnerungen an das Infektionsgeschehen im „Wohnpark Rolfshagen“ in Rümpel wach. In der Einrichtung für Demenz-Erkrankte waren Anfang April 58 Bewohner und 24 Mitarbeiter positiv auf das Covid-19-Virus getestet worden. Seinerzeit hatte es sechs Wochen gedauert, um der dramatischen Lage Herr zu werden. Am Ende waren 15 Bewohner des Wohnparks gestorben. „Wir hatten so sehr gehofft, dass es keinen zweiten Ausbruch wie in Rümpel geben würde“, so Landrat Henning Görtz. Nun werde alles getan, um die Versorgung der Pflegebedürftigen in Tangstedt zu sichern.

Corona-Ausbruch in Tangstedter Pflegeheim

Im Alten- und Pflegeheim „Haus Sommer“ eines privaten Betreibers in Tangstedt wurden jahrzehntelang bis zu 30 Bewohner umsorgt. Nach dem Verkauf der Immobilie an einen Investor im Februar dieses Jahres wurden in den vergangenen Wochen 21 Senioren auf andere Einrichtungen in Norderstedt, Geesthacht und Rade verteilt. Sieben der neun verbliebenen Bewohner und sechs Mitarbeiter sind jetzt positiv auf das Covid-19-Virus getestet worden. Um die Versorgung der Pflegebedürftigen sicherstellen zu können, hat das Gesundheitsamt Stormarn in Abstimmung mit der Pflegeheimleitung und der Heimaufsicht des Kreises eine Zeitarbeitsfirma eingeschaltet. Bis zum 30. November sollte das „Haus Sommer“ restlos geräumt sein und dann durch einen Neubau ersetzt werden.