Lachnummern

Ahrensburg ist Dauergast in NDR-Satiremagazin

Radfahrer müssen an der Ecke Manhagener Allee/Bargenkoppelredder auf den Fußweg ausweichen.

Radfahrer müssen an der Ecke Manhagener Allee/Bargenkoppelredder auf den Fußweg ausweichen.

Foto: Filip Schwen

Am Mittwoch ist eine Ampelanlage auf einem Radweg Thema bei „extra 3“. Es ist der dritte Beitrag aus der Stadt in diesem Jahr.

Ahrensburg. Wer es in die Rubrik „Der reale Irrsinn“ des Satiremagazins „extra 3“ schafft, kann sich über diese „Ehre“ wohl in den seltensten Fällen freuen. Jede Woche werden in der Sendung des Norddeutschen Rundfunks Planungspannen, fragwürdige Baumaßnahmen und allerlei Skurriles aus Deutschlands Rathäusern sarkastisch aufgespießt.

Zu zweifelhaftem Ruhm bei den Zuschauern des Formats bringt es die Stadt Ahrensburg: Voraussichtlich an diesem Mittwoch wird die Ampel an der Manhagener Allee, deren Pfeiler mitten auf dem neuen Radweg stehen, bei „extra 3“ zu sehen sein – es ist bereits der dritte Beitrag des Satiremagazins aus der Schlossstadt in diesem Jahr.

Abendblatt berichtete als Erster über Ampel

Über die Ampelanlage an der Kreuzung Manhagener Allee/Bargenkoppelredder/Moltkeallee hatte zuerst das Abendblatt am 18. September berichtet. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Stormarn warnt vor „erheblichen Gefahren für die Verkehrssicherheit“ an der Stelle. Der Grund: Drei Pfeiler der dortigen Ampelanlage stehen mittig auf dem Radweg. Diesen sowie den angrenzenden Fußweg hatte die Stadt erst bis zum Frühsommer für 1,2 Millionen Euro erneuert, um die Route fahrradfreundlicher zu gestalten.

Jürgen Hentschke, Vize-Vorsitzender des ADFC in Stormarn, befürchtet, dass vor allem Fußgänger durch die Positionierung der Ampelpfeiler gefährdet werden. Er sagt: „Wenn jemand schnell mit dem Fahrrad unterwegs ist, dann sind 75 Zentimeter Radweg neben dem Pfeiler zu wenig.“ Um nicht Gefahr zu laufen, den Ampelmast zu streifen, seien Radfahrer gezwungen, auf den Gehweg für Fußgänger auszuweichen. „Da kann es zu bösen Zusammenstößen kommen“, befürchtet Hentschke. Der ADFC warf dem Bauamt eine „beispiellose Fehlplanung“ vor.

Stadt möchte bei Radweg zeitnah nachbessern

Das Ahrensburger Bauamt hatte die Kritik zunächst zurückgewiesen. „Eine andere Platzierung der Ampelanlage wurde geprüft und ist nicht möglich“, sagte Stephan Schott, Leiter des Tiefbauamtes damals. Der Grund seien Versorgungskabel, die unter der Straße verliefen und nicht verlegt werden könnten. Inzwischen hat die Verwaltung allerdings angekündigt, dass nachgebessert werden soll. Der Radweg soll demnach an den drei betroffenen Pfeilern vorbei verlegt werden.

Jürgen Hentschke begrüßt das: „Es ist nicht die optimale Lösung, aber die kostensparendste, die jetzt noch möglich ist.“ Er ist überzeugt, dass auch die Berichterstattung dazu geführt hat, dass die Stadt versprochen hat, schnell nachzubessern. „Die Resonanz in den Medien zeigt, dass diese Kreuzung ein Ärgernis ist, das viele Menschen sehen“, sagt Hentschke.

Auch Bahnhof Gartenholz schaffte es ins Fernsehen

Erst in der vergangenen Woche war ein anderer Fall aus Ahrensburg bei „extra 3“ zu sehen. Das Satiremagazin berichtete über den „Pannenbahnhof Gartenholz“. Der Haltepunkt in dem Stadtteil im Norden Ahrensburgs soll für den Bau der neuen S-Bahnlinie 4 von Hamburg nach Bad Oldesloe zum großen Teil abgerissen werden, dabei war er erst vor zehn Jahren eröffnet worden.

Der Grund ist, dass die Deutsche Bahn die beiden Außenbahnsteige für die S 4 durch einen Mittelbahnsteig ersetzen möchte. Die Gleise müssen dazu auseinandergesetzt werden, doch dafür ist zwischen den vorhandenen Bahnsteigen kein Platz. Auf die Frage der Abendblatt-Redaktion, warum der Umbau notwendig ist, sagte eine Sprecherin der Bahn: „Unsere Variante ist für die Taktung der Verkehre optimal.“ Eine Begründung gab es von dem Konzern nicht, ebenso keine Angabe zu den kalkulierten Kosten.

Bauamt drohte mit Kosten, Ahrensburger mit Klage

Im August sorgte der „extra 3“-Beitrag über das „Ahrensburger Hecken-Hickhack“ für eine kontroverse Diskussion im Internet. Damals stritt das Ehepaar Senftleben mit dem Bauamt über den Rückschnitt ihrer Buchenhecke an der Roonallee. Bei der Auseinandersetzung, über die das Abendblatt erstmals im April berichtete, ging es um die Frage, ob das Gewächs die Fußgänger auf dem angrenzenden Bürgersteig behindert. Dieser Auffassung war das Bauamt.

„Die Hecke ragt nur einige Zentimeter über den unbefestigten Sandstreifen zwischen Gehweg und Zaun, der gepflasterte Bereich ist vollkommen frei“, argumentierte hingegen Wilhelm Senftleben. Das Ehepaar verweigerte den Rückschnitt. „Bei dem, was die Stadt fordert, wäre unsere halbe Hecke weg“, sagte Margitta Senftleben. Daraufhin bekamen die Eheleute Post vom Bauamt, das ihnen androhte, die Hecke selbst zu beschneiden und den Senftlebens das anschließend in Rechnung zu stellen. Die Eheleute drohten mit einer Klage, letztlich lenkte das Bauamt ein.

Bürgermeister: „Auch mal über positive Dinge berichten“

Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach zeigt sich gegenüber dem Abendblatt wenig erfreut über die prominente Rolle der Schlossstadt in dem Satiremagazin. Er sagt: „Ich würde mich freuen, wenn auch mal über positive Entwicklungen berichtet würde.“ Es gebe viele Dinge, die in Ahrensburg hervorragend liefen. Sarach: „Bedauerlicherweise stoßen negative Nachrichten bei den Machern von ,extra 3’ und dem Publikum offenbar auf größeres Interesse.“

extra 3 Mi 21.10., 22.50 Uhr, NDR Fernsehen