Theater

Niederdeutsche Bühne Ahrensburg spielt Komödie mit Abstand

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Elvira Nickmann
Haben Kai (Michbert Scheben, 2. v. l.) und Mona (Christine Henze, 3. v. l.) ein Verhältnis? Zumindest haben die beiden mit Fred (Werner Otto) und Grit (Tatjana Petrak) offensichtlich erheblichen Klärungsbedarf.

Haben Kai (Michbert Scheben, 2. v. l.) und Mona (Christine Henze, 3. v. l.) ein Verhältnis? Zumindest haben die beiden mit Fred (Werner Otto) und Grit (Tatjana Petrak) offensichtlich erheblichen Klärungsbedarf.

Foto: Elvira Nickmann

Neues Stück „Wat een Keerl“ feiert bald Premiere. Die Darsteller führen erstmals gemeinsam Regie. Corona-Regeln gelten auch für Bühne.

Ahrensburg. Wie funktionieren die Proben für ein Theaterstück, bei dem alle Darsteller gemeinsam Regie führen? Timo Breitenfeld von der Niederdeutschen Bühne Ahrensburg – Stormarner Speeldeel muss es wissen, denn er ist Regieassistent beim neuen Stück „Wat een Keerl“ des Theatervereins. Er sagt: „Wir mussten uns erst einmal einpendeln, das hat aber relativ zügig geklappt.“ Durch diese ungewöhnliche Vorgehensweise kämen viele gute Ideen und ein größeres Feedback zusammen. „Aber es ist auch schwieriger, auf einen Nenner zu kommen.“ Im Hinblick auf das Ergebnis habe sich die Mühe jedoch gelohnt. „Ein geglücktes Experiment“, so Breitenfeld. Bei der Premiere am Donnerstag, 22. Oktober (20 Uhr), können sich die Zuschauer ein eigenes Bild von der Qualität der Aufführung im Alfred-Rust-Saal (Wulfsdorfer Weg 71) machen. Wer zu diesem Termin bereits etwas anderes geplant hat, kann auch auf die nachfolgenden Vorstellungen am Freitag, 23. Oktober, oder Freitag, 30. Oktober (beide 20 Uhr), ausweichen.

Regieassistent überprüft Einhaltung der Abstandsregeln

„Vieles in dem Stück lebt von den Szenen, in denen sich die Darsteller körperlich näherkommen“, erläutert Timo Breitenfeld. Aufgrund der Corona-Auflagen müssten die Abstandsregeln allerdings auch bei den Proben und auf der Bühne umgesetzt werden. Nicht nur für die Darsteller bedeute dies eine große Herausforderung, da sie immer darauf achten müssten, den Mindestabstand von 1,50 Metern einzuhalten. „Viele Szenen mussten umgeschrieben werden und wir mussten uns bestimmte Dinge auch neu erarbeiten“, sagt Timo Breitenfeld.

Als Regieassistent hat er vielfältige Aufgaben: Zum einen muss er bei den Proben einen ständigen Blick auf das Geschehen auf der Bühne haben. „Wenn alle Darsteller auf der Bühne stehen, muss einer von außen drauf gucken und sehen, ob alles so passt.“ Außerdem sei die Regieassistenz eine Art Schnittstelle zu den Mitgliedern, die das Bühnenbild bauen. Die meiste Zeit gehe jedoch für die Organisation des ganzen Drumherum drauf – von Probenterminen bis hin zum Bestellen eines Tischs beim Italiener nach der Vorstellung. Neuerdings fungiert Breitenfeld zudem noch als Kontrolleur seines eigenen Teams. Er achtet darauf, dass die Corona-Auflagen auch während der Proben in jeder Situation eingehalten werden.

Niederdeutsche Version weicht von Urfassung ab

Doch was tun, wenn Szenen eigentlich von der Interaktion leben? Um Ideen sind die Theaterleute glücklicherweise nicht verlegen. Eine ganz normale Schultermassage mit den Händen wird da zu einer Massage von der Stange, ausgeführt mit einer Art Handattrappe, die an einem Stöckchen befestigt ist. Das sorgt manches Mal sogar für ein zusätzliches Quentchen Humor und Witz. Denn der darf bei den ganzen Änderungen nicht verloren gehen. Der Regieassistent sagt: „Das funktioniert aber nur, indem man das Corona-Thema mit einbaut.“

Die Handlung von „Wat een Keerl“ könnte manchem Zuschauer bekannt vorkommen. Der Stoff wurde 1937 unter dem Titel „Der Mustergatte“ mit Hans Rühmann in der Hauptrolle verfilmt. Doch die niederdeutsche Bühnenversion weicht in der Handlung ab und hält etliche Überraschungen bereit. Michbert Scheben spielt darin Kai, den Mustergatten. Der macht gerade eine schwere Zeit durch, denn seine Frau Grit (Tatjana Petrak) will sich scheiden lassen. Nicht aus den üblichen Gründen. Sondern weil ihr der Gatte und damit das Eheleben schlicht zu langweilig erscheint. Und er hat Konkurrenz: Fokko (Wolfgang Tietjens) versucht auf Macho-Art, bei Grit zu landen. Kai sucht Rat bei seinem Freund Fred (Werner Otto). Dessen Frau Mona (Christine Henze) wiederum schüttet Kai ihr Herz aus, denn sie hegt arge Zweifel an Freds Treue. Da haben die beiden einen grandiosen Einfall ...

Darsteller übertragen eigenes Alter auf ihre Rollen

Hauptdarsteller Michbert Scheben kennt die Verfilmung des Stoffs, er sagt: „Der Film ist einen Tick zu albern, wir haben mehr Tiefe hineingebracht.“ Außerdem hätten ihnen die Frauenrollen in der Originalfassung nicht gefallen. Nicht zeitgemäß, so Scheben. „Grit ist dagegen sehr selbstbewusst und weiß genau, was sie will“, sagt er. Freds Frau Mona und Kai seien dagegen eher die Naiven. Seine Kollegin Christine Henze, die die Rolle der Mona spielt, ergänzt: „Wenn es darauf ankommt, weiß auch Mona, was sie will.“ Deren Mann Fred charakterisiert sie als Blendertyp, der mit seinen „Ratschlägen“ das ganze Geschehen angezettelt habe.

In einem weiteren Aspekt weicht „Wat een Keerl“ vom Original ab: „Wir spielen das Alter, was wir tatsächlich haben“, sagt Scheben. Solcherart Konflikte könnten in jedem Lebensabschnitt entstehen. Und bieten eine tolle Vorlage für eine Komödie. Der Hauptdarsteller verspricht den Zuschauern: „Wir haben viel mehr verbale Gags als die Urfassung. Alles ist dichter und glaubwürdiger.“

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