Leichtathletik: Wettkampf der Besonderheiten

Den Stein weit weg schleudern

Jürgen Schwerin vom Buxtehuder SV hatte zum Spezialsport ins Jahnstadion geladen und fand Anklang bei den Aktiven.

Buxtehude. Ultra-Steinstoßen im Stadion von Buxtehude. Einen 50-Kilo-Brocken so weit wie möglich zu schleudern, hat seinen Ursprung nicht bei Obelix und seinem Wackerstein, sondern mit den physikalischen Gesetzen zu tun. Volker Jeschke, 120 Kilogramm schwer, den Schädel kahl geschnitten, das Gesicht freundlich und offen, erklärt die Kunst des Steinschleuderns. "Damit der Stein auch nach vorne fliegt", doziert er, "muss man ihn erst einmal auf Geschwindigkeit bringen. Also mit den 50 Kilo in den Händen laufen so schnell wie möglich. Wenn ich den Stein wegwerfe, saust er im Bogen auf die Erde. Je höher ich ihn dabei halte, je weiter fliegt er nach vorne."

Der Koloss im himmelblauen T-Shirt steht im Jahnstadion, packt den 50 Kilo Klumpen zwischen seine Pranken, stemmt ihn über den Kopf und stampft los. Fünf, sechs Meter, dann schleudert er den Stein von oben weg. Ein mächtiger Knall, der Stein ist gelandet. Volker Jeschke hat den genau 51,5 Kilo schweren Stein 3,45 Meter weit geschleudert. Das ist der Sieg in Buxtehude.

Zweite offene Buxtehuder Stadtmeisterschaft in LSW-Spezialsportarten", nannte sich offiziell, was Jürgen Schwerin zur Freude von 17 unternehmungslustigen Aktivisten organisiert hatte. Der studierte Sportwissenschaftler, der seit acht Jahren beim BSV als hauptamtlicher Sportlehrer angestellt ist, stammt aus Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern. "Dort haben wir bereits Anfang der 90er-Jahre ähnliche Wettkämpfe organisiert", sagt er, "es geht darum, neben der offiziellen Leichtathletik einmal eine ganz neue Herausforderungen zu suchen, Abwechslung und damit auch neuen Spaß zu haben."

Da gab es einen Erwin Kollmar, der hat diese etwas kuriosen zum teil uralten Disziplinen als LSW-Spezialsportarten Anfang der 70er-Jahre populär gemacht. Das LSW steht für Laufen- Springen-Werfen. Seit Anfang der 90er-Jahre werden auch Europa- und Weltmeisterschaften ausgetragen. In Bad Lauterberg sitzt heute ein gewisser Jean-Marc Rheder, der im Internet auch Rekord- und Jahresbestenlisten führt. Die Neuesten hatte Jürgen Schwerin ausgedruckt und zu seinem kleinen Sportfest der Kuriositäten mitgebracht.

So konnte Sabine Heise, eigentlich Triathletin und Mutter von zwei Leichtathletik-Kindern beim BSV, bei ihrer Rückkehr stolz vermelden: "Ich habe heute eine neue deutsche Jahresbestleistung im Keulenweitwurf aufgestellt." Der Keulenweitwurf gehörte auch zu den Besonderheiten bei diesen Stadtmeisterschaften. Sabine Heide, die neue deutsche Rekordhalterin der Frauenklasse 45, hatte die 250 Gramm schwere Keule genau 31,77 Meter weit geschleudert. Auch Jürgen Schwerin stellte bei den Männern mit der 500-Gramm schweren Keule mit 54,29 Metern eine neue nationale Jahresbestzeit auf. Claudia Kannan aus Bremen verbesserte den deutschen Rekord im Stoßen des 25-Kilo-Steines auf 3,32 Meter. Der Buxtehuder A-Jugendliche Sascha Henning, der für die TSG Bergedorf startet, gewann das Tennisball-Weitschlagen mit 54,81 Meter.