Kommentar

Gedenken? Ja, aber mit Vorsicht

Darf eines Mannes gedacht werden, der ein Gegner der Weimarer Republik, der erzkonservativ-national war und sagte: "Ein christlicher Neger ist mir lieber als ein ungläubiger Deutscher"? Ja, es darf.

Denn worauf es primär ankommt, ist, dass sich Johann Gerhard Behrens als Pastor in Stade gegen das NS-Regime und seine Ideologie gestellt hat und gegen das Unrecht an den Juden aussprach. Und das öffentlich zu einem Zeitpunkt, als jede falsche Äußerung den eigenen Tod bedeuten konnte. Diese konsequente Haltung verdient Respekt. Seine Biografie verlangt von uns aber auch, den Pastor nicht vorbehaltlos zu würdigen. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte ist immer vonnöten, wenn historischer Ereignisse und Personen gedacht werden soll. Eine simple schwarz-weiß-Malerei nach dem Motto, hier die Bösen, dort die Guten, gibt es nicht. Auch nicht im Fall des Stader Geistlichen. Der Lebenslauf des Pastor Behrens ist, wenn er genau betrachtet wird, mehr grau als weiß gefärbt. Seine erzkonservative, demokratiefeindliche Haltung muss daher ebenso öffentlich hervorgehoben werden wie seine überaus großen Verdienste, sofern man dem Menschen Behrens gerecht werden und sich nicht in Plattitüden ergehen will. Was für den Stader Pastor gilt, gilt auch für viele andere sogenannte Helden der (nicht nur) deutschen Geschichte. Merke: Helden gibt es nicht - sie werden mit einseitigen Biografien künstlich erschaffen.