Teure Goldkelche für Gottes Segen

Foto: Schwedenspeicher-Museum Stade / Schwedenspeicher-Museum Stade/Altländer Kirchenstiftung

Neue Vortragsreihe bringt historische Schätze in die Altländer Kirchen zurück

Twielenfleth/Steinkirchen. Einfach soll er gewesen sein, der Becher, den Jesus beim Abendmahl nutzte. Schlicht, ohne Verzierungen, wahrscheinlich aus Holz. Der Becher eines Zimmermanns. Weit von diesem Ideal entfernt, sind die Abendmahlskelche, die schon wenige Jahrzehnte nach dem Ableben von Jesus unter den Anhängern der noch jungen Religion benutzt wurden. Die zunächst unter gläubigen Christen für die Eucharistiefeier gebrauchten, meist aus Glas gefertigten Becher unterschieden sich von profanen Gefäßen öfter aufgrund von christlichem Bilderschmuck.

Aber schon im Altertum wurden, neben Kelchen aus weniger wertvollen Materialien wie Bronze oder Holz, auch solche aus kostbarem Gold und Silber angefertigt. Etwa ab dem 9. Jahrhundert wurden dann fast ausschließlich Edelmetalle wie Silber, Messing, oder Kupfer für die Herstellung der Symbolbehafteten und mit kunstvollen Ornamenten versehenen Kelche benutzt.

Für gewöhnlich lagern die Schätze im Schwedenspeicher-Museum

Auch im Alten Land wurden Jahrhunderte lang kunstvolle Kelche genutzt. Silber und Gold, verziert mit sechs Szenen aus der Passionsgeschichte. "Diese Kelche lagern derzeit im Schwedenspeicher-Museum in Stade. Nun sollen sie noch einmal aus dem Museum raus und zurück an ihren ursprünglichen Ort, also in die Kirchen", sagt der ehemalige Pastor Bodo Kromus von der Altländer Kirchenstiftung. Allerdings sollen die Kelche nicht nur als Teil der Liturgie benutzt werden sondern vielmehr als Beispiele für Jahrhunderte lang betriebene Kunst und als Exemplare eines aufwendigen Handwerks dienen. Geld, Gold und Schweiß, die der Ehre Gottes dienen sollten.

Dass im Alten Land über die Jahrhunderte hinweg - untypisch für eine protestantisch geprägte Region - prunkvoll verzierte Kelche überlebt haben, verdankt die Region dem Zufall. "Der Bildersturm, der den Prunk aus den Kirchen verbannt hat und für sehr nüchterne Kirchen ohne Wandschmuck und Goldkelche gesorgt hat, ist von seiner Intensität sehr unterschiedlich verlaufen. Das Alte Land hat kaum mit den Folgen des Bildersturms zu kämpfen, denn die katholischen Kirchen wurden zumeist friedlich von den Protestanten übernommen", sagt Kromus. Die Kelche und diverse andere Kunstschätze blieben erhalten und wurden weiter im kirchlichen Alltag genutzt.

Die wertvollen Abendmahlskelche wurden irgendwann einfach vergessen

Lange Zeit war selbst vielen Pastoren nicht bekannt, über welch kulturhistorisch wertvolle Kelche die Kirchen in der Region verfügen. Die Kirchen arrangierten sich mit der neuen Mode, schlichten Kelchen, die wieder dichter am Ideal eines einfachen Zimmermannkelches sind. "Die alten Kelche wurden irgendwann als Dauerleihgaben an das Museum in Stade gegeben und im Laufe der Jahre einfach vergessen", sagt Kromus.

Der ehemalige Pastor ist eher zufällig auf die Idee gekommen, diese einst vergessenen Kelche jetzt gemeinsam mit der Kirchenstiftung ins Zentrum einer Kultur-Vortragsreihe zu stellen. Während einer Vorlesung in Kunstgeschichte an der Hamburger Universität begann Kromus, die Kelche nicht nur als Elemente des Gottesdienstes, sondern als kunstvolle Kultgegenstände wahrzunehmen, als Zeugnis einer zweckgebundenen Handwerkskunst. "Plötzlich kommen einem Fragen in den Sinn, wieso ein Abendmahlskelch so und nicht anders gestaltet wurde, welche Idee von Gottesfürchtigkeit und Religiosität sich darin widerspiegelt", sagt Kromus. Auch die Frage, welches Selbstverständnis vor allem die Spender der Kelche hatten, bewegt Kromus, denn die meisten Kelche waren Auftragsarbeiten von reichen Mäzenen. Der Kelch, auch wenn er der Ehre Gottes dienen sollte, diente auch dem Ansehen des Mäzen.

Im Rahmen von vier Vorträgen werden die Abendmahlskelche aus Hollern, Steinkirchen und Neukloster, sowie eine Statue der Heiligen Gertrud (etwa 15. Jahrhundert), der Öffentlichkeit präsentiert. Sie sollen nach den Vorträgen in einer kleinen Abendmahlsfeier noch einmal ihre ursprüngliche Funktion wahrnehmen: Symbolisch das Blut Christi unter die Gläubigen bringen.

Am Sonntag, 15. August, wird die Heilige Gertrud beim Vortrag von Pastorin Martina Janßen über historisch "Starke Frauen in der Kirche" vorgestellt. Sonja Haak und Bernd Pieper begleiten den Vortrag, der um 17 Uhr in der St.-Marien-Kirche zu Twielenfleth beginnt, musikalisch. Am Sonntag, 19. September, wird Pastor Uwe Junge von 18.30 Uhr an in der St.-Martini et Nicolai-Kirche in Steinkirchen über die "Bedeutung der Abendmahlsfeier im Wandel der Zeiten" berichten. Musikalisch wird die Veranstaltung von den Chören Steinkirchen und Hollern begleitet. Am Sonnabend, 23. Oktober, wird Elke Kessel von 17 Uhr an in der Kirche in Neukloster die "Darstellungen des Abendmahls in der Bildenden Kunst" beleuchten. Musikalisch wird von Wolfgang Ahrens Obertonmusik präsentiert.

Abschließend wird Bodo Kromus am Mittwoch, 17. November, von 19 Uhr an über "Silberschmiedearbeiten zur Ehre Gottes" berichten. Der Vortrag in der St.-Mauritius-Kirche in Hollern wird von Evamaria Kretz (Querflöte) und Sonja Haak (Orgel) musikalisch begleitet. Der Eintritt ist zu allen Veranstaltungen frei, um eine Spende für den Erhalt der Kirchen wird gebeten.