Polarisierende Fotos von einer spröden Insel-Schönheit

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Thorsten Berndt lässt Betrachter Helgoland neu entdecken

Grünendeich. Der Fotograf und Kameramann Thorsten Berndt aus Uetersen bringt mit seinen ästhetischen Schwarz-Weiß-Fotos die Schönheit der Hochseeinsel Helgoland in erstaunlich harmonischen Einklang mit ihren Makeln. Diese von Menschenhand geschaffenen, existenznotwendigen Eingriffe sind eigentlich Stilbrüche an der Felseninsel.

Thorsten Berndt fokussiert sie fast provokant in bizarren Bildern. Betonwälle, Tetrapoden (vierarmige Küstenschutzbauwerke aus Beton) und freigespülte Stahlgerüste, rostige Stahlnieten setzt Berndt genauso intensiv in Szene, wie die Lummenfelsen oder die "Lange Anna", den Symbolfelsen der Insel. Der Fotograf bewertet nicht, er lässt die Betrachter durch sein Objektiv blicken und entfaltet so buchstäblich objektive Ansichten von der spröden Insel-Schönheit.

Helgoland ist seit jeher gezeichnet vom Spannungsfeld zwischen Natur und Naturgewalten, von Menschenhand geschaffenen Schutzmaßnahmen, missglückter 50er- und 60er-Jahre-Architektur und den faszinierenden roten Felsen. Berndts Bilder polarisieren. Schön oder nicht schön? Das ist die Frage, die sich die Ausstellungsbesucher selbst beantworten müssen. Die meisten Betrachter sind hingerissen von hoch kreativen Bildkompositionen, im quadratischen "Problem-Format". Andere wiederum lassen sich vom harten, dunklen Panorama der Fotografien verschrecken, weil sie den Blick auf Dinge richten, die man als Urlauber auf einer Insel nicht sehen möchte.

Thorsten Berndt hat bei einer Reihe von Aufenthalten auf Helgoland ein sehr persönliches Portrait der Insel geschaffen. Seinen fotografischen Schwerpunkt sieht Berndt in der Landschaftsfotografie, er hat sich dabei mit Wasser, Wolken, Felsen und Beton als Motiven auseinandergesetzt. Dabei spielen Wellen und Wind als die Landschaft prägenden Elemente ein wichtige Rolle. Die Bilder zeigen Helgoland von einer starken, kraftvollen Seite, die permanent den Naturgewalten trotzt und geben die Möglichkeit die Insel auf eine neue Art zu entdecken, den sie zeigen Details, die bei den vielen Reizen von Helgoland oft übersehen werden.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober an allen Öffnungstagen der Infostelle der Maritimen Landschaft Unterelbe, Kirchenstieg 33 zu sehen, also jeweils donnerstags und freitags von 12 bis 16 Uhr sowie sonnabends, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.