Jorker Orgel wird für 25 000 Euro saniert

Putzen und Klopfen für den hellen Klang der Pfeifen

Bis Weihnachten sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Danach wird die Orgel endlich wieder besser klingen.

Jork. Hinter der schmucken Fassade der Orgel in der St.-Matthias-Kirche ist derzeit einiges los. Orgelbauer Harm Dieder Kirschner und seine Mitarbeiter Edzard Knoke und Onno Kramer wollen bis Weihnachten in der historischen Orgel klar Schiff machen. Dabei gilt es in erster Linie, den Staub aus allen Ecken und Winkeln des historischen Instrumentes zu entfernen. Und da hat sich seit der letzten Reinigung vor 27 Jahren einiges angesammelt. Zudem sollen Dellen, die beim Stimmen des Instrumentes an den metallenen Pfeifen entstehen können, ausgebeult werden. Von den Holzteilen muss der Schimmel entfernt werden. Zu guter letzt wird das Instrument gestimmt. Die Arbeiten, die den Klang der Orgel verbessern sollen, lässt sich die Jorker Kirchengemeinde 25 000 Euro kosten. "Zwei Drittel der Kosten müssen wir selbst aufbringen, mit einem Drittel beteiligt sich die Landeskirche", sagt Hans Tegtmeyer, Pastor der St.-Matthias-Kirchengemeinde.

Für diesen Preis müssen die Orgelbauer einiges leisten: Jede einzelne Pfeife - insgesamt sind es mehr als 1000 - muss aus der Halterung genommen werden, um von innen wie auch von außen gereinigt zu werden. Die Regale, in denen die Pfeifen sortiert lagern, verschmälern den sowieso engen Gang in der Orgel. So wuseln die Orgelbauer im Slalom um die Werkzeuge, Regale und Putzeimer. Die Putzlappen haben sie über die Schulter geworfen. Für den Aus- und Einbau der Pfeifen balancieren die Männer in schwindelerregender Höhe auf einem Stahlgerüst, das vor der Orgel aufgebaut ist. Damit die Orgel zu Weihnachten wieder erklingen kann, legen die Orgelbauer Akkordarbeit hin. "Wir fangen morgens gegen acht Uhr an und hören abends gegen 21.30 Uhr auf", sagt Kirschner.

Orgelbaulehrling Onno Kramer hat gerade eine angenehme Aufgabe erwischt: Er reinigt eine Pfeife in mittlerer Größe - breit genug, um mit einer Flaschenbürste den Staub aus dem Inneren zu entfernen, aber klein (und damit leicht) genug, um sie ohne größere Anstrengungen von außen mit dem Lappen auf Hochglanz zu bringen. Das ist nicht immer so. Die größte Pfeife in der Orgel misst stolze 4,80 Meter, die kleinste 15 Zentimeter.

Die Reinigungsarbeit sei aber alles andere als langweilig, sagt Kirschner. Er hält eine rund 40 Zentimeter lange Pfeife in der Hand und zeigt auf das eingeritzte Wort: ein schwungvolles "Cis". "Das ist noch von Arp Schnitger." Er war einst der prominenteste Orgelbauer im Norden. Schnitger legte 1678, 1679 sowie 1709 Hand an die Jorker Orgel. "Vielleicht findet Herr Kirschner sogar Hinweise in der Orgel, die aufklären können, was Schnitger an der Orgel verändert hat, an der zuvor der Buxtehuder Orgelbauer Matthias Mahn schon gearbeitet hatte", sagt Orgelexperte Richard von Busch.

Derweil ertönt ein Brummen aus einer Ecke der Orgel. Onno Kramer hat den Staubsauger angeworfen. "Wir arbeiten mit zwei Staubsaugern, das sind typische Werkzeuge eines jeden Orgelbauers", sagt Kirschner. Während der Predigten wird der Staubsauger aber nicht die Orgelmusik ersetzen: Harm Kirschner hat eine selbstgebaute Truhenorgel mitgebracht. An dem klaviergroßen Leihgerät wird Organistin Susanne Wegener bis Weihnachten für kirchliche Klänge sorgen.