Türkischstämmige Friseurin bietet besonderen Service

Haarmode für verhüllte Frauen

Foto: Bianca Wilkens

Statt mit Kamm und Schere arbeitet Sevda Yeter mit Nadeln und Stoff. Im Mai will sie ihren Salon eröffnen und Frauentage anbieten.

Stade-Bützfleth. Aufwendige und originelle Frisuren für streng gläubige muslimische Frauen sind ziemlich überflüssig. Schließlich wird die Haarpracht unter dem Kopftuch versteckt. Was aber, wenn nicht die Haare, sondern das Kopftuch onduliert wird? Genau das hat die ausgebildete Friseurin Sevda Yeter aus Stade-Bützfleth als Marktlücke entdeckt. Die gebürtige Türkin bindet verhüllten Frauen die Tücher zum eleganten Kopfschmuck. Diesen speziellen Service will die 29-Jährige muslimischen Frauen anbieten, wenn sie sich im Mai mit ihrem Friseursalon in Bützfleth selbstständig macht.

"In Stade ist das eine Marktlücke", ist Yeter überzeugt. Denn nach ihren Erzählungen gehen verhüllte Stader Frauen nicht zum Friseur, wenn sie etwa zu einer Hochzeit oder anderen besonderen Anlässen ihr Kopftuch nicht einfach nur überstülpen, sondern auch mal mit ihrem Stoff auf dem Haupt auffallen wollten. Die Musliminnen lassen sich in der Regel zu Hause hinter verschlossenen Türen frisieren. Denn beim Haarschneider laufen sie Gefahr, dass es Herrenbesuch gibt oder männliche Passanten durch das Schaufenster des Salons einen Blick auf ihre Haare erhaschen könnten. Der Glaube der muslimischen Frauen verbietet es ihnen, ihre Haare zu zeigen.

Dennoch spiele der Kopfschmuck bei verhüllten Frauen eine große Rolle, sagt Yeter. "Wenn er sitzt, haben die Musliminnen automatisch gute Laune - genauso wie Frauen, deren Haare gut sitzen." Im Übrigen findet die Friseurin, dass auch kopftuchtragende Frauen ein Recht darauf hätten, sich verwöhnen zu lassen. Deshalb hat sie vor, in ihrem neuen Friseursalon, den sie zu Hause in Bützfleth einrichten will, einen Frauentag einzuführen. Das heißt: An diesem Tag wird nur Frauen der Einlass gewährt. Den Musliminnen werden die Köpfe im hinteren Bereich des Salons frisiert.

Nadeln und Stoffe ersetzen dann Kamm und Schere. Etwa 50 Stecknadeln pikst Yeter in jedes Kopftuch-Gesteck. Die Kunst besteht darin, die Stofffalten so zu legen, dass die Kopfbedeckung einer Hochsteckfrisur ähnlich sieht. "Je höher die Tücher gesteckt werden, desto besser sieht es aus", sagt Yeter. Das gelte besonders für Braut-Frisuren.

Und so gibt die Haarkünstlerin ihrer angeheirateten Tochter Gülnur Yeter, die für sie Modell sitzt, einen besonderen Braut-Look: Als erstes bindet sie ein so genanntes Unterkopftuch um den Kopf der 17-Jährigen. Das Tuch hat den Zweck, alle Haarsträhnen zu bedecken. Die zweite Schicht: ein paillettenbesetztes weißes Tuch als Hingucker. Es folgt ein glänzend-weißer Stoff, den die Friseurin unter dem Kinn mit einer Perlennadel zusammenbindet.

Überraschend ist, dass eine Haarspray-Dose zu den Werkzeugen der Friseurin zählt.

Mit dem Spray versucht Yeter, dem weißen Stoff Halt zu geben, damit es wie ein rundes Dach über der Stirn hinausragt.

Wie eine Mode-Designerin türmt Yeter schließlich die äußerste Schicht - einen durchsichtigen ebenfalls mit Pailletten besetzten Stoff - zu einer Rosette auf dem Hinterkopf auf. Zum Schluss näht sie noch einen silbernen Haarschmuck darauf - fertig ist der Brautschmuck für die kopftuchtragende Frau.

Yeter setzt auch auf Farben, um den kreativen Spielraum bei der Verhüllung zu erweitern. Die Staderin hat an die 100 Kopftücher in unterschiedlichen Farben zur Auswahl und kann dadurch auch Trends aufgreifen. Was für die Mode gilt, gelte auch für die Kopftücher, sagt Yeter. Zurzeit seien kräftige Farben gefragt - etwa Lila und Petrol. "Es muss aber zur Abendgarderobe passen", sagt die Friseurin.

Es kann schon mal vorkommen, dass Yeter mehr als zehn Stoffstreifen um den Kopf wickelt. "Da kenne ich keine Grenzen", sagt sie, und bindet ihrer zweiten Tochter Tülay, die sich wie ihre Schwester Gül nur als Modell zur Verfügung stellt, mehrere pink- und rosafarbene Tücher um ihr Haupt.

Selbst ihre Zwillingstöchter, die normalerweise kein Kopftuch tragen, sind am Ende ganz angetan vom Werk ihre Mutter. Die 17-jährige Gülnur Yeter stellt überrascht fest, dass ihr die Verhüllung gut steht: "Mit Kopftüchern kann man mehr machen, als ich dachte."

Wer sich für das Angebot von Sevda Yeter interessiert, kann sich bei ihr unter Tel. 0176/81 03 27 54 melden.