Klassische Gesellschaftstänze wieder in Mode

Tanzen, als wär's 1791

Die Schritte wollen gelernt sein. Workshops und Bücher zeigen, wie Adel und Bürger einst über das Parkett fegten.

Stade/Buxtehude. Wenn am Wochenende Bars und Diskotheken landauf, landab ihre Türen öffnen, schwingt die Jugend von heute wieder ihre Hüften zu HipHop, Rhythm and Blues, Rock und Pop. Doch jetzt liegen plötzlich auch alte Gesellschaftstänze voll im Trend.

"Das Interesse an der eigenen Geschichte und den familiären Wurzeln nimmt zu", sagt Tanzdozentin Sylvia Malysiak aus Stade. Das mache auch höfische Tänze vergangener Epochen für Jung und Alt wieder attraktiv. "Mir gefallen die Barocktänze aus der Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. am besten. Mein absoluter Lieblingstanz ist die Majestätische Sarabande: würdevoll, fast sakral und von unvergleichlicher Eleganz."

Um ihre Begeisterung für alte Schrittfolgen weiterzugeben, bot die Expertin Anfang dieses Jahres erstmals im Landkreis Stade ein "Historisches Tanzvergnügen zum kennenlernen" in der Familienbildungsstätte Stade an. Die Resonanz war enorm. Nächster Termin: März 2010. Interessenten können sich bereits jetzt unter info@fabi-stade.de per E-Mail oder unter Tel. 04141/92 17 31auf einer Warteliste vormerken lassen. Pro Person kostet das Seminar 26,70 Euro.

Auf dem Programm der zweitägigen Veranstaltung stehen Modetänze aus Renaissance, Barock, Rokoko und Romantik. Für den nötigen Schwung sorgt die Musik von Komponisten wie Prätorius, Boccherini, Mozart, Beethoven und Strauß.

Zwischendurch serviert die Dozentin ihrem Publikum immer wieder Geschichten über Mode und Umgangsformen der vergangenen Zeit. Ferner bietet sie eine kleine Kostümausstellung, Bilderbücher zum Thema Mode und Kochkunst, CD- und Film-Empfehlungen sowie Informationen zur aktuellen historischen Tanzszene in Deutschland, Europa und Übersee.

Wer nicht bis März warten will, sondern sich schon jetzt mit den Tänzen seiner Vorfahren vertraut machen möchte, kann einen Blick in die kürzlich erschienenen "Altenländer Noten- und Tourenbücher von 1791 und 1792" von Hinrich Behr werfen. Die Abschriften der Noten und Schrittfolgen führen auch ungeübte Tänzer in die Tanz- und Musikkultur des Alten Landes ein. Beiträge über Tanz-, Kunst- und Volksmusik, über Musikantenprivilegien in Bremen-Verden sowie ein Bildteil zur Verbindung zwischen Tanz und Tracht im Alten Land runden die Darstellung ab.

Grundlage für das Husum Verlag erschienene Buch waren zwei handgeschriebene Noten- und Tourenbücher mit 48 Tänzen, wie sie einst von den über Land ziehenden Tanzlehrern verbreitet wurden. Das 133 Seiten starke Buch von Hinrich Behr kostet 17,95 Euro.