Verhindert der Klimagipfel den Bau neuer Werke?

Streit um Kohlekraft: Stader hoffen auf Kopenhagen

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Die geplanten Energieanlagen könnten vor dem Aus stehen - wenn die Politik den CO2-Ausstoß tatsächlich reduzieren will.

Stade. Die Gegner der bis zu drei geplanten Kohlekraftwerke in Stade setzen auf Kopenhagen: Sie hoffen, dass die Weltklimakonferenz, die am kommenden Montag beginnt, dafür sorgt, dass die Werke nicht gebaut werden. Konkret bedeutet das: Sollten sich die Staats- und Regierungschefs sowie ihre Vertreter in der dänischen Hauptstadt darauf verständigen, den CO2-Ausstoß vergleichsweise stark zu reduzieren, dann hätten Kohlekraftwerke in Stade keine Zukunft. Das jedenfalls wünscht sich die Bürgerinitiative "Stade-Altes Land" (BI).

"Dass das Thema Kohlekraft in den Köpfen der Menschen angekommen ist, ist vielleicht auch eine Folge unserer Arbeit", sagt Ingrid Meyer-Schmeling, die zur Führungsgruppe der BI gehört.

Die Bilanz der Bürgerinitiative für Jahr 2009 kann sich sehen lassen. Mehr als ein Dutzend Fachgespräche wurden mit Politikern geführt sowie zahlreiche Experten-Vorträge organisiert. Informationen wurden mit Umweltverbänden und auch mit Konzernen wie Dow-Chemical ausgetauscht. Vertreter des Chemiekonzerns haben mit den Bürgern Studien, Risiken und Chancen von Gas- und Kohlekraftwerken besprochen. Heinrich Brenner, Experte für Genehmigungsverfahren bei der Dow, ist ein regelmäßiger Gast der BI und informiert die Bürger über die Kraftwerksplanungen bei der Dow.

Das derzeit bei der Dow im Bau befindliche Gaskraftwerk soll das veraltete Dampfkraftwerk ablösen, bis eine Entscheidung für ein Kohlekraftwerks in Stade gefallen ist - oder aber für andere Energiegewinnung. "Wir finden die Kohlekraft nicht sonderlich positiv, es ist für uns aber momentan die günstigste Energiequelle", sagt Brenner. Der Konzern benötige 8760 Stunden Dampf und Strom pro Tag. Das neue Gaskraftwerk, so Brenner, sei da auch nur eine Übergangslösung, denn der fossile Brennstoff ist auf Dauer zu teuer. Am liebsten möchte der Konzern den Dampf über ein Dampf-Netz erhalten - doch das gibt es in Stade nicht.

Für den Bau eines Kohlekraftwerks auf dem Dow-Gelände führt das Unternehmen derzeit Gespräche mit einem neuen Investor, bei dem es sich um ein größeres deutsches Energieunternehmen handeln soll. Brenner rechnet aber nicht damit, dass noch in diesem Jahr eine Entscheidung über die Kohlekraft fällt. "Die Planungen sind auch vom Ergebnis des Kopenhagener Klimagipfel abhängig", sagt der Experte von der Dow. Stefan Krujer von der BI hofft auf einen baldigen Stopp der Kohlekraftwerksplanungen in Stade. Die Klimaschutzziele wären sonst gescheitert, so Krujer. In Stade sind bis zu drei Kraftwerke geplant. Laut einer Studie von "Prognos" und "Öko-Institut" dürfte eine Tonne CO2 pro Person emittiert werden, um das Ziel einer maximalen Erderwärmung um zwei Grad Celsius bis 2050 zu erreichen. In Deutschland werden derzeit zwölf Tonnen CO2 pro Kopf freigesetzt.

Ein Kraftwerk mit 800 Megawatt Kapazität würde jede Stunde 513,7 Tonnen Kohlendioxid ausstoßen - pro Jahr wären das 4,5 Millionen Tonnen. Auch die weiteren Verbrauche und Abgase seien bedenklich. Pro Stunde würden unter anderem 222 Tonnen Kohle benötigt - das entspräche 5328 Lastwagenladungen pro Tag. Auch die Menge der freigesetzten Giftstoffe sei besorgniserregend. Sie läge unter anderem bei 2,7 Kilogramm Arsen und 1,6 Kilogramm Quecksilber pro Tag.

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