Viel Frust bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz

"Ich möchte endlich arbeiten"

Nico hat die höhere Handelsschule absolviert. Doch auch nach 50 Bewerbungen gibt es keine Lehrstelle.

Horneburg. "Wenn ich manchmal sehe, wie andere, die einfach gute Beziehungen haben, ohne zu lernen weiter kommen und einen Ausbildungsplatz bekommen, ohne sich anstrengen zu müssen, das frustriert mich", sagt Nico. Nico ist 18 Jahre alt und hat jetzt gerade die Höhere Handelsschule beendet. Nico will lernen. "Ich möchte etwas tun, ich möchte einen Beruf erlernen und arbeiten, um irgendwann unabhängig von meinen Eltern zu werden, unabhängig vom Taschengeld. Ich möchte mein eigenes Leben leben. Und mein Traum ist, Bürokaufmann zu werden"

Im letzen Schuljahr hat der junge Mann seine höhere Handelsschule abgeschlossen. Notendurchschnitt: 2,6. "Leider habe ich mir meinen Durchschnitt durch eine vier in Deutsch verdorben. Aber zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, was das bedeutet. Ich wusste nur, dass ich nach elf Jahren Schule endlich arbeiten wollte. Jetzt weiß ich, dass das dumm war, und ich besser mehr gelernt hätte", sagt Nico. Nico Meyer ist einer von 24 Schülern, die den Abschluss geschafft haben. Vier von ihnen haben einen Ausbildungsplatz bekommen, Nico gehört zu den 20 Absolventen, die noch keine Lehrstelle gefunden haben. Seit etwa einem Jahr schickt er eine Bewerbung nach der anderen los, bislang ohne Erfolg. Etwa 50 Bewerbungsmappen hat er inzwischen zur Post gebracht. "Ich hatte bisher ein Bewerbungsgespräch, und ich hatte mich wirklich sehr gut vorbereitet, aber in der zweiten Runde bin ich eben raus gefallen. Schon bei dem Gespräch sagte man mir, es gebe einige Abiturienten, die die Stelle auch gerne hätten", sagt Nico. Zwei Wochen später bekam er per E-Mail die Absage. Man habe sich für einen anderen Kandidaten entschieden, hieß es darin.

Auf der höheren Handelsschule habe er gemerkt, was ihm wirklich Spaß mache: "Ich möchte in einem Büro arbeiten, Rechnungen schreiben, mit Excel-Tabellen arbeiten, mit Kunden umgehen, das ist es, was mir gefällt. Ich beherrsche Star Office und World, ebenso wie die anderen Programme, die Kaufleute für ihren beruf benutzen. Ich möchte Kaufmann werden, und da ist es mir egal, in welche Richtung die Ausbildung geht. Ich brauche nur jemanden, der mir eine Chance gibt", sagt der junge Mann, der für sein Alter sehr vernünftig wirkt. Nico bewirbt sich für Ausbildungsplätze für Bürokaufleute, Industrie- und Handelskaufmann, IT-Kaufmann oder Einzelhandelskaufmann, seine Interessen sind vielfältig.

"Das schlimmste für mich ist, dass ich im Moment überhaupt nichts zu tun habe. Morgens aufzustehen, nur um Bewerbungen zu schreiben, das ist kein gutes Gefühl", sagt Nico, der seine Altersgenossen beneidet, die noch zur Schule gehen, weil sie einen geregelten Tagesablauf haben. Und dann nur Absagen auf all die Bewerbungen zu bekommen, das sei auf Dauer sehr frustrierend. Aber er wolle eben eine Ausbildung machen. Deswegen gibt Nico nicht auf. Verschiedene Praktika habe er bereits absolviert, aber leider habe sich dabei in keiner Firma eine Lehrstelle ergeben. Nico: "In der Schule hatten wir eine fiktive Firme, eine Möbelfabrik und Spedition. Wir alle haben in dieser Firma die verschiedenen Stationen durchlaufen, und das hat mir großen Spaß gemacht. Auch wenn es eben nur eine ausgedachte Firma war, waren wir sehr erfolgreich."

An manchen Tagen sei er sehr verzweifelt, aber dann schreibe er eben die nächste Bewerbung, in der Hoffnung, wenigstens einen Praktikumsplatz zu bekommen. "Ich verstehe einfach nicht, warum mir niemand wenigstens die Chance gibt, zu beweisen, was ich kann. Ich wäre auch über ein Praktikum froh. Aber überhaupt nichts tun zu können, das ist schlimm für mich", sagt er. Für zwei Tage macht Nico jetzt ein Praktikum in Bremen. Für ihn heißt das früh morgens aufzustehen, um rechtzeitig in Bremen zu sein. "Das ist kein Problem für mich. Ich bin immer sehr pünktlich, weil ich es nicht mag, wenn andere Leute auf mich warten müssen. Genauso wenig, wie ich gerne warte, wenn ich verabredet bin. Und ich bin froh, jetzt wenigstens für zwei Tage einen Praktikumsplatz zu haben, auch wenn der in Bremen ist", sagt der junge Mann. Nico gibt die Hoffnung, einen Aufbildungsplatz zu finden, nicht auf.