Randnotiz

Jetzt erst recht: Ich füttere Enten

"Ja, bin ich denn zu dick?", fragt mich Friederike, die Teichente, mit unschuldigem Augenaufschlag. Zusammen mit schätzungsweise rund 100 Artgenossinnen ist sie meine feste Freundin.

Mindestens einmal in der Woche besuche ich die Enten am Mühlenteich in Buxtehude-Altkloster.

Enten sind Herdentiere und Individualisten zugleich. Herdentiere, so dass sie sich immer in ganzen Trupps auf den Weg zur Fütterung machen - manche schwimmend, die anderen im Flug und dann mit unbeholfen-platschender Landung. Am Sonntagabend sind sie oft satt und träge, weil am Wochenende viele mit ihrem Brot hier waren, aber meistens - und darum geht es - ist die Freude der Enten groß.

Enten sind kluge Tiere, sie lernen schnell allerlei Kunststückchen. Das Brot aus der Hand fressen, das schaffen viele, die Leckereien im Flug aus der Hand holen - das ist die höhere Schule, und die Talentiertesten fischen mit dem Schnabel das geworfene Brotstückchen direkt aus der Luft. Im Zirkus auftreten könnte man mit den Buxtehuder Teichenten.

Doch plötzlich soll alles anders sein: Die Stadt Buxtehude warnt mit peinlichen Plakaten davor, dass das Entenfüttern die Enten angeblich dick macht. Peinlich sind die Plakate vor allem für die Enten. Nein, Friederike, so fett wie auf dem Foto bist Du wirklich nicht!

Liebe Friederike, künftig traue ich mich erst im Dunkeln zu Dir und Deinen Freunden - der öffentliche Druck wird sicher schnell die Entenfütterer in die Nähe von Umweltverbrechern, Parteispendern oder Kinderschändern rücken. Aber keine Angst, mein altes Brot bekommst Du weiterhin - zur Not kauf ich mir eine Taschenlampe. Du musst nur laut genug schnattern, dann finde ich Dich!