Wahrzeichen: Das Gebäude wurde 1978 abgerissen

Krautsander wollen ihren alten Leuchtturm wieder aufbauen

Strandwärter Wilfried Haack ist auf der Suche nach einem Investor, der ein Ausflugslokal betreiben möchte.

Krautsand

Wilfried Haack sorgt auf Krautsand für Sauberkeit und Ordnung. Der 72-Jährige ist seit einigen Jahren als Strandwärter auf der Elbinsel tätig, die Ortsteil der Gemeinde Drochtersen ist. Dass Hundebesitzer und Picknickgäste den Strand genauso sauber wieder hinterlassen, wie sie ihn vorgefunden haben, liegt ihm am Herzen. Darauf weist er die Besucher mit selbst gestalteten Schildern hin. Jetzt macht Haack mit einem spektakulären, wenn auch nicht gerade kostengünstigen Vorschlag von sich reden.

Der Strandwärter möchte das frühere Wahrzeichen Krautsands, den alten Leuchtturm aus dem Jahr 1901, wieder zum Leben erwecken, der 1978 im Zuge des Deichbaus abgerissen wurde. An seine Stelle als neues Unterfeuer trat ein 20 Meter hoher Zweckbau aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Dem alten Bauwerk wird auf Krautsand noch immer nachgetrauert. In einem Internetforum wird das frühere Krautsander Unterfeuer sogar als der einstmals "schönste Leuchtturm an der Unterelbe" bezeichnet.

Nun will Wilfried Haack die alte Leuchtturm-Romantik wieder beleben: Ein Investor müsse her, der den Nachbau auf dem Grundstück des früheren Hotels und Gartenlokals Buhrfeind errichten soll. "Draußen sitzen und von oben über die Elbe schauen" - das ist Haacks Vision vom Kaffeetrinken in luftiger Höhe.

Johann-Heinrich Buhrfeind, dem gemeinsam mit mehreren Partnern das Grundstück gehört, auf dem Haack sich den Neubau wünscht, spricht von einer "netten Idee", die aber "unbezahlbar" sei. "Lotto spielen oder einen Investor suchen", empfiehlt er. Doch in Originalgröße würde ein solches Bauwerk zu wenig Platz für Gastronomie bieten, daher sei der Betrieb für einen Investor nicht lukrativ.

Zweifel über die finanzielle Machbarkeit werden immer wieder genannt, wenn die Rede auf Haacks Vorstoß kommt, doch zur Skepsis gesellt sich auch Sympathie: Die Idee sei "gut" oder "toll", heißt es von vielen Seiten. So sieht es auch Dirk Ludewig, Ratsherr in Drochtersen, der seit Jahren regelmäßig Veranstaltungen auf Krautsand organisiert und sich für die touristische Entwicklung einsetzt. Gemeinde und Touristikverein müssten mit eingespannt, die Werbetrommel kräftig gerührt werden, sagt er. "Viele ältere Kehdinger hängen doch immer noch sehr an dem alten Leuchtturm."

Ein Investor, der einen Nachbau des alten Leuchtturms auf Krautsand als Gastronomie betreiben wolle, dürfe mit der Unterstützung der Gemeinde Drochtersen rechnen, versichert Bürgermeister Hans-Wilhelm Bösch: "Ich bedauere, dass der alte Leuchtturm dem Deichbau weichen musste". Allerdings sei über das Thema bisher weder in der Verwaltung noch in den politischen Gremien gesprochen worden.

Als gastronomisches Angebot "wäre das der Knaller entlang der gesamten Elbe", sagt Jonas Kötz, auf Krautsand lebender Künstler und Sprecher des Inselrates, einer inoffiziellen Interessenvertretung der Krautsander Bürger. Dieses Gremium habe sich bereits mit der Leuchtturm-Idee befasst, sie aber als "utopisch" angesehen. Dennoch sei der Inselrat einem solchen Projekt gegenüber "absolut positiv eingestellt, wenn es einen Investor gibt". Kötz weiß: "Die Krautsander würde es freuen." Fast jeder Bewohner der Elbinsel habe noch heute ein Bild vom alten Leuchtturm im Zimmer hängen, der damals "in einer Nacht-und-Nebel-Aktion" abgerissen worden sei. Damals habe bei den Entscheidungsträgern der Weitblick gefehlt, der alte Leuchtturm "wäre heute ein Schatz".

Grundsätzlich positiv sieht es auch Günter Grotheer, der Vorsitzende des Arbeitskreises zur Dorferneuerung auf der Elbinsel. Zwar habe sein Arbeitskreis sich nicht in erster Linie mit touristischen Aktivitäten befasst, sondern vorrangig Vorschläge unterbreitet, um die Lebenssituation der Krautsander zu verbessern. Grotheer räumt aber ein, dass der alte Leuchtturm für viele Krautsander eine Herzensangelegenheit ist. So habe manch ein Bürger bereits angekündigt, das Projekt unterstützen zu wollen. Die Rede sei von privaten Spenden, die jeweils bis zu 20 000 Euro betragen würden.