Natur: Grüne und BUND kritisieren Umgang der Stadt mit der Umwelt

"Bäume werden einfach abgehackt"

Ursula Saß verurteilt das Fällen von Großholz. Die Politik weist die Vorwürfe zurück. Das Grün sei zu wenig gepflegt worden.

Eigentlich wollte die Stadtverwaltung den Bürgern etwas Gutes tun. Die Stadt plante, das naturbelassene Grundstück an der Hansestraße in der Nähe des Deutschen Roten Kreuzes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Soll heißen: Ein Pfad und Sitzbänke sollten zum Verweilen einladen. Zudem sollten die etwa 250 Jahre alten Blutbuchen und Eichen auf der Fläche beleuchtet werden. Doch die Idee, die von der Fachgruppe Straßen und Grünanlagen herausgebracht wurde, stößt auf Kritik. Die Grünen fordern in einem Antrag, das kleine Areal in seinem jetzigen Zustand zu erhalten, von jeglicher Bebauung fern zu halten und die wertvollen, alten Buchen als Naturdenkmäler ausweisen zu lassen. Der Antrag wird morgen, 21. April, 20 Uhr im Ausschuss für Stadtplanung und Umweltschutz im Ratssaal behandelt.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisgruppe Stade, hält nichts vom Vorhaben der Stadtverwaltung und übt scharfe Kritik am Umgang mit der Natur in den vergangenen Jahren. "Bäume sind ohne Sinn und Verstand abgehackt worden", schimpft Ursula Saß, stellvertretende Vorsitzende der Stader Kreisgruppe und BUND-Sprecherin der Stadt Buxtehude.

Damit meint die 71-Jährige etwa das Fällen der Bäume am Ufer des Vivers zwischen den Brücken in der Nähe des Zwingers, die vor etwa zwei bis drei Jahren stattfand. Damals sind mehrere Erlen, die am Flussufer standen, entfernt worden. Die Kritik bezieht sich auch auf das nach Saß' Meinung unnötige Entfernen der Hecke am so genannten "grünen Parkplatz" an der Hansestraße, Ecke Viverstraße. Auch das Fällen mehrerer Bäume im Stadtpark - wie etwa des mächtigen Silberahornbaumes am Ausgang des Parks an der Bahnhofstraße - sei eine überflüssige Aktion gewesen. "Der Baum war nicht krank. Im Alter entwickeln die Bäume im Stamm immer einen Hohlraum", sagt Saß. "Aber das heißt nicht gleich, dass er krank ist." Überall im Stadtgebiet habe die Verwaltung veranlasst, Bäume, Hecken und Büsche zu entfernen oder zu beschneiden. "Dabei ist es doch wunderschön, dass die Stadt so grün ist", sagt Saß. Es gehe aber nicht nur um die Ästhetik, betont die Naturschützerin. "Gerade für eine Stadt sind Bäume sehr wichtig. Wir brauchen sie, da sie die Luft reinigen und genügend Sauerstoff zur Verfügung stellen." Saß fordert von der Stadtverwaltung, die Natur in Ruhe zu lassen. Das gilt auch für die 250 Jahre alten Blutbuchen zwischen Bleichergraben und Hansestraße in der Nähe des Deutschen Roten Kreuzes.

Anne-Dore Völkers, stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Buxtehuder Stadtrat, pflichtet ihr bei. "Ein Pfad und Sitzbänke auf dem Grundstück wären der Anfang vom Ende der Buchen." Da die Wurzeln der Buchen flach unter der Oberfläche verliefen, würde eine Bearbeitung des Bodens die Wurzeln schädigen. Die Bäume könnten sich dann nicht weiterentwickeln.

"Einige Leute scheinen grundsätzlich eine andere Vorstellung davon zu haben, wie mit innerstädtischen Grünanlagen umgegangen werden sollte", entgegnet Stadtbaurat Rolf Suttmann. "Ich denke, dass solche Flächen den Menschen auch zugänglich gemacht werden sollten." Im Übrigen seien die städtischen Mitarbeiter vom Fach. Rückendeckung bekommt Suttmann von Bürgermeister Jürgen Badur. Die Gärtner liefen nicht durch die Gegend und machten wahllos Bäume kaputt, weist er die Kritik zurück.

"Die Grünanlagen wurden vielmehr lange Jahre aus falsch verstandenem ökologischen Bewusstsein nicht gepflegt", erklärt Suttmann. Deshalb müsse das nachgeholt werden. Jeder einzelne Baum sei vor etwa einem Jahr untersucht worden. "Dabei ist aufgefallen, dass von einigen akute Gefahr ausgeht." Etwa von 30 Meter hohen Birken am Westviver, die bereits gefault hätten. "Solche Bäume können nicht so lange stehen bleiben bis sie irgendwann auf ein Auto stürzen."

Auch der Silberahornbaum im Stadtpark habe aus Sicherheitsgründen weichen müssen. "Vor gut einem Jahr verlor der Baum einen 20 Meter langen Ast, der fast ein Kind erschlagen hätte." Einige Erlen am Viver seien entfernt worden, da sie vom Pilz befallen gewesen seien und einige andere sonst das Ufer mit ihren Wurzeln zerstört hätten. Und die Baumrückschnitte seien ganz normale Pflegemaßnahmen. "Durch das Auslichten und Entfernen von Büschen können die Leute jetzt im Stadtpark am Wasser sitzen und von dort die Kirche sehen."