Stade/Neukloster

Den Neukloster Forst neu entdecken

Broschüre bietet Überraschendes über das 343 Hektar große Waldgebiet mit seinem einzigartigen, über 200 Jahre alten Baumbestand.

Stade/Neukloster. Er ist das Prunkstück des Forstamtes Harsefeld. Der Neukloster Forst ist einer der größten und schönsten Buchenwälder zwischen Elbe und Weser. Sein Baumbestand ist teilweise 200 Jahre alt. Das macht ihn zum einen zu einem überaus wichtigen Wirtschaftsfaktor für das Forstamt. "Der Holzertrag des Forstes liegt weit über unserem Durchschnitt", sagt Forstamtsleiter Otto Fricke. Zum anderen aber erfülle dieser Forst mit einem Anteil von 50 Prozent Laubbäumen schon heute die Anforderungen der Zukunft an den ökologischen Waldanbau in Niedersachsen.

Eine ebenso wichtige Rolle spielt dieser einzigartige Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten auch als Naherholungsgebiet. Um diesen Wert für die Menschen, die im Wald Erholung suchen, noch zu steigern, haben Mitarbeiter des Forstamtes, der Naturschutzbehörde des Landkreises und ehrenamtliche Kenner dieses Waldes gemeinsam eine Broschüre über den Neukloster Forst erarbeitet. Es ist die vierte Broschüre dieser Art. Ähnliche Kartenwerke gibt es zum Hohen Moor zwischen Oldendorf und Elm, über das Waldgebiet Braken bei Harsefeld und über die Goldbeker Heide.

Gemeinsam mit Stades Landrat Michael Roesberg und Buxtehudes Bürgermeister Jürgen Badur stellten sie jetzt die neue Broschüre mit einer Karte vor, in der das rund 40 Kilometer lange Wanderwege-Netz im Neuklosterforst verzeichnet ist. Roesberg: "Vor allem möchte ich mich ganz besonders bei all denen bedanken, die ihre Zeit für die Arbeit an der Broschüre geopfert haben. Mir ist es sehr wichtig, dass die Menschen ihren Landkreis besser kennenlernen. Und genau dazu dient diese neue Karte, sie ist das ideale Mittel dazu."

Aber auch für Kenner des Forstes dürfte die neue Broschüre viele interessante Informationen über den Wald liefern. In übersichtlicher Aufmachung liefert die Broschüre Wissenswertes über die 381 Pilzarten und über die artenreiche Tierwelt, mindestens sechs Fledermaus- und rund 60 Vogelarten leben in dem Gebiet. Wer ganz viel Geduld und Glück hat, kann auch Waschbären hier sehen. Für Fischarten wie das Bachneunauge und die Teichmuschel bieten der Mühlenbach und der Ilsbach mit ihren Teichen einen idealen Lebensraum.

Um einen alten Wald wie den Neukloster Forst haben sich im Laufe der vergangenen Jahrhunderte auch Legenden gebildet. In der Broschüre wird zum Beispiel erklärt, was es mit der "Hexentreppe" oder der "Nonneneiche" auf sich hat. "Auch archäologisch interessierte Gäste werden im Neukloster Forst fündig", sagt Roesberg. "Die Informationsbroschüre weist den Weg zu 13 Kreuzsteinen aus der Zeit vor 1750 und 73 Grabhügeln, die meisten aus der Bronzezeit vor 3500 Jahren. In der Karte sind mittelalterliche Wallanlagen dokumentiert."

Damit nicht genug, wer Lust und die Broschüre hat, kann alten, für die Menschen in früheren Zeiten wichtigen Wegen folgen. Auch sie sind in der Broschüre beschrieben. "Wir sind stolz, dass unsere Stadt Buxtehude mit dem Neukloster Forst einen historisch alten Buchenbestand vorweisen kann, der ökologisch sogar von europäischem Rang ist", meint Badur. "Als Ausflugsziel vor den Toren Hamburgs spielte der Forst schon im letzten Jahrhundert eine wichtige Rolle. Wir können diese Tradition des naturverträglichen Tourismus in den nächsten Jahren wieder beleben, zumal der Neukloster Forst ein Wald mit S-Bahn-Anschluss ist." Für Hamburger ist der Wald problemlos mit der S 3, Station Neukloster, erreichbar.

Die Broschüre erscheint in einer Auflage von 5000 Stück, sie liegt kostenlos zum Mitnehmen im Stader Kreishaus im Naturschutzamt, im Buxtehuder Stadthaus und im Forstamt Harsefeld aus. Die Broschüre steht auch im Internet ( www.landkreis-stade.de ) als Datei zum Herunterladen zur Verfügung. Die Kosten für die Broschüre in Höhe von rund 13 000 Euro haben sich die Niedersächsischen Landesforsten, der Landkreis Stade, die Stadt Buxtehude und die Friedwald GmbH geteilt.

"Einige Karten stehen auch in französischer und polnischer Sprache zum Herunterladen bereit.", sagt Roesberg. "Das ist ein Service für Gäste aus französischen Partnerstädten und dem polnischen Partnerkreis Goldap." Auf dem Hauptparkplatz wird in Ergänzung zur Broschüre eine Informationstafel für Waldbesucher aufgebaut.