Abendblatt-Leser im Gespräch mit Comedy-Star

Ingolf Lück : "Mein Sohn denkt, ich bin Pilot"

Foto: Fabian Schindler

Abendblatt-Leser sprachen mit Lück über sein Leben, seinen Beruf, seine Träume und warum er weder Kaffee trinkt noch Kuchen isst.

Stade. Was waren das noch für Zeiten, als der Fernseher eingeschaltet wurde und Ingolf Lück die neuesten Pop-Hits von Madonna, Michael Jackson oder Depeche Mode präsentierte. Formel Eins - eine gefühlte Ewigkeit hat der Comedian, Schauspieler und Moderator die Sendung im Fernsehen präsentiert - dabei war es nur knapp ein Jahr. Viel hat sich seitdem geändert.

Formel Eins steht mittlerweile wieder ausschließlich für schnelle Autos. Und Ingolf Lück ist älter geworden (seine grauen Haare beweisen es) und macht etwas ganz anderes im Fernsehen. Jetzt aber ist er erst einmal im Stadeum. Jenem Stader Konzerthaus, in dem sich Operndiven extra Sofas umbauen ließen, um dann doch nicht drin zu sitzen, wo ein bekannter Hamburger Musiker gerne mal drei Flaschen Jägermeister vor dem Auftritt leert, wo "Caught in the Act" ein Riesenbuffet mit Champagner und allem drum und dran orderten, um dann ganz schnell wieder abzureisen - ohne zu Essen.

Nun ist hier Ingolf Lück, ganz ohne Allüren. 14 seiner Fans durften mit dabei sein, denn das Abendblatt hatte sie gemeinsam mit dem Stadeum zu Kaffee und Kuchen geladen. Alle Geheimnisse seines Lebens können und dürfen erfragt werden, das ist so abgemacht. Davor ist Lück jetzt etwas bange. Die Distanz zum Publikum, die er sonst schützend um sich hat, hier ist sie weg.

Kaffeeklatsch mit Lück - dabei mag er weder Kaffee noch Kuchen

Die ersten Fragen, die sich die Gäste bereitgelegt haben, beantwortet Lück ungefragt. Kaffee trinkt er nicht, nur grünen Tee. "Kuchen esse ich auch nicht, zu viel Zucker", sagt der Entertainer. Dann gibt es halt Kaffee und Kuchen mit Ingolf Lück, aber nicht für Ingolf Lück. Auch prima. Während der Kuchen vertilgt wird und der Kaffee in die Tassen plätschert, plaudert der Mann, der seit 35 Jahren quer durch Deutschland tourt, aus dem Nähkästchen. Zum Beispiel über seine Familie, die er sonst aus der Öffentlichkeit heraushält. "Mein Sohn denkt, weil ich immer mit so großen Koffern unterwegs bin, dass ich Pilot bin", sagt Lück. "Der weiß gar nicht, dass ich eigentlich Clown bin." Aber das kann ja noch kommen. Seine Tochter habe einmal sein Programm gesehen und fand es langweilig. Kinder sind gnadenlose Kritiker. Das weiß der Papa jetzt auch.

Gekommen ist Papa Lück frisch aus seinem Urlaub. Auf Langeoog betreibt er nebenbei einen Fahrradverleih, hat dort gerade zahlreiche Räder repariert und Bollerwagen gezogen. Seine Hände sind noch voller Schwielen, seine Haare völlig strubbelig von der Reise auf dem Schiff. Macht nichts. Lück, gekleidet mit einem einfachen Pulli und einer Jeans, die auch mal bessere Tage gesehen hat, macht es sich bequem, spielt mit seiner Brille, während er geduldig und entspannt eine Frage nach der anderen beantwortet oder in seinen vielen Erinnerungen kramt.

Da war beispielsweise jene Zeit, in der er mit dem Solostück "Caveman" große Erfolge auf der Bühne feierte oder seine Arbeit die Grundlage für die "Samstag Nacht Show" und später die "Wochenshow" wurde und ein Millionenpublikum begeisterte Und da war das Jahr 1990. Lück war damals schon einmal im Stadeum, weiß einer der Abendblatt-Leser. Eine Silvester-Show im ZDF war der Anlass. "Ui, das ist gefühlte tausend Jahre her", sagt Lück. "Und der Sturz damals von der Treppe, den ja Millionen Menschen gesehen haben und die sich erschrocken haben, der war natürlich Teil des Programms".

Ursprünglich wollte der Mann aus Bielefeld Musiker werden

Teil seines Lebensprogramms war es ursprünglich ja nicht, eines der bekanntesten TV-Gesichter Deutschlands zu werden. Der gebürtige Bielefelder, der aus einer Künstlerfamilie stammt - sein Vater war Operettensänger - wollte einmal Musiker werden, hatte Cello gelernt, später an der Gitarre weitergeübt. Django Reinhardt und Jimi Hendrix, das waren die Idole des heutigen Rolling Stones-Fans. "Ich konnte mal richtig gut wie der Django Gitarre spielen", sagt er. Darauf ist er stolz, man sieht es ihm an, seine Augen funkeln. Aber irgendwann traf er dann auf den damals 19-jährigen Hans-Peter, alias Hape Kerkeling. Seit jenen Tagen ist er mit Leib und Seele Entertainer und auch gut mit vielen seiner Kollegen aus der Comedy-Szene bekannt, trotz der wachsenden Konkurrenz. Bastian Pastewka, Ralf Schmitz, Hans Werner Olm, er kennt sie alle.

Mit seinem Comedy-Kollegen Atze Schröder versteht sich Lück bestens

"Den Atze Schröder kenne ich ebenfalls, auch ohne Perücke", sagt Lück. "Abseits der Bühne ist der wirklich ganz anders, sehr leise und er spricht Hochdeutsch und Haare hat er auch." Doch eines hat Kollege Schröder ihm voraus: Privat erkennt ihn keiner. Das ist bei Lück anders. "Da wollen schon mal welche Fotos haben, das gehört halt dazu", sagt er.

Zu seinem Leben gehört auch der Quotenstress. "Den habe ich immer, bei jeder Sendung", sagt er. Das findet er aber auch okay, denn das sei ehrlich, zeige, ob jemand seinen Sendeplatz verdient hat oder nicht. Er selbst ist schon fast überall herumgehüpft, von Sender zu Sender. Und was ist ihm lieber, das Private oder das öffentlich-rechtliche Fernsehen? Lück grübelt einen Moment. "Das private Fernsehen ist im Grunde fast pleite", sagt er. Da stehe man dann unter größerem Druck, könne aber wegen der Struktur der Sender kreativer sein. Die öffentlich-rechtlichen setzen einen nicht ganz so unter Druck, machen aber zuweilen nicht wirklich Spaß. "Es gibt halt, wie in jeder Branche auch, immer Menschen, die sich seit 30 Jahren den Hinter platt sitzen. Mit denen kann man nicht kreativ zusammenarbeiten", sagt er. Doch wenn er dann auf einen engagierten, motivierten und anspruchsvollen Redakteur treffe, dann sei alles prima. So wie jetzt. Lück lächelt zufrieden.

Auf der Nordseeinsel Langeoog betreibt Lück einen Fahrradverleih

Und wie sieht es mit Traumprojekten aus? Fehlanzeige. "Ich bin eher für einfache, pragmatische Dinge", sagt Lück. Dicht am Leben müsse ein Stück sein, so wie jenes, in dem eine "Friseurtranse den Menschen den Kopf abhaut". Das gefällt ihm. Lück grinst. Dicht an der Realität halt - oder so ähnlich.

Das Telefon klingelt. "Ja? Mhmh. Ich bin gerade in einer Besprechung, ich melde mich später." Ingolf Lück grinst noch einmal, seine Gäste auch. Doch dann: ein Blick auf die Uhr. Es ist spät geworden, er muss sich auf seine Show vorbereiten. Lück signiert noch schnell ein paar Plakate, bedankt und verabschiedet sich bei seinen Abendblatt-Gästen und entgleitet dann durch die Tür, durch die er zu Beginn hereingekommen ist. "Wir sehen uns nachher. Auf der Bühne", sagt Lück und winkt.