Spielen auf eigene Gefahr

Foto: Christiane Tauer

Buxtehuder Eltern klagen, dass die Geräte für Kinder auf mehreren Plätzen in der Stadt baufällig sind

Buxtehude. Mit einem Jauchzen gleitet Thies in die Tiefe. Der 13 Monate alte Knirps rutscht für sein Leben gern, und diese Rutsche ist einfach prima. Doch Mama Bente Rosebrock lässt ihn auf dem Spielplatz keine Sekunde aus den Augen. Viel zu gefährlich erscheinen ihr manche Geräte - nicht nur, weil Thies so klein ist, sondern auch aufgrund des baulichen Zustands der Schaukel, Wippe und anderer Geräte.

"Dabei ist das hier noch der am besten erhaltene Platz in der ganzen Gegend", sagt die 36-Jährige über das Gelände am Buxtehuder Pfennigsberg. Viel näher an ihrem Wohnort gelegen wäre eigentlich der Spielplatz "Beim Urnengrab", doch der sei in einem so schlechten Zustand, dass sie lieber den längeren Weg zum Pfennigsberg in Kauf nehme.

Buxtehuderin hat schadhafte Stellen fotografiert und dokumentiert

Gislinde Westphälinger wundert das nicht. Die 66-Jährige hat sechs Spielplätze im südlichen Teil der Stadt Buxtehude unter die Lupe genommen. Mit dem Ergebnis: Da liegt viel im Argen. "Manche Spielgeräte sind richtig gefährlich", sagt sie. Ihren drei und vier Jahre alten Enkelkindern musste sie mehrmals nach dem Rutschen Holzsplitter aus den Händen ziehen. Das hat Gislinde Westphälinger dazu bewogen, die Mängel einmal zu sammeln, sie zu dokumentieren und der Stadtverwaltung zu übermitteln.

Herausgekommen ist ein Heft voller Fotos, die abgeblätterte Holzoberflächen, hervorstehende Nägeln und marode Geräte zeigen. Sie wisse, dass die Stadt kein Geld habe, jeden Spielplatz umgehend auf Vordermann zu bringen, sagt Gislinde Westphälinger. "Das ist ja nicht nur in Buxtehude ein Problem, sondern in fast allen Kommunen." Trotzdem fragt sie sich, ob man nicht Ein-Euro-Jobber hinzuziehen könne, um wenigstens Glasscherben zu beseitigen. Eine andere Möglichkeit sei, dass sich die Eltern der Kinder stärker engagieren. "Denen liegen intakte Spielplätze doch sicherlich am Herzen."

Stadtverwaltung kontrolliert die Plätze zweimal im Jahr

Auch der Stadtverwaltung liegen sie am Herzen, wie Michael Nyveld betont. Und deshalb gebe es über jeden der insgesamt 70 Buxtehuder Spielplätze eine genaue Bestandserfassung, sagt der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Bauen. Zweimal im Jahr würden Mitarbeiter der Verwaltung die Plätze in Augenschein nehmen.

Bei den Ortsbegehungen seien auch Vertreter des Jugendamts dabei. Zwei Mitarbeiter des Fachbereichs würden die Erkenntnisse genau dokumentieren und gegebenenfalls den Bauhof informieren, wo etwas repariert werden müsse. Unabhängig davon stehen regelmäßige Sicherheitskontrollen auf der Tagesordnung. "Wir können nicht alles sofort ausbessern", sagt Nyveld. Der Stadt stünden jährlich Haushaltsmittel in Höhe von mindestens 25 000 Euro für Neuanschaffungen zur Verfügung. Darüber hinaus gebe es jährlich weitere 25 000 bis 50 000 Euro für das Umgestalten eines kompletten Spielplatzes. "Zuletzt waren zum Beispiel die Plätze am Margaritenkamp und Am Rugen End an der Reihe."

Man könne nicht allen Wünschen der Bewohner gerecht werden, sagt Nyveld. Es sei nun einmal eine permanente Herausforderung, die Plätze in einem guten Zustand zu halten. Für Hinweise aus der Bevölkerung sei er jedenfalls dankbar, und auch Gislinde Westphälinger könne sich gerne bei ihm melden.

Glasscherben liegen im Sand auf dem Spielplatzboden

Die ist am Pfennigsberg inzwischen dazu übergegangen, selbst die Glasscherben aus dem Gras zu sammeln. Thies hatte eine beim Krabbeln auf den Boden in den Mund genommen, Bente Rosebrock konnte sie gerade noch rechtzeitig aus seinem Mund fischen. "Das kann doch einfach nicht sein", sagt Gislinde Westphälinger. Den Jugendlichen, die möglicherweise die Flaschen zerschlagen haben, wolle sie aber gar keinen Vorwurf machen. "Viele von ihnen wissen ja einfach nicht, wohin sie in Buxtehude gehen sollen." Auch für sie müsse die Stadtverwaltung ihrer Meinung nach viel mehr tun.

Oliver Rödder hat schon öfters Jugendliche gesehen, die sich abends auf dem Spielplatz am Pfennigsberg treffen. Der Vater dreier Kinder wohnt direkt neben dem Areal und spielt dort oft mit seiner fünfjährigen Tochter. "Wenn es zu laut wurde, bin ich einfach rausgegangen und habe mit ihnen geredet", erzählt er. Dann sei das Problem gelöst gewesen, sagt Rödder.

Was den Zustand des Platzes angeht, hat er seine eigene Meinung. Er sieht die Lage am Pfennigsberg, im Gegensatz zu Gislinde Westphälinger, als weniger dramatisch an. "Ich finde, wir sehen das Ganze zu sehr aus Erwachsenensicht", sagt Oliver Rödder. Er glaubt, dass die Kinder gar nicht so sehr auf Dinge wie abgesplittertes Holz oder besprühte Gerüste achte würden. So lange die Betreuung der Kleinen gut sei und die Kinder mit Gleichaltrigen ungehindert spielen können, sei in deren Augen alles super. "Und das ist doch eigentlich das Wichtigste." Allerdings gibt es auch seiner Meinung nach einen Punkt, an dem die Verwaltung aktiv werden müsse. Dieser sei dann erreicht, wenn der bauliche Zustand der Geräte so schlecht sei, dass es gefährlich wird.

Platz wird abends auch von Jugendlichen genutzt

Gislinde Westphälinger meint, dass die Verwaltung bereits jetzt handeln muss - und hofft, dass sie es auch bald tut. "Manche Plätze in der Stadt werden von den Kindern ja schon gar nicht mehr genutzt", sagt sie. Und dann würde öffentlich geklagt, dass die Kinder heutzutage immer dicker werden. "Aber wenn sie keine Möglichkeiten zum Spielen haben, was sollen sie denn tun?", fragt sie.