Nordseeklinik

So hilft eine Neuseeländerin Corona-Patienten auf Sylt

| Lesedauer: 5 Minuten
Angelika Hillmer
Im April 2021 verließ die Neuseeländerin Hannah Hoffmann (damals noch Hannah James)  Neuseeland und zog nach Sylt. Hier hilft sie nun unter anderem Corona-Patienten in der Nordseeklinik.

Im April 2021 verließ die Neuseeländerin Hannah Hoffmann (damals noch Hannah James) Neuseeland und zog nach Sylt. Hier hilft sie nun unter anderem Corona-Patienten in der Nordseeklinik.

Foto: Angelika Hillmer / HA

Hannah Hoffmann kam aus Liebe auf die Insel. Nun arbeitet sie als Physiotherapeutin. Im ewigen Eis war sie auch schon.

  • Neuseeländerin folgte ihrer großen Liebe nach Sylt
  • Als Physiotherapeutin hilft sie LongCovid-Patienten in der Nordseeklinik
  • Sie fuhr auch schon auf einem Forschungsschiff mit

Es war ein Sprung ins kalte Nordseewasser, von der großen auf die kleine Insel: Im April 2021 ließ die Neuseeländerin Hannah James ihr bisheriges Leben hinter sich, kündigte ihren Job, verabschiedete sich von ihrer Familie und zog auf die andere Seite des Erdballs: nach Sylt. Die ausgebildete Physiotherapeutin folgte ihrem Herzen.

"Inmitten der Corona-Pandemie und ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland zu ziehen, war eine mutige Entscheidung", sagt sie selbst. "Aber ich wollte meine Chance wahren, weiter mit Jasper durchs Leben zu gehen." Kennengelernt hatte sie Jasper Hoffmann, den gebürtigen Bremer, 2018. Damals forschte der Geophysiker für seine Doktorarbeit in Neuseeland zu Süßwasservorkommen im Meeresboden. Als er im Januar 2021 zurück nach Deutschland ging, stand für die heute 30-Jährige fest, dass sie ihm folgen wird.

Dr. Jasper Hoffmann hatte einen Job beim Alfred-Wegener-Institut (AWI) in List auf Sylt angetreten. Hannah, die jetzt auch Hoffmann heißt (im Sommer 2022 wurde geheiratet), folgte ihm drei Monate später. Sie begann, Deutsch zu lernen, brauchte das B2-Niveau, um als Physiotherapeutin arbeiten zu können. Es folgte eine viermonatige "Anpassungsqualifikation", bei der sie - meist online - beim Universitätsklinikum Eppendorf das nötige Fachvokabular erlernte und parallel ein Praktikum absolvierte - in der physiotherapeutischen Abteilung der Nordseeklinik auf Sylt.

Sylt: Die Natur auf der Insel gefällt der sportlichen Physiotherapeutin

"Als ich alles bestanden hatte, bekam ich zum Februar 2022 eine Festanstellung", sagt Hoffmann. Jetzt arbeite sie in einem 20-köpfigen, vorwiegend weiblichen Team, das sich gut verstehe. "Trotz meiner noch nicht perfekten Sprache arbeite ich auf Augenhöhe mit den anderen", freut sie sich. Bestimmt hätte sie auch in einer kleineren Physiopraxis anfangen können, sagt sie. Aber die vom Asklepios Konzern betriebene Nordseeklinik biete ihr Möglichkeiten, die sie woanders nicht gehabt hätte: "Ich kann hier noch einen Deutschkursus machen, als Fortbildung."

Auch sonst sei ihr Arbeitgeber sehr flexibel: "Ich konnte unbezahlten Urlaub nehmen, um als Physiotherapeutin und Sportlehrerin auf dem Forschungseisbrecher ,Polarstern' mitzufahren", sagt Hoffmann. Gute Beziehungen zahlen sich aus: Die "Polarstern" ist ein Schiff des AWI. Mit 14 Nachwuchswissenschaftlern ging es im September auf einer vierwöchigen Reise von Bremerhaven nach Kapstadt.

In Wenningstedt wohnt sie und engagiert sich dort politisch

Kaum nach Sylt zurückgekehrt, hat sie sich zum zweiten Mal für die Insel entschieden: Ihr Mann arbeitet in einem zweijährigen Forschungsprojekt der Universitäten von Kiel und Malta. Das Sommerhalbjahr verbringt er mehr oder weniger auf Sylt, das Winterhalbjahr in Malta. "Ich konnte zwischen den beiden Orten wählen, und ich habe gesagt: Ich bleibe auf Sylt", so Hoffmann. "Ich habe mich wirklich für diese Insel entschieden. Ich hüte hier den Haushalt, Jasper reist und forscht."

Sie mag Sylt. Die Natur, die abwechslungsreiche Landschaft aus Dünen, Strand und Meer, die Leute. "Es gibt hier eine sehr gute Gemeinschaft. Das liegt an der Insellage." Sie fährt gern Fahrrad, ist in ihrer Freizeit viel draußen unterwegs. Und lässt sich gern den auf Sylt allgegenwärtigen Wind um die Nase wehen: "Wenn ich aus dem Zug aus Hamburg steige, genieße ich die frische Luft. Und überall sieht man den Horizont, es gibt kaum hohe Gebäude."

Das Klima sei gar nicht so anders als in Dunedin, der neuseeländischen Kleinstadt südlich von Christchurch, die ihre Heimat war. Auch sie liege am Meer und es gebe ausgeprägte Jahreszeiten. Auch dort sei sie viel draußen gewesen, habe gesurft und sei Fahrrad gefahren, erzählt die sportliche Insulanerin. Allerdings seien die Einwohner Dunedins in zwei Stunden in den Bergen.

Sylt: In der Nordseeklinik hat Hoffmann auch Patienten mit Long Covid

An der Nordseeklinik hilft die Physiotherapeutin schwerpunktmäßig Reha-Patienten mit Lungenerkrankungen wie Long Covid und Menschen nach einer Krebstherapie. Während der Körperübungen führt sie oft Gespräche über die belastenden Krankheiten. Auch dafür möchte Hannah Hoffmann gern ihr Deutsch verbessern, um noch feinfühliger mit ihren Patienten reden zu können. Sie freut sich, "dass nicht nur reiche Menschen kommen, sondern auch Leute, die sich Sylt sonst gar nicht leisten könnten". Schließlich gehören Unterkunft und Verpflegung zur Reha-Maßnahme.

Sie selbst wohnt in Wenningstedt. Das Paar würde sich gern ein Haus kaufen, aber das sei bekanntermaßen auf Sylt nicht so einfach. Neuerdings sei sie politisch aktiv, erzählt die Einwanderin: "Ich mache bei den Aktiven Bürgern Wenningstedt-Braderup mit", sagt sie. In einer Wählergemeinschaft, die über sich schreibt, dass sie sich "mit Herz und Verstand für Wenningstedt-Braderup" einsetzt. Spätestens jetzt ist die Neuseeländerin in ihrer neuen Heimat angekommen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sylt