Sylt

Rotes Kliff: Was Clubchef Peter Kliem in 40 Jahre erlebte

| Lesedauer: 6 Minuten
Ulrich Gaßdorf
Der Club Rotes Kliff in Kampen empfängt die Gäste in einem typischen Sylter Reetdachhaus.

Der Club Rotes Kliff in Kampen empfängt die Gäste in einem typischen Sylter Reetdachhaus.

Foto: Christian Charisius / picture alliance/dpa

Peter Kliem ist Chef des legendären Nobel-Clubs in Kampen und seit 40 Jahren an Bord. Was er sich für die Zukunft wünscht.

Sylt.  Die Küche vom Walter’s Hof in Kampen war sein erster Arbeitsplatz auf Sylt. Damals hatte ein guter Freund ihn angesprochen und ihm einen Job als Spüler in der Nobelherberge besorgt. „Das war Ende der 70er-Jahre. Ich war 19 Jahre alt und die Insel für mich ein weißer Fleck auf der Landkarte“, erzählt Peter Kliem beim Gespräch mit dem Abendblatt.

„Ich war natürlich völlig geflasht, als ich das erste Mal nach Sylt kam. Ich habe erst mal alles auf mich wirken lassen und gedacht, natürlich im positiven Sinne, wie bekloppt sind die hier eigentlich alle.“

Sylt: Als der Club Rotes Kliff in Kampen noch eine Piano Bar war

Der Hannoveraner absolvierte zu dieser Zeit seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr, und immer wenn der heute 62-Jährige frei oder Urlaub hatte, arbeitete er im Walter’s Hof. Aus der Küche wechselte Kliem ziemlich schnell zum Frühstücks- und Zimmerservice. Aber auch dabei sollte es nicht bleiben. „Ich habe mich schon immer für Musik interessiert und im Winter 1981/1982 im damaligen Crazy Island in Westerland aufgelegt.“

Dort wurde der gelernte Textilkaufmann von Wolfgang Strümpel angesprochen, der kurz zuvor den Club Rotes Kliff in Kampen übernommen hatte. „Wolfgang fragte mich, ob ich dort als Discjockey arbeiten möchte. Der Club war zu dieser Zeit noch eine Piano Bar mit Tanz, dunkelroten Holzwänden und Sitzecken.“

Sylt: Kliems Karriere im Roten Kliff startete er als 1982 als DJ

Peter Kliem sagte zu, und das war der ­Beginn einer Erfolgsgeschichte: Zu ­Ostern 1982 startete er dort als DJ und feierte 2022 zum Saisonstart sein persönliches Jubiläum: 40 Jahre Club Rotes Kliff. Bevor er 1991 gemeinsam mit Beate Stoltenberg den Betrieb übernommen hat, ließ er sich noch zum Restaurantfachmann ausbilden und lernte das Barkeeper-Handwerk. „Wir haben daraus eine neue Begegnungsstätte mit Tanz gemacht“, sagt Kliem lächelnd.

Die Location im Keller eines typischen Sylter Reetdachhauses am Braderuper Weg entwickelte sich schnell zu einer In­stitution und genießt weit über die Insel hinaus Kultstatus, wurde in die elitäre Runde der „World’s Finest Clubs“ aufgenommen. In den 90er-Jahren feierte hier noch Playboy Gunter Sachs. Dieter Bohlen – der auch schon mal vor Jahrzehnten an der Türsteherin scheiterte – war zu Gast. Scooter-Frontman H.P. Baxxter ist regelmäßig dort anzutreffen.

Dazu kommen viele Teilzeit-Sylter mit ihren Cliquen, die hier ihren Zweitwohnsitz haben. „Ich kenne viele Gäste über Generationen. Da hat schon der Großvater bei mir an der Bar gesessen, und heute feiert hier der Enkel.“ Seine Zielgruppe sei von 18 bis 65 Jahre und die Stimmung immer super. Kliem weiß zu berichten. „Hier feiern Alt und Jung miteinander.“

Sylt: Der Clubbetreiber hat auch einen Wunsch

Aber der Clubbetreiber hat auch einen Wunsch. „Auf Sylt muss mehr Angebot für die Generation 20+ geschaffen werden. Leider gibt es inzwischen viel zu viele Re­glementierungen, was es wirklich schwer macht, zum Beispiel am Strand Events zu organisieren.“

Früher wurden im Club auch gerne mal deutsche Schlager gespielt. Heute setzt der Hausherr vor allem auf Disco-House-Musik, ist bekannt für seine Remixes. „Wichtig ist, es muss tanzbar sein. Denn wir wollen hier ja richtig Party machen.“ 2010 hat Kliem den Club „auf links gezogen. Wir wollten kein Retroladen bleiben, sondern mit der Zeit gehen, und haben alles rausgerissen.“

Sylt ist angesagter denn je

Die 16 Meter lange LED-Wand fällt sofort ins Auge, ebenso die rot lackierte Bar. Platz ist für rund 180 Gäste. „Dass wir den Club komplett neu gestaltet und auch von der Technik her auf den neuesten Stand der Zeit gebracht haben, war die richtige Entscheidung. Wir sind sehr zufrieden, und es kommt gut bei unseren Gästen an.“

Sylt ist angesagter denn je. Schon zu Ostern herrschte Ausnahmezustand in Kampen, natürlich auch im Club Rotes Kliff. Im Sommer seien vor allem Champagner und Gin – „davon haben wir 80 Sorten“ – über den Tresen gegangen.

Wie hart ist eigentlich die Tür? „Bei uns ist zu 99 Prozent jeder willkommen.“ Nur auf Trainingshose und Hoodies hat Kliem keine Lust in seinem Club. „Wenn jemand so salopp gekleidet ankommt, dann wird er wieder nach Hause geschickt mit der Bitte, sich umzuziehen.“ Daran, dass Sneaker statt Loafers angesagt sind, hat er sich längst gewöhnt. Kurz schwelgt Kliem in Erinnerungen. Früher seien die Herren hier in blauem Sakko mit Goldknöpfen und Krawatte erschienen, die Damen im Chanel-Kostüm, und man habe rauschende Motto-Partys gefeiert.

Peter Kliem hat mehr als 40 Jahre Nachtleben hinter sich

Kliem hat mehr als 40 Jahre Nachtleben hinter sich, wird im In- und Ausland als DJ gebucht. Doch das hat wenig Spuren an ihm hinterlassen. „Ich kenne mein Maß. Ich trinke gern auch mal vier Gin Tonic, aber ich weiß, wann für mich Schluss ist.“ Außerdem treibt er viel Sport.

In einem Monat ist wieder Hochsaison angesagt. Am 24. Dezember startet um 23.30 Uhr die Happy-X-Mas-Party. Bis zum 2. Januar ist täglich ab 22 Uhr geöffnet. Für den „New Years Glitterball“ zu Silvester gibt es noch einige Restkarten. Zum Jahresanfang bis Ostern sei es dann erst mal ruhiger. Zeit für eine Auszeit? Der Gastronom, der übrigens über seinem Club wohnt, verrät.

„Ich habe wieder eine Anfrage vom Robinson Club auf den Malediven für ab Mitte Februar.“ Das werde dann ein „Arbeitsurlaub“. Tagsüber chillen und abends legt Peter Kliem für die Gäste am Strand auf.

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