Sylt

Wasserstoff-Pilotprojekt: Flughafen Hamburg setzt auf Sylt

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Ein Privatflugzeug  vor dem Tower des Flughafens von Sylt. Besonders die Zahl der Charterflüge hat zugenommen.

Ein Privatflugzeug vor dem Tower des Flughafens von Sylt. Besonders die Zahl der Charterflüge hat zugenommen.

Foto: picture alliance/Axel Heimken/dpa

Sylt Air will mit modernerem Flugzeug neue Ziele erschließen. Doch zu viel Wachstum ist gar nicht gewünscht auf dem Inselflughafen.

Tinnum. Die Saison für Linienflüge von und nach Hamburg ist auf Sylt schon fast vorbei. Noch bis zum 3. Oktober bringt Sylt Air die Fluggäste zum internationalen Flughafen nach Tinnum. Hauptsächlich zum Einsatz kommt eine Cessna vom Typ 404 mit Platz für bis zu neun Personen und einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 315 km/h. Nach dem Ausnahmejahr 2021 habe sich das Geschäft normalisiert, sagt Heike Almeling von Sylt Air –kündigt aber für die nahe Zukunft Neuigkeiten an. Und auch die Art des Treibstoffs könnte sich ändern.

Sylt Air will mit modernem Flugzeug neue Ziele erreichen

„Ab dem 1. Januar 2023 wird die Strecke von dem Turboprop-Passagierflugzeug Caravan C208 von Cessna bedient", sagt Almeling im Abendblatt-Gespräch am Mittwoch. Im Vergleich zu den anderen Bestandsflugzeugen ist die neue Cessna (Baujahr 2021) deutlich weniger wartungsintensiv und kann auch einen anderen Bereiche bedienen, der immer wichtiger für Sylt Air wird. „Mit diesem Typ können wir alle Flugplätze in Europa bei Charteranfragen bedienen", sagt Almeling, die seit 2011 für Sylt Air arbeitet und vereinfacht gesagt für alles verantwortlich ist, was auf dem Boden passiert.

Neun Maschinen sind derzeit in Besitz von Sylt Air (50 Mitarbeiter), davon vier Jets, die immer häufiger bei Charterflügen zum Einsatz kommen. „Urlauber, die früher Business geflogen sind, reisen heute lieber individuell." Wer beispielsweise mit seiner fünfköpfigen Familie von Hamburg nach Sylt fliegen will, ist mit 3800 Euro dabei. Mit dem Angebot versucht Sylt Air, auch dem Zeitgeist Rechnung zu tragen. So kann sich eine Gruppe Kitesurfer bei guten Bedingungen kurzfristig einen Flug nach Sylt sichern, wenn sie denn das nötige Kleingeld hat.

Flughafen Hamburg hat Sylt als Versuchsstrecke für Wasserstoff ausgewählt

2019, in dem Jahr mit dem letzten regulären Betrieb vor der Corona-Pandemie, führte Sylt Air inklusive der Charterflüge rund 900 Flüge mit 2500 Passagieren durch. In 2022 wird diese Marke wohl nicht erreicht, aber die Strecke von und nach Hamburg, die als Hauptdestination rund 50 Prozent der Flüge ausmacht, bleibt auch in Zukunft ein Hauptbaustein der Fluggesellschaft. Nur zwei Flüge erreichten in 2022 nicht pünktlich ihr Ziel. Ein Wert, von dem die Deutsche Bahn nur träumen kann. Die Preise beginnen ab 250 Euro, geflogen wird auch nur mit einem Passagier.

Spannend ist allerdings auch ein Projekt, das derzeit noch in der Planungsphase steckt. „Der Flughafen Hamburg hat uns ausgewählt als Versuchstrecke für ein wasserstoffbetriebenes Flugzeug", sagt Almeling. „Unsere neue Cessna könnte problemlos umgerüstet werden." Ein erstes Treffen in Hamburg hat bereits stattgefunden, nun werden die nächsten Schritte für die Umsetzung besprochen.

Sylt: Flughafen-Chef meldet schwarze Zahlen trotz der Energiekrise

Nur drei Kilometer entfernt, im Verwaltungsgebäude in Westerland kurz hinter der Promenade, hat Peter Douven sein Büro. Als Geschäftsführer des Insel Sylt Tourismus-Service ist er gleichzeitig Flughafen-Chef. Sein Fazit für 2022 fällt schon Ende September positiv aus. Trotz der Energiekrise wird der Flughafen Sylt das Aufkommen von rund 100.000 Passagieren 2021 in 2022 sogar noch leicht steigern können. Was für Douven aber noch viel wichtiger ist: „Wir arbeiten profitabel, und damit sind wir die Ausnahme bei den regionalen Flughäfen. Üblich sind eigentlich hohe Millionenverluste in dem schwierigen Umfeld."

Ganz wichtig für das wirtschaftliche Plus war sein erfolgreicher, zweieinhalbjähriger Kampf, dass die Regionalflughäfen nicht mehr die Kosten für die Flugsicherung selbst tragen müssen. Für Sylt bedeutete das eine Ersparnis von einer halben Million Euro. Die Gesetzesänderung kam ab dem letzten Quartal 2021 zum Tragen.

Sylt: Flugverbindung von Zürich boomt, Anstieg auch bei den Business-Jets

Neun Städte werden derzeit direkt von Sylt angeflogen: Hamburg spielt dabei eine wichtige Rolle: „Wir sind für die Hamburger im Grunde ein Naherholungsgebiet“, sagt Douven. „Aber bedeutsam ist die Strecke auch als unmittelbarer Anschluss für den Weiterflug." Weitere Direktverbindungen sind Düsseldorf, Kassel, Frankfurt (Main), Mannheim, Stuttgart, München, Zürich und seit 2022 auch Luxemburg. Besonders die Verbindung aus der Schweiz ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Mehrere Maschinen landen pro Woche auf Sylt.

Kleinere Steigerungen wie die Neuerschließung der Destination Luxemburg seien in Ordnung, sagt Douven: „Doch prinzipiell ist in unserem Flughafen ein permanentes Wachstum im Linienflugverkehr ist von uns nicht gewollt. Wir möchten weiter wirtschaftlich arbeiten und den Bestand bewahren." Rund 1100 Linienflüge gibt es insgesamt jährlich sowie 3000 Landungen von „Business-Jets". Wie schon Heike Almeling von Sylt Air hat auch der Flughafen-Chef in diesem Segment eine deutliche Zunahme registriert. „Das ist ein Bereich, den man sich leisten können muss, aber für den europäischen Jetverkehr ist die Insel immer mehr ein attraktives Ziel."

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