Sylt

Insulanerin rechnet mit Punks und Protestcamp ab

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Während die Punks ihr Camp in Westerland räumten, schauten bis zu 200 Sylter und Gäste zu.

Während die Punks ihr Camp in Westerland räumten, schauten bis zu 200 Sylter und Gäste zu.

Foto: Alexander Laux

Nach dem Ende der Versammlung in Westerland kritisiert die Sylterin das Verhalten der Demonstranten – und auch der Behörden.

Westerland. Eigentlich hatte sie ganz andere Pläne. Silke G., die in Westerland auf Sylt einen Laden unweit der Friedrichstraße selbstständig betreibt, brachte am frühen Mittwochvormittag ihre Mutter zum Friseur und wollte auf dem Wochenmarkt auf dem Rathausplatz einkaufen. Dort eingetroffen stellte sie fest, dass der Markt wegen des Polizeieinsatzes bei der Räumung des Protestcamps der Punks abgesagt worden war. „Ich dachte mir, jetzt kaufe ich mir einen Kaffee und schaue mir an, was hier passiert", sagte die Insulanerin.

Ihren kompletten Namen wollte Silke G. nicht preisgeben, aber auf Bitte des Abendblatts zog sie ihr persönliches Fazit nach dem Ende des Protestcamps – es wurde eine bittere Abrechnung.

Sylterin rechnet mit den Punks und dem Protescamp ab

Sylke G.: „Wir sind hier alle normal arbeitende Leute. Natürlich gibt es viel Reichtum, wie anderswo auch. Aber eine deutlich mehr normal arbeitende Bevölkerung, die teilweise zwei, drei Jobs annehmen muss, um ihr Leben zu gestalten.

Und dann kriegt man von solchen Leuten zu hören: Wir müssen Spenden annehmen, weil wir uns an dem kapitalistischen System nicht beteiligen wollen. Und wir sind dafür auf der Insel, dass ihr endlich aufwacht. Das war für mich das Statement, bei dem ich gedacht habe: Das geht gar nicht.

„Auf Sylt müssen viele Menschen zwei, drei Jobs annehmen"

Was ich auch nicht akzeptieren konnte: Die Provokationen und den Dreck in der Stadt, das Pinkeln an Hauswände oder vor Ladengeschäfte. Manche haben ihr Geschäft in irgendwelchen Eingängen gemacht. Und dann die Müllberge, die sie an vielen Stellen hinterlassen haben.

Was mich extrem gestört hat: Viele Gäste und Touristen haben diese Menschen regelrecht angefüttert mit Geld. Die Rede war davon, dass einige an einem Tag 190 Euro verdient haben. So ließ sich das dann ja auch wunderbar aushalten hier. Dann braucht man ja nicht arbeiten gehen.

„Meine Enkelkinder konnten nicht alleine zur Schule gehen"

Wissen Sie: Meine Enkelkinder gehen in die St.-Nikolai-Schule, vor der Kirche hatten die Punks ja den Park besetzt. Die Kinder konnten wir nicht alleine zur Schule schicken, das schien uns zu unsicher. Als wir beim Ordnungsamt vorgesprochen haben, hat man uns gesagt: Sie müssen die Polizei rufen, wenn etwas passiert.


Meiner Ansicht nach ist unter dem Begriff der Toleranz viel Missbrauch passiert; Ich bin absolut für Meinungsfreiheit, und auch für das Recht auf Demonstration, aber eben nicht für einen Missbrauch dieses Demonstrations- und Versammlungsrecht;

„Viele Kunden in der Friedrichstraße fühlten sich belästigt "

Zweimal habe ich an den Kreis Nordfriesland in Husum geschrieben und Missstände angeprangert, aber keine Resonanz erhalten. Dort wurde einfach entschieden, welche Zustände auch immer hier herrschten.

Ich habe ein Geschäft in der Nähe der Friedrichstraße. Viele Kunden fühlten sich dort belästigt und waren genervt von diesem ewigen Ansprechen, dieser massiven Präsenz, gerade an der Wilhelmine. Da wurde gesoffen, die Musik extrem laut aufgedreht. Aber keiner machte was.

Sylt: Insulanerin rechnet mit Punks und Protestcamp ab

Überspitzt gesagt: Ich stehe zehn Minuten im Parkverbot und muss 25 Euro zahlen. Das das hier sollten wir aushalten. Dass so eine Versammlung überhaupt genehmigt wurde mit Begriffen wie „Steuerfreiheit für Sylt", die keine Substanz haben, ist mir unbegreiflich. Wieso dürfen die das?


Als Einwohner fühlte ich mich nicht ernst genommen, sondern verschaukelt. Wenn ich da eine Veranstaltung machen will, muss ich einen Antrag stellen; ein Zeitfenster angeben, den Inhalt nennen und Gebühren zahlen. Und nach dem Ende wieder alles in Ordnung bringen. Und die machen sich breit, und es passiert nichts, Außer, dass die Gemeinde in ihrer Hilflosigkeit die Wilhelmine mit einem Absperrgitter befestigte, wo die Punks ihre Wäsche trocknen konnten. Das war wirklich nur noch lächerlich."

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