Nordsee

Wie sich Jörg Knör von Sylt inspirieren lässt

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Ulrich Gaßdorf
Jörg Knör schwebt sozusagen über seine Lieblingsinsel Sylt.

Jörg Knör schwebt sozusagen über seine Lieblingsinsel Sylt.

Foto: Jörg Knörr

Der bekannte Entertainer und Parodist hat eine Leidenschaft für die Insel entwickelt und tritt im Meerkabarett regelmäßig auf.

Sylt.  Braun gebrannt ist Jörg Knör aus dem Urlaub zurückgekehrt. Der bekannte Entertainer und Parodist hat sich gemeinsam mit seiner Frau Kerstin Goeritz eine kleine Auszeit am Gardasee genommen und sich verwöhnen lassen. In Italien hatte der 63-Jährige eine schöne Zeit, aber sein Lieblingsziel ist und bleibt Sylt.

Die erste Begegnung gab es vor etwa 28 Jahren. „Meine damalige Frau und ich hatten einen schweren Autounfall inklusive gebrochenem Rückenwirbel. Zur Erholung verfrachteten meine Schwiegereltern uns auf die dänische Insel Rømø“, erzählte der Komiker, der jetzt zu Gast war im Sylt-Podcast des Hamburger Abendblatts.

Sylt: Jörg Knör trat im Meerkabarett auf

Dort war nicht viel los, und schließlich entschied man sich für einen Ausflug mit der Fähre nach Sylt. Der Beginn einer großen Liebe. „Ich sah plötzlich weiße Strände und all diese kulinarischen Genüsse, die einem dort geboten wurden. Das war sozusagen die First-Class-Ausgabe von Rømø.“

Und kurze Zeit später kam sein erster Auftritt im Meerkabarett, das heute in Rantum zu finden ist „und damals noch in einem Zelt am Flughafen in Tinnum untergebracht war. Das Meerkabarett hat die Insel für mich zu einem Sehnsuchtsort gemacht. Seitdem bin ich dort 26-mal aufgetreten.“ Der Geschäftsführer vom Meerkabarett, Joachim W. Wussow, habe ihm verraten, dass Entertainer Götz Alsmann und er die meisten Auftritte in der Location gehabt hätten.

„Comeback des Lebens“ feierte auf Sylt Premiere

Im vergangenen Jahr feierte Knörs neues Programm „Comeback des Lebens“ auf Sylt Premiere. Allerdings bedingt durch Corona im größeren Congress Centrum in Westerland. Aber am 26. August wird der Entertainer wieder im Meerkabarett zu Gast sein und „Comeback des Lebens“ spielen. „Diese Show läuft jetzt so langsam aus. Entstanden ist dieses Programm während Corona, und es enthält die Juwelen aus meinen rund 40 Jahren auf der Bühne.“ Jörg Knör ist bekannt für seine Parodien von Prominenten. Zu seinem Repertoire gehören unter anderen Helmut Schmidt, Karl Lagerfeld, Dieter Bohlen oder Udo Lindenberg.

Das Meerkabarett ist eine kulturelle Institution auf der Insel. Auch die Spielstätte ist etwas Besonderes: Es ist die Lagerhalle der Sylt Quelle in Rantum. Nebenan ist die Mineralwasser-Abfüllanlage. In diesem Jahr darf sich das Publikum unter anderen auch noch am 11. August auf Gitte Haenning mit Band freuen, und am 12. August ist dort der Hamburger Autor und Musiker Heinz Strunk zu Gast. Mit Piano und Streichern ist Sänger Stefan Gwildis am 14. August im Meerkabarett zu sehen. Auch er wird zahlreiche Besucher anlocken.

Jörg Knör hatte eine Show ZDF

Aber zurück zu Jörg Knör. In den 90er- Jahren moderierte der gebürtige Wuppertaler die erfolgreiche Jörg Knör Show im ZDF. „Da hatten wir bis zu acht Millionen Zuschauer pro Folge.“ Hat sich dann aber vor allem der Theaterbühne verschrieben. Auf bis zu 150 Auftritte pro Jahr hat es der Vater von einem Sohn und zwei Töchtern gebracht.

Und auf Sylt freut sich Knör immer noch am meisten. „Die Urlauber sind tiefenentspannt. Die ersten 15 Minuten meines Programms gehören hier der Insel. Ich berichte über das, was ich dort so erlebt habe.“ Ab und an entstehen dabei auch Songs wie „Bunte Pullis über Wampen, das ist Kampen.“ Knör lächelt spitzbübisch, dieses Lied hat folgenden Ursprung. „Es geht dabei um ungleiche Paare, die durch Kampen spazieren. Die Frau überall gemacht, und der Mann trägt einen dieser auffälligen Cashmerepullis für 1000 Euro in Pink oder Violett über dem Bauch.“

Seine Programme entstehen bei Strandspaziergängen

Mehrmals im Jahr reist Knör auf die Insel – übrigens immer mit der Bahn. Sylt ist auch seine Inspirationsquelle. „Meine neuen Bühnenprogramme entstehen, wenn ich am Strand in Rantum vom Samoa Seepferdchen zur Sansibar gehe. Das dauert eine halbe Stunde. Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf und nehme alles mit meinem Diktafon auf.“ Als einen der „wichtigsten Momente“ seines Lebens bezeichnet Knör seinen Umzug vor neun Jahren aus Köln nach Hamburg.

In der Hansestadt, hier hat er schon an nahezu allen Theatern gespielt, ist Knör angekommen. Vor Kurzem stand ein Umzug von Eimsbüttel nach Winterhude an. „Dort haben wir eine Traumwohnung gefunden.“ Freimütig erzählt der Showmaster: „Wir wohnen zur Miete. Das Geld geben wir lieber für Essen aus.“ Knör und seine Frau Kerstin – die beiden haben 2014 geheiratet, und die Eheringe stammen von einer Schmuckdesignerin in Kampen – sind begeistert von der Vielfalt der Gastronomie in Hamburg.

Nordsee: Knör fühlt sich auch im kalten Wasser wohl

In seiner Wahlheimat wird Knör im Herbst wieder auftreten. „Andere schreiben eine Biografie, ich spiele sie live.“ Das Stück heißt „Jörg Knör – der Mann, der Inge Meysel war“. Bereits der Titel lässt schmunzeln. Für viele Zuschauer ist die „Mutter der Nation“ – so wurde die berühmte Schauspielerin Meysel genannt – eine seiner Paraderollen. Die Auftritte im Allee Theater an der Max-Brauer-Allee in Altona sind am 19., 20. und 21. Oktober jeweils um 19.30 Uhr.

Danach könnte es gut sein, dass es wieder auf die Insel geht. Besonders wohl fühlt sich Jörg Knör übrigens in den Nordseewellen – auch wenn das Meer nur 15 Grad hat.

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