Sylt

Fußball-Talk mit Rummenigge – ZDF-Mann muss Mikro abgeben

| Lesedauer: 5 Minuten
Anika Würz
Karl-Heinz und Michael Rummenigge im Bistro Sylter Muscheln in Hörnum.

Karl-Heinz und Michael Rummenigge im Bistro Sylter Muscheln in Hörnum.

Foto: Georg Supanz

Auf der Insel trafen sich Fußballexperten zum Gespräch. Ein Sportjournalist wird unbequem – und dann unsanft unterbrochen.

Hörnum. Das Bistro "Sylter Muscheln" am Hörnumer Hafen ist mehr als gut besucht an diesem Donnerstagabend. Das sei ja wie im Schellfischposten bei "Inas Nacht", meint eine der Anwesenden, die gerade genüsslich Krustentiere verzehrt. Der Andrang hat einen guten Grund: Auf dem "Spielfeld" des Bistros sind an jenem Abend große Namen des Fußballs verabredet, und zwar für 90 Minuten, wie sollte es anders sein.

Zu Themen rund um Fußball, Fans und Frauen sprachen unter anderen Karl-Heinz und Michael Rummenigge, Nationalspielerin Pia-Sophie Wolter, "Kicker"-Chefredakteur Jörg Jakob und Sky-Experte Torsten Mattuschka. Veranstalter des Treffens war Aspasia Event.

Die Talkrunde mit dem bezeichnenden Titel "Fußball und Krustentiere" am Tag vor dem Start der 60. Fußball-Bundesliga kann angesichts jüngster Ereignisse nicht ohne ein vonstatten gehen. Des "größten HSVers aller Zeiten" wird sowohl zur Einleitung der Veranstaltung gedacht als auch an ihrem Ende, zu dem sich die Interviewgäste für ein Gruppenfoto mit einer Statue von Seelers Fuß einfinden.

Sylt: Rummenigge hat Wunsch für Frauenfußball

Während der Talkrunde im Bistro geht es allerdings weniger um den perfekten Pass und den tollsten Transfer als vielmehr um die großen Fragen des Sports und seiner Zukunft. Und obwohl nur eine Gästin geladen ist, dreht sich das Gespräch stark um den Frauenfußball.

So fordert Karl-Heinz Rummenigge nun, nachdem der just vergangenen EM so viel Aufmerksamkeit zuteilwurde: "Der Effekt darf nicht verpuffen." Frauenfußball sei längst nicht mehr "das fünfte Rad am Wagen", sondern "braucht Namen", meint der ehemalige Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München.

Pia-Sophie Wolter, Nationalspielerin und amtierende Deutsche Meisterin vom VfL Wolfsburg, kann ihm da nur beipflichten. Sie wünscht sich in erster Linie gleiche Bedingungen für Frauen und Männer im Fußball, wie sie berichtet. Das fange bereits mit den Trainingszeiten an, die für Männermannschaften oft günstiger lägen.

Auch die Bezahlung der Fußballfrauen ist in vielen Fällen noch immer zu niedrig, sagt sie: "Für die meisten ist es nicht möglich, davon zu leben." Wichtig wäre es ihr zufolge, dass die Fans nach der viel beachteten EM nun "den Schwung mitnehmen" und dem Frauenfußball auch in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zollen.

Wolter selbst konnte aufgrund eines Kreuzbandrisses während der EM nicht als Spielerin auf dem Feld stehen. Erst im Juni hat sie die ärztliche Erlaubnis erhalten, wieder kicken zu dürfen.

Mattuschka macht sich für Ultras stark

Gern und dank lachsfarbenem Sakko gut gesehen ist bei "Fußball und Krustentiere" Sky-Experte und Ex-Union-Berlin-Freistoßspezialist Mattuschka. Der ostdeutsche Geradeheraus-Typ hält in Hörnum ein Plädoyer für die Underdogs. "Reibung erzeugt Energie", sagt er. Mehr "unbequeme Typen" täten dem Fußball mal wieder gut.

Sogar für die stimmgewaltigen, aber auch durch manchmal unverhältnismäßiges Zündeln von Pyrotechnik negativ in Erscheinung tretenden Ultras steht er ein: "Die Ultras müssen einfach da sein", so Mattuschka. Schließlich würden sie sich nicht nur die Köpfe einschlagen, sondern sich in erster Linie Gedanken machen, was mit ihrem Verein so passiere. Ihnen Gehör zu schenken, sei der richtige Umgang, meint Mattuschka.

Unbequem – wie von Mattuschka gewünscht – gibt sich Manuel Thiele. Er hat mit Fußballvideos bei Youtube sein Hobby zum Beruf gemacht, arbeitete bis vor Kurzem für das öffentlich-rechtliche Jugendformat Funk und ist seit wenigen Tagen für das ZDF-"Sportstudio" tätig. "Wie sprechen wir über Fußball?", ist dabei eines seiner zentralen Anliegen, erzählt er.

Kritischer ZDF-Reporter muss Mikrofon abgeben

Thieles Verweise auf eine Kommerzialisierung des Fußballs kommen unterdessen in der Runde gar nicht gut an. Als er sich dann auch noch zu den seiner Auffassung nach hohen Eintrittspreisen etwa für Spiele von Bayern München äußert, die sich Familien mit Kindern kaum noch leisten könnten, legen die Rummenigge-Brüder harten Widerspruch ein.

Doch bevor er weitere Argumente äußern und die erste ernsthafte Diskussion des Abends zustandekommen kann, wird diese aufgrund der fortgeschrittenen Zeit unterbunden. Thiele muss sein Mikro abgeben.

Moderator Sebastian Conrad macht ihm im Anschluss an die Aufzeichnung aber ein Friedensangebot. Thiele wird seine Gedanken in der 80. Folge des Fußball-Podcasts "Einwurf" ausführlich erläutern dürfen.

Livestream-Zuschauerfragen bleiben bei "Fußball und Krustentiere" nicht unbeantwortet. Ob sich Pia-Sophie Wolter einen Wechsel zu Bayern München vorstellen könne, fragt ein Fan online zum Beispiel. Da kann die VfL-Spielerin nur herzhaft lachen. In Wolfsburg fühle sie sich pudelwohl, das Team spiele hervorragend zusammen. Nach Bayern wird es sie vorerst nicht verschlagen.

Auf den Online-Kommentar zur Veranstaltung hin, wieso die Rummenigge-Brüder kein Expertenpaar bei ARD oder ZDF abgeben würden, hat Michael Rummenigge eine besonders scharfzüngige Antwort parat: "Die können das nicht bezahlen, glaube ich."

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