Westerland

Immobilien-König: Punks sind eine Belastung für Sylt

| Lesedauer: 7 Minuten
Ulrich Gaßdorf
Der Sylter Unternehmer Ole König hat eine Idee, wie das friedliche Zusammenleben mit den Punks funktionieren könnte.

Der Sylter Unternehmer Ole König hat eine Idee, wie das friedliche Zusammenleben mit den Punks funktionieren könnte.

Foto: Axel Steinbach

Unternehmer Ole König sagt, dass die Insel jedem offen stehen müsse. Es dürften aber nicht andere Menschen gestört werden.

Sylt. Eine neue Klientel hat in Westerland auf Sylt Einzug gehalten. Während dort ansonsten in der Innenstadt Touristen flanieren und sich auf den Terrassen der Lokale in der Fußgängerzone niederlassen, haben sich hier seit fast vier Wochen auch Punks eingerichtet. Die kommen mit dem 9-Euro-Ticket der Deutschen Bahn nach Sylt.

Besonders beliebt bei den Gästen mit den bunten Haaren ist der Brunnen mit der Dicken Wilhelmine an der Wilhelmstraße. Der wurde allerdings in dieser Woche mit einem Bauzaun abgesperrt, damit dieser nicht mehr als Pool von den Punks genutzt werden kann.

Immobilien-König über die Punks auf Sylt

Die Punks sorgen für viel Ärger und bundesweite Schlagzeilen. Auch Unternehmer Ole König, geschäftsführender Gesellschafter der König Sylt Gruppe, verfolgt aufmerksam das Geschehen. „Die Punks hören laute Musik, urinieren in die Ecken und sprechen Passanten an. Sie provozieren, sind übergriffig und campen vor Hauseingängen. Das ist eine Belastung für Sylt. Geschäftsleute sehen sich in ihrer Existenz bedroht“, sagt König, der jetzt zu Gast im Sylt-Podcast des Abendblatts war.

Punker auf Sylt – das Abendblatt ist jetzt vor Ort
Punker auf Sylt - das Abendblatt ist jetzt vor Ort

Der Immobilienunternehmer ist der Meinung: „Grundsätzlich muss die Insel jedem offen stehen. Aber es dürfen nicht andere Menschen gestört werden.“ Und der 39-Jährige hat einen Vorschlag. „Man könnte den Punkern zum Beispiel im Stadtpark gegenüber vom Rathaus von Westerland einen Platz anbieten, an dem sie sich frei entfalten können. Im Gegenzug könnte man die öffentlichen Bereiche mit einer kommunalen Satzung vor dem Lagern, Lungern und Stören schützen.“ Die Gemeinde müsse nur den Willen haben, die öffentliche Ordnung durchzusetzen.

Angelockt durch das 9-Euro-Ticket werden neben den Punks auch viele Jugendliche, die „jetzt Malle auf Sylt feiern. Denen könnte man in Westerland einen eigenen Strandabschnitt zuweisen, als Ort zum Partymachen. Da könnte man auch sanitäre Anlagen aufstellen und einen Sicherheitsdienst engagieren, der das Geschehen im Blick behält.“

Sylt soll Partystrand wie auf Mallorca einrichten – mit Sicherheitsdienst

Ole König liegt die Insel am Herzen. Er wurde in der Nordseeklinik geboren und ist auf Sylt zur Schule gegangen. Sein Abitur hat er in Kappeln an der Schlei gemacht, Betriebswirtschaft in Dortmund und Madrid studiert. Danach als Vorstandsassistent in einem weit verzweigten Familienunternehmen in Bielefeld gearbeitet.

Vor elf Jahren ist König zurück nach Sylt gekommen und in das Familienunternehmen eingestiegen. „Meine Großeltern sind vor 70 Jahren aus Pommern geflüchtet und nach Sylt gekommen. Zunächst eröffneten sie ein Spielwarengeschäft und haben 1962 eine Maklerkartei übernommen. Ende der 60er-Jahre hat unsere Familie mit der Ferienvermietung begonnen.“

Ole König hat mehr als 300 Ferienwohnungen im Portfolio

Heute hat König mehr als 300 Ferienwohnungen und -häuser in seinem Portfolio. Ein weiteres Geschäftsfeld ist die Projektentwicklung. Gebaut wird auf Sylt, und seit sieben Jahren ist König auch auf der Insel Föhr aktiv. Auf Sylt sei die Ferienvermietung im ersten Halbjahr ausgezeichnet gewesen, im Juni waren seine Objekte nahezu ausgebucht. Überraschend ist allerdings, „dass wir im Juli und August noch ein Nachfrageloch verzeichnen“.

Gut gebucht ist sein neues I Love Sylt Boutiquehotel Terminus an der Elisabethstraße in Westerland, das im Dezember vergangenen Jahres eröffnet hat. Das Logishaus Terminus wurde abgerissen und durch den futuristischen Neubau ersetzt. „Ich wollte dort erst Ferienwohnungen bauen. Aber dann bin ich eines Morgens aufgewacht, und mir war klar, so ein Grundstück in zentraler Lage von Westerland bekommst du so schnell nicht wieder, da muss ein Hotel hin.“ Ole König „liebt gutes Essen“, und deshalb gibt es auch das hauseigene Restaurant Hummerkoje – hier dreht sich alles um die Krustentiere.

Der Geschäftsmann lebt von den Urlaubern. Aber trotzdem sagt er: „Sylt hat sich zu einer Tourismusmaschine entwickelt. Gleichzeitig haben viele Einheimische die Insel verlassen, wir haben einen Fachkräftemangel. Deshalb müssen wir umdenken.“ Gäste und Gastgeber sollten sich mehr austauschen. Der Mensch müsse auf beiden Seiten im Vordergrund stehen, man sollte mehr aufeinander achten. Aus seiner Sicht muss es auf der Insel nicht noch mehr Ferienimmobilien geben.

Es geht auf Sylt nicht nur um Immobilien

„Die Gemeinden könnten ihr kommunales Vorkaufsrecht anwenden, das sie für jedes Grundstück haben, wenn es veräußert wird. Dann könnten die Gemeinden entscheiden, was dort gebaut wird.“ Bei Ole König geht es aber nicht nur um Immobilien. Gemeinsam mit zwei Freunden – einem Notar und einem Eierproduzenten – hat er vor zwei Jahren die Gourmetmanufaktur Sylt gegründet.

„Wir verarbeiten in Schleswig-Holstein geschossenes Wildfleisch zu Delikatessen“, sagt der passionierte Jäger. Produziert wird in dem EG-Wildverarbeitungsbetrieb auf Königs Resthof an der Ostsee in der Nähe von Hohwacht. „Wir haben viele bürokratische Hürden nehmen müssen. Aber seit Dezember vergangenen Jahres sind wir mit unseren Produkten in Supermärkten in Schleswig-Holstein und Hamburg vertreten.“

Ole König plant auch Charity-Veranstaltungen auf Sylt

Sylt stehe für Lebensfreude: „Die Menschen hier stehen auf der Sonnenseite des Lebens. Deshalb sollten wir uns um die kümmern, die unsere Hilfe brauchen.“ Aus diesem Grund hat König die Initiative „Stück vom Glück“ ins Leben gerufen. „Ich möchte Kindern im ostafrikanischen Ruanda eine bessere Schulbildung und weitergehende akademische Ausbildung ermöglichen, damit sie selber in ihrem Land etwas entwickeln können.“

Dafür sammelt König Geld ein. Von jeder Wasserflasche, die in seinem Hotel und Restaurant verkauft wird, fließt ein Euro an die Initiative. Die Gäste können bei der Buchung ihres Feriendomizils per Klick eine kleine Spende machen.

Es sind auch Charity-Veranstaltungen angedacht. „Im nächsten Jahr werden wir damit starten, konkrete Projekte in Ruanda umzusetzen.“ Privat schwebt Ole König auf Wolke sieben: Vor gut vier Wochen hat seine Frau Elisabetha einen Sohn geboren. Die beiden haben bereits eine anderthalbjährige Tochter. Demnächst zieht die Familie von Westerland in ein neues Domizil nach Keitum.

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