Ostsee

Hohwacht-Grundstücke: Freunde stechen große Investoren aus

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Christian Behn (l.) und Hauke Oppermann setzten sich dafür ein, dass Hohwach keine Bettenhochburg wird.

Christian Behn (l.) und Hauke Oppermann setzten sich dafür ein, dass Hohwach keine Bettenhochburg wird.

Foto: Thorsten Ahlf/HA

Bitte keine anonymen Klötze und Bauten: Um den Hohwacht-Charme zu bewahren, setzen sich drei engagierte Männer besonders ein.

  • Hohwacht ist eine kleine Gemeinde an der Ostsee mit 900 Einwohnern.
  • Der Küstenort ist auch bei Investoren überaus beliebt.
  • Damit Hohwacht nicht zur Bettenhochburg wird, wollen drei Freunde einem alternativen Ansatz folgen.

Entweder man liebt Hohwacht oder man hasst es, sagt Hauke Oppermann. Für den 42-Jährigen ist der kleine Ort an der Ostsee seit seiner Kindheit ein Zuhause. „Hohwacht ist mein Lieblingsplatz.“ Und wohl alle, die eine besondere Beziehung zu Hohwacht haben, eint eine Sorge: Sie fürchten um den Charme der 900-Einwohner-Gemeinde und setzen sich für einen sanften Tourismus ein. Oppermann und seine Freunde gehen sogar so weit, dass sie ein Haus gekauft haben und unter die Ferienwohnungsvermieter gegangen sind. Sie haben es geschafft, sich gegen große Investoren durchzusetzen.

Hauptsache keine Wohnungen, die ausschließlich gebaut werden, um durch den Verkauf das große Geld zu machen. Apartments, in denen Zweitwohnungsbesitzer nur am Wochenende einmal vorbeikommen und die meist leer stehen. Das ist Hauke Oppermann, Christian Behn und Ferdinand Paetzold wichtig. Alle drei sind seit der Jugend befreundet, sie haben sich am Strand kennengelernt.

Hohwacht an der Ostsee: "Es geht nur noch um noch mehr Betten"

Hauke Oppermann, der damals mit seiner Familie in Verden an der Aller gelebt hat, macht in Hohwacht seit seiner Kindheit Urlaub genau wie Ferdinand Paetzold aus Hamburg, Christian ist Einheimischer. Mittlerweile verbringen auch ihre Kinder die Urlaube gemeinsam am Strand. Hauke Oppermann: „Wir lieben diesen Ort. Wir sind zwischen Anfang März und Ende September ständig hier. Unsere Kinder haben in Hohwacht schwimmen und Fahrrad fahren gelernt – genau wie wir.“

Hauke Oppermann und Kumpel „Chrischi“ sorgen sich um die Zukunft des Ortes: „Wir beobachten die Entwicklung mit Sorge“, sagt Oppermann, „wie in Alt-Hohwacht kleine Häuser einfach abgerissen wurden. Es geht im Ort immer nur noch um Betten und noch mehr Betten. Es kann doch nicht sein, dass Fremde alles aufkaufen und kaputt machen.“ Wie berichtet, will die Gemeinde den Bau neuer exklusiver Eigentumswohnungen beschränken und hat daher eine Veränderungssperre verhängt und einen Investor damit zunächst ausgebremst. Lieber ist der Gemeinde Hotels mit Gastronomie und keine leeren Zweitwohnungen.

Hohwacht soll kein überlaufener Touristenort werden

Hohwacht, das seien laut Oppermann eben keine riesigen Bauten, keine anonymen Klötze. Hohwacht soll nach denen, die den beschaulichen Ort wegen seiner Ruhe und Unaufgeregtheit lieben, nie so werden wie viele überlaufene Touristenorte an der Lübecker Bucht. „Da diese Entwicklung schon manchem Ferienort extrem geschadet hat, wollten wir einen alternativen Ansatz verfolgen. Es muss möglich sein, den Charme des Ortes zu erhalten und trotzdem moderne und komfortable Unterkünfte für die Gäste zu schaffen“, so Oppermann.

Und so sind der Rechtsanwalt aus Kiel, Christian Behn, IT-Fachmann, und Ferdinand Paetzold, Ingenieur bei Airbus, Ferienwohnungsvermieter geworden. Als sie das alte Haus aus den 1960er-Jahren an der Ostpreußenstraße auf dem Grundstück mit den alten Apfelbäumen sahen, war das die Gelegenheit. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Hauke Oppermann.

81-jährige Eigentümerin entschied sich gegen große Investoren

Die ehemalige Eigentümerin, Ingrid Koerver, hatte ihre drei Häuser und das Grundstück nicht etwa zwei großen Investoren, die an ihre Tür klopften, verkauft, sondern den drei Freunden. „Die Investoren wollten hier alles abreißen. Das fand ich doof“, sagt die 81-Jährige. Ihre Eltern haben das Haus 1954 erbaut und dort Deutschlands erste vegetarische Frühstückspension geführt. „Ich wollte, dass die Drei das übernehmen und die Arbeit meiner Frau Mama so weiterführen.“

Alle fanden sich sympathisch, sagen Frau Koerver und Herr Oppermann. „Da in diesem Bereich kein B-Plan besteht, wäre es ein Leichtes gewesen, alle Gebäude und die Bäume abzureißen und 20 bis 25 Eigentumswohnungen zu errichten. Das wollten wir unbedingt verhindern“, so Oppermann. „Die finanzielle Überlegenheit der anderen Player spielte keine Rolle mehr. Wir versprachen Frau Koerver, dass wir den Bestand erhalten und lediglich modernisieren würden, um das tolle Grundstück zu schützen. Darüber hinaus sagten wir ihr zu, dass sie bis zu ihrem Lebensende mit ihrer Entourage im vorderen Haus als Dauermieter willkommen sei.“ Aber sicher ist sicher und so nahmen die drei Freunde das notariell in ihren Gesellschaftsvertrag auf.

Zweieinhalb Jahre dauerte die Sanierung der Ferienwohnungen

Die beiden anderen Häuser auf dem 2500 Quadratmeter großen Grundstück haben sie komplett sanieren und umbauen lassen, 1,8 Millionen Euro haben sie investiert in ihre Ferienhäuser unter der Marke „Hohwaii“. Drei Apartments mit Namen wie „Waikiki“, „Big Island“ und „Maui“ mit großen Dachterrassen, Boxspringbetten und modernen offenen Küchen sind in dem 150 Quadratmeter großen Haupthaus.

Únd dann gibt es noch das „Cottage“ im Garten für bis zu vier Gäste. Sind alle Betten und Schlafsofas belegt, kommen 28 Menschen unter. Ideal für Familienfeiern. Zweieinhalb Jahre dauerte die Sanierung, jetzt war Eröffnung der Ferienwohnungen. Besonderes Angebot: Haukes Frau Katrin wird als Yoga-Lehrerin den Sommer über freitagabends am Strand und sonntagmorgens auf der Flunder Yoga anbieten. Infos: www.hohwaii.com

Hohwacht an der Ostsee: Unterkünfte mit ausgefallenen Namen

Mit Hohwaii bringen die Freunde den Ort ein Stück nach vorn und reihen sich damit ein in moderne Unterkünfte wie Poly Hohwacht oder die Anlage Ole School. Auch Marco Nussbaum mit seinen Ferienwohnungen Poly Hohwacht plant Neues im Ort: Das „Solt un See Café & Bar“ soll ganzjährig geöffnet sein, um dadurch auch die Nebensaison attraktiver zu machen. Geplante Eröffnung ist Anfang Juli. „Unser Ziel ist es, aktiv dabei zu unterstützen, das Image von Hohwacht hoch zu halten“