Ostsee

Per E-Bike am Meer entlang – und durch die Rapsfelder

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Blühender Raps, wohin man blickt: Auf dem Fahrrad macht es besonders viel Spaß, das gelbe Wunder zu erleben. Die geführte Tour geht über 40 Kilometer, dauert fünfeinhalb Stunden.

Blühender Raps, wohin man blickt: Auf dem Fahrrad macht es besonders viel Spaß, das gelbe Wunder zu erleben. Die geführte Tour geht über 40 Kilometer, dauert fünfeinhalb Stunden.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Viele Badeorte bieten geführte Radtouren an, auch ins Hinterland. Das Abendblatt fuhr mit – von Dahme nach Heiligenhafen und zurück.

Dahme. „Es geht ums Genießen, darum, die Natur mit dem Herzen zu sehen“, sagt Axel Kramer, während es per E-Bike an der Ostsee auf nahezu autofreien Straßen und Wegen durch die blühenden Rapsfelder von Dahme nach Heiligenhafen geht. Mmmh, wie die Blüten duften! Immer wieder kommt mit einem Windhauch ein neuer Duftschwall. Klar, die Räder könnten schneller fahren. Aber bei den kostenfreien geführten Radtouren an der Ostsee – von dieser Woche bis in den Herbst – geht es nicht um Schnelligkeit, sondern um Entschleunigung.

„Was diese Eichen wohl erlebt haben? Die sind sicherlich 300 Jahre und älter!“ Axel Kramer zeigt auf die mächtigen Bäume am Straßenrand zwischen Rosenfelde und Siggen. Der 62-Jährige führt an diesem Dienstag eine Truppe von 25 Radfahrern an, begleitet sie in den kommenden fünfeinhalb Stunden auf der 40 Kilometer langen Tour.

Ostsee: Geführte Radtouren mit E-Bike durch Rapsfelder

Und wer neben Axel Kramer fährt, bekommt Infos aus erster Hand. Zum Beispiel die, dass in diesem Landstrich einst die Slawen zu Hause waren, während ein paar Kilometer weiter bei Lütjenburg das Land in den Händen der Wikinger war oder dass ein Seeadler hier bei Siggen seinen Horst hat und brütet. Am Rapsfeld legt die Truppe deshalb einen Stopp ein und schaut über das viele Gelb zum Horizont. Doch heute will sich der Seeadler nicht zeigen.

Weiter geht es über einen Schotterweg an Bahngleisen entlang zur historischen Bogenbrücke in Sütel. Vor 400 Jahren verlief hier die Hauptstraße von Puttgarden in Richtung Lübeck, und alle mussten an dieser Stelle über die Goddersdorfer Au. Kleiner Fotostopp, kurzer Plausch unter den Teilnehmern, die hier entweder ihren Urlaub verbringen oder an der Ostsee wohnen und ein wenig Sightseeing zu Hause machen. Sylvia Scheffel und ihre Freunde Ross Mary Gonzatti und Gabor Rabek aus Blankenese verbringen eine Woche an der Ostsee und nehmen während der „Maifahrradwoche“ jeden Tag an einer geführten Radtour teil, während Birgit Erdmann aus dem nahen Oldenburg ihre Heimat auf diese Weise neu kennenlernt. „Auf einer solchen Radtour entdeckt man die Umgebung einfach besser“, sagt sie.

"Maifahrradwoche": Drei unterschiedliche Touren durch den Norden

Diese Woche geht es während der „Maifahrradwoche“ jeden Tag auf unterschiedliche Touren, etwa über den Bungsberg – mit 167 Metern höchster Berg Schleswig-Holsteins – zum Ukleisee, auf den Spuren der „Drei ???“, unter dem Motto „Kunst & Kultur“ zum Gut Görtz oder zu einer Hofführung auf dem Gut Satjewitz.

Nach der Pause an der historischen Brücke fährt die Truppe weiter mit Blick auf Großenbrode und die Fehmarnsundbrücke über kleine Wege nach Heiligenhafen zur Fisch-Hütte im Industriegebiet. Dort räuchern Siegfried „Siggi“ Haasch und sein Bruder Björn so guten Fisch, dass sogar aus Hamburg Stammkunden kommen. Für die Radler gibt es Fischfrikadellen-Brötchen und eine Tour durch die Räucherei. Und wie das so ist nach gut 20 Kilometern auf dem Sattel: So lecker haben Fischfrikadellen lange nicht mehr geschmeckt. Radfahren in der frischen Ostseeluft macht Appetit.

Siggi Haasch von der Räucherei „Fisch-Hütte“ in Heiligenhafen
Siggi Haasch von der Räucherei „Fisch-Hütte“ in Heiligenhafen

Radtour an der Ostsee – mit Räucherei-Führung

„Wir arbeiten mit einem traditionellen Altonaer Ofen, der auf maximal 65 Grad erhitzt wird“, erklärt Siggi Haasch, der kein Thermometer mehr braucht, sondern nach Gefühl räuchert. Ihr wunderbares Aroma bekommen Heilbutt, Stremellachs, Forelle und Aale ausschließlich durch Buche und ein bisschen Erlenholz – „das ist traditionell hier in Ostholstein.“ Vier bis fünf Stunden dauert solch ein Räuchervorgang, der Fisch wird lediglich gesalzen, eventuell kommen noch einige Kräuter hinzu.

Gestärkt fahren alle um den Jachthafen und Binnensee herum zurück nach Dahme. Rund 40 Kilometer haben die Radler heute zurückgelegt, dank der elektrischen Unterstützung immer mit dem Gefühl von Rückenwind. Das mag für die Beine weniger anstrengend sein als mit einem herkömmlichen Fahrrad. Den Hintern spüren die untrainierten Radfahrer am Ende dann aber doch ein bisschen.

Ostsee: Anmeldungen für Sternfahrt noch möglich

Wer am Wochenende noch bei der Sternfahrt oder bei der Rundreise mitfahren möchte, kann sich anmelden unter: www.fahrradwoche.de. Auch außerhalb der Fahrradwoche gibt es regelmäßig geführte Radtouren jeweils ab zehn Uhr etwa ab Grömitz: jeden ersten Mittwoch zur Hasselburger Mühle mit Führung für drei Euro, Start jeweils Seebrückenvorplatz.

Jeden ersten Freitag im Monat: E-Bike-Tour zum Gut Petersdorf, jeden zweiten Mittwoch zum Museumshof Lensahn, jeden dritten Mittwoch zum Gut Hasselburg mit Führung, fünf Euro. Touren mit der Radsportgruppe Grömitz: montags um 14 Uhr ab Seebrückenvorplatz. Auch ab Dahme und Kellenhusen starten Touren. Infos: www.groemitz.de/radfahren. Im Herbst gibt es eine erneute Fahrradwoche vom 19. bis 25. September.

Auch an anderen Orten der Lübecker Bucht werden im Mai und bis Ende Oktober geführte Radtouren angeboten – mit Blick aufs Meer die Küste entlang, vorbei an Bachläufen und Binnenseen. Die Touren der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht sind jeweils rund 30 Kilometer lang und dauern etwa vier Stunden. Im Mai wird die geführte Radtour noch dreimal angeboten. Am 24. Mai startet sie ab Pelzerhaken, am 25. Mai ab Sierksdorf und am 31. Mai ab Scharbeutz.

Anmeldung unter www.luebecker-bucht-ostsee.de/naturerlebnisse oder vor Ort in einer der Tourist-Infos. Kosten: fünf Euro.