Impfstoff nicht zugelassen

Illegale Impfaktion in Lübeck – Ermittlungen gegen Stöcker

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Illegale Impfaktion am Flughafen Lübeck: Das Gelände, auf dem die Polizei die Impfaktion stoppte, gehört dem Arzt und Unternehmer Winfried Stöcker (Symbolbild).

Illegale Impfaktion am Flughafen Lübeck: Das Gelände, auf dem die Polizei die Impfaktion stoppte, gehört dem Arzt und Unternehmer Winfried Stöcker (Symbolbild).

Foto: dpa picture alliance / Franz Neumayr / picturedesk.com

50 Leute wurden offenbar mit dem nicht zugelassenen Vakzin geimpft. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Lübeck. Am Flughafen Lübeck haben Polizei und Stadt am Sonnabend eine möglicherweise unzulässige Impfaktion mit großem Andrang beendet: "Gemeinsam mit dem Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) der Hansestadt Lübeck und in Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Lübeck wurde festgestellt, dass dort eine Impfaktion mit einem offensichtlich nicht zugelassenen Impfstoff durchgeführt wird", so die Polizei. 50 Personen seien wahrscheinlich damit geimpft worden, bevor die Aktion gestoppt wurde.

Damit bestehe der Verdacht einer Straftat nach dem Arzneimittelgesetz. Die Ermittlungen richten sich derzeit gegen vier Männer im Alter von 81, 80, 74 und 61 Jahren mit Wohnsitzen im Kreis Segeberg und Herzogtum Lauenburg, wie die Polizei am Montag mitteilte. Nach NDR-Informationen handelt es sich dabei um zwei Ärzte im Ruhestand sowie um die beiden Geschäftsführer des Flughafens, Jürgen Friedel und Winfried Stöcker.

llegale Impfaktion in Lübeck – Winfried Stöcker im Fokus

Stöcker will einen eigenen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt haben und verabreichte diesen schon Anfang des Jahres Freiwilligen. Die Mixtur ist weder getestet noch zugelassen und es gibt keine Beweise für ihre Wirksamkeit.

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Gegenüber der "Bild"-Zeitung sagte der 74 Jahre alte Unternehmer, dass am Sonnabend zwei Ärzte geimpft hätten. In der Schlange hätten 600 weitere Menschen auf ihren Piks gewartet. Dass sein Vakzin am Sonnabend verimpft wurde, bestätigte die Polizei auf Abendblatt-Anfrage nicht. "Der Sachverhalt bedarf der weiteren Aufklärung", so Stefan Muhtz, Sprecher der Polizeidirektion Lübeck.

Illegale Impfaktion in Lübeck – großer Andrang

Etwa 150 Impfwillige hatten sich laut Polizei in der Abfertigungshalle am Lübecker Flughafen am Sonnabend aufgehalten. Geimpft wurde den Angaben zufolge in einem extra zu diesem Zweck hergerichteten Büroraum. Flugverkehr gab es zu dem Zeitpunkt nicht.

Die Beamten stellten Impfproben, genutzte Spritzen sowie Impflisten sicher und nahmen von den anwesenden Personen die Personalien auf. Weitere Detailangaben würden zum jetzigen Zeitpunkt nicht gemacht, hieß es weiter. Diese würden in dieser Woche nach Absprachen der beteiligten Ämter und Behörden folgen.

Diese Corona-Impfstoffe sind in Deutschland zugelassen

  • Biontech/Pfizer: Der erste weltweit zugelassene Impfstoff gegen das Coronavirus wurde maßgeblich in Deutschland entwickelt. Der mRNA-Impfstoff, der unter dem Namen Comirnaty vertrieben wird, entwickelt den vollen Impfschutz nach zwei Dosen und ist für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat er eine Wirksamkeit von etwa 90 Prozent – das heißt, die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken, sinkt bei Geimpften um den genannten Wert. Ebenfalls von Biontech stammt der erste für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zugelassene Impfstoff in Deutschland.
  • Astrazeneca: Der Vektorimpfstoff des britischen Pharmaunternehmens wird unter dem Namen Vaxzevria vertrieben. Aufgrund von seltenen schweren Nebenwirkungen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko), den Impfstoff nur für Patienten zu verwenden, die älter als 60 Jahre sind. Offiziell zugelassen ist der Impfstoff aber für Menschen ab 18 Jahren. Vaxzevria weist laut BMG nach zwei Impfdosen eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent in Bezug auf schwere Erkrankungen auf.
  • Moderna: Der von dem US-Unternehmen entwickelte mRNA-Impfstoff mit dem Vertriebsnamen Spikevax ist für alle ab 12 Jahren zugelassen, die Stiko empfiehlt aufgrund eines erhöhten Risikos schwerer Nebenwirkungen aber, ihn auf die Altersgruppe der über 30-Jährigen zu beschränken. Der Moderna-Impfstoff hat laut BMG eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent in Bezug auf schwere Erkrankungen, wenn der volle Impfschutz nach zwei Impfdosen erreicht worden ist.
  • Johnson&Johnson: Das US-Unternehmen hat einen Vektorimpfstoff entwickelt, der bereits nach einer Impfdosis Schutz vor dem Coronavirus entwickelt. Er wird unter dem Namen Covid-19 Vaccine Janssen vertrieben. Das Präparat hat laut BMG eine Wirksamkeit von bis zu 70 Prozent bezogen auf schwere Erkrankungen – zudem ist die Zahl der Impfdurchbrüche im Vergleich zu den anderen Impfstoffen erhöht, daher empfiehlt die Stiko für mit Johnson&Johnson Geimpfte schon nach vier Wochen eine zusätzliche Impfdosis mit Comirnaty oder Spikevax, um den vollständigen Impfschutz zu gewährleisten.
  • Novavax: Der Impfstoff, der mitunter zu den sogenannten Totimpfstoffen gezählt wird, enthält das Spike-Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2. Dabei handelt es sich aber genau genommen nicht um abgetötete Virusbestandteile, die direkt aus dem Coronavirus gewonnen werden. Das Protein wird stattdessen gentechnisch hergestellt und im Labor in Insektenzellen vermehrt. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung Antikörper gegen das Protein.
  • Weitere Impfstoffe sind in der Entwicklung: Weltweit befinden sich diverse Vakzine in verschiedenen Phasen der Zulassung. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft derzeit das umstrittene russische Präparat Sputnik V sowie die Impfstoffe der Hersteller Sinovac, Sanofi und Valneva. Der deutsche Hersteller CureVac hat seinen Impfstoff vorerst aus dem Zulassungsverfahren zurückgezogen.
( josi/cjl/dpa )