Ostsee

So will Travemünde künftig mit Ferienwohnungen umgehen

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Elisabeth Jessen
Der Blick vom Maritim Hochhaus auf die Trave und den Priwall mit der „Passat“ zeigt deutlich, wie viele Ferienwohnungen in den vergangenen Jahren entstanden sind.

Der Blick vom Maritim Hochhaus auf die Trave und den Priwall mit der „Passat“ zeigt deutlich, wie viele Ferienwohnungen in den vergangenen Jahren entstanden sind.

Foto: Andreas Laible / A.Laible

Das Ostseebad will vor allem die Umwandlung bestehenden Wohnraums beschränken – soziales Gefüge sei in Gefahr. Über das neue Konzept.

Lübeck. Ferienwohnungen an der Küste sind beliebt wie nie, doch Travemünde will dem Wildwuchs nun ein Ende bereiten. Die Stadtverwaltung hat deshalb ein „Konzept zur Steuerung von Ferien- und Zweitwohnungen in Travemünde“ erarbeitet, über das der Bauausschuss an diesem Montag berät. „Vor dem Hintergrund der stetigen Zunahme von Bauanträgen zur Errichtung neuer Ferienwohnungen sowie insbesondere zur Umnutzung von Wohnungen in Ferienwohnungen in Travemünde hat die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck den Bereich Stadtplanung und Bauordnung mit der Erstellung eines Konzeptes zur planerischen Steuerung von Ferienwohnungen in Travemünde beauftragt“, heißt es darin.

Ziel des Konzeptes solle dabei insbesondere die Begrenzung der Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen sein. Darüber hinaus soll auch die Umwandlung von Wohnungen für das Dauerwohnen durch Bewohner mit Erstwohnsitz in Zweitwohnungen begrenzt werden.“

Tourismus: Travemünde baut Zahl der Unterkünfte aus

Die Lübecker Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos) sagte im Gespräch mit dem Abendblatt, das Thema beschäftige alle Orte entlang der Ostseeküste, so auch Travemünde. „Die touristische Nutzung ist gewollt, aber das hat nicht nur positive Effekte.“ Zum Ende des vergangenen Jahres waren ihren Angaben zufolge 1390 Menschen mit Nebenwohnungen gemeldet – bei einer Gesamteinwohnerzahl von 14.853.

Das Angebot an Beherbergungsunterkünften für Touristen hat in Travemünde in den letzten Jahren durch zahlreiche Großprojekte (Ferienaussiedlung Priwall Strand, Beach-Bay-Ferienapartments und Slow-Down-Hotel, vormals Priwall Waterfront, Aja-Hotel und Apartmenthaus) stark zugenommen, heißt es in dem Konzept. Weitere Projekte der Fremdenbeherbergung befänden sich aktuell in der baulichen Umsetzung (Ferienapartments am Fischereihafen), bzw. in der Planung (Hotel am Lotsenberg, Ferienapartments auf dem westlichen Baggersand).

"Wir wollen die Bevölkerung vor Verdrängung schützen“

Darüber hinaus würden wie in den übrigen Ostseegemeinden zahlreiche Ferienwohnungen in privaten Wohnhäusern angeboten, die fast ausschließlich durch die Umnutzung von vorherigen (Dauer-)Wohnungen entstanden seien. In den vergangenen Jahren habe die Tendenz zur Umwandlung von Wohnungen in Ferienwohnungen spürbar zugenommen. Das sei unter stadtplanerischen Gesichtspunkten insofern problematisch als dadurch zunehmend Wohnraum für die Einheimischen verloren gehe. Dazukämen oft Störungen der Nachtruhe durch Urlauber.

„Wohnraum ist ja knapp. Wir wollen die Bevölkerung vor Verdrängung schützen“, sagt Senatorin Hagen. Bestehende Bebauungspläne würden aber weiter Gültigkeit behalten, Ferienwohnungen in diesen Bereichen hätten Bestandsschutz, aber in neuen Bebauungsplänen sollen ihren Angaben zufolge keine Ferien- und Zweitwohnungen mehr erlaubt sein. Auch in Travemünde wolle man künftig mehr auf Qualität achten, „aber nicht mehr auf die Erhöhung der Bettenzahl gehen“, so Hagen.

Bestimmte Gebiete sollen nur Wohnen dienen

Schwerpunktbereiche für den Tourismus und die Gästebeherbergung sind demnach die unmittelbaren Wasserlagen an Ostsee und Trave – einschließlich Priwall. In diesen Bereichen seien Einschränkungen für Ferienwohnungen nach Einschätzung des Bereichs Stadtplanung und Bauordnung nicht zweckmäßig.

Zu den Bereichen mit dem Entwicklungsziel Tourismus/Beherbergung/Erholung zählen inneres Kurgebiet vom Grünstrand bis zur Travepromenade, Vorderreihe bis zum Fischereihafen sowie Beach Bay und Priwall Strand. Alle übrigen Baugebiete sollen künftig vorwiegend dem Wohnen dienen.

Kein Bestandsschutz für nicht genehmigte Wohnungen

Unterstützung für die härteren Maßnahmen gibt es von den Grünen: Axel Flasbarth, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Bürgerschaftsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, und Arne-Matz Ramcke, baupolitischer Sprecher, begrüßten das Konzept. Flasbarth sagte: „Das jetzt von der Verwaltung vorgelegte und von uns und den Unabhängigen gemeinsam beantragte Konzept wird einen hervorragenden Beitrag zu einer sinnvollen Steuerung und differenzierten Regulierung von Ferien- und Zweitwohnungen in Travemünde leisten und den ausufernden Wildwuchs dort beenden. Wir begrüßen ebenso, dass in Zukunft in ganz Travemünde weder Umwandlung noch Neubau von Zweitwohnungen möglich sein werden. Dies ist sinnvoll, weil Zweitwohnungen im Vergleich zu Ferienwohnungen in der Regel noch länger leer stehen und dadurch geringere Kaufkrafteffekte für den Orthaben.“

Sinnvoll sei auch der Vorschlag der Verwaltung für den Umgang mit den bereits bestehenden Ferienwohnungen: „Während genehmigte und genehmigungsfähige Ferienwohnungen Bestandsschutz bekommen sollen, wird es für bisher nicht genehmigungsfähige Ferienwohnungen keinen Bestandsschutz geben.“ Dies sei zum Beispiel in der Wochenendhaussiedlung auf dem Priwall der Fall.

Bezahlbarer Wohnraum leidet durch Tourismus

Arne-Matz Ramcke ergänzte: „Wir haben in Travemünde in den letzten Jahren einen enormen Anstieg der Übernachtungskapazitäten erlebt. Während es 2008 noch gut 3000 Gästebetten gab, sind es inzwischen, vor allem durch Hotelneubauten, schon rund 8000. Gleichzeitig wird es immer schwieriger für die Travemünder Bevölkerung und die Beschäftigten in der Travemünder Tourismusbranche, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Der ungesteuerte willkürliche Wachstum ungenehmigter Ferienwohnungen muss unbedingt aufhören, insbesondere, um die wohnliche Qualität Travemündes zu bewahren.“

Eine übermäßige Durchsetzung mit Ferienwohnungen in Wohngebieten sei weder in der Nebensaison mit Leerstand und geschlossenen Rollläden noch im allgemeinen als Förderung des sozialen Gefüges förderlich.