Nordsee

Immobilien auf Sylt – das sind die Sonderwünsche der Käufer

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Ulrich Gaßdorf
Immobilienmakler Tom Kirst vor einem Einzelhaus in Kampen auf Sylt, das für um die fünf Millionen Euro verkauft wurde.

Immobilienmakler Tom Kirst vor einem Einzelhaus in Kampen auf Sylt, das für um die fünf Millionen Euro verkauft wurde.

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Luxusmakler Tom Kirst beobachtet enorme Preissprünge auf der Nordseeinsel. Er weiß, worauf es den Interessenten wirklich ankommt.

Sylt. Eine eigene Immobilie auf Sylt zu besitzen, das ist ein echtes Luxusgut. Viele Hamburger hatten das Glück, dass sie sich vor 20, 30 Jahren für den Erwerb einer Wohnung oder eines Hauses entschieden haben. Wenn sie heute ihr Objekt verkaufen würden, dürften sie satte Gewinne machen. „Es heißt, auf Sylt würden sich alle zehn Jahre die Preise für die Immobilien in guten Lagen verdoppeln“, sagt Tom Kirst.

Wenn es um Wohneigentum auf der Insel geht, dann ist der Luxusmakler bestens im Bilde. Der 52-Jährige ist seit 2007 der Repräsentant des renommierten Hamburger Immobiliendienstleisters Dahler & Company auf Sylt. Die höchsten Preise für Immobilien werden auf der Insel in Kampen erzielt – der Hobookenweg mit Wattblick gilt sogar als teuerste Straße Deutschlands. In der Ortsmitte hat Kirst sein Büro in einem Reetdachhaus.

Weniger Immobilien auf Sylt stehen zum Verkauf

„Wir haben eine Verknappung auf dem Markt. Das gilt für die gesamte Insel. Denn wegen Corona behalten viele Eigentümer ihre Immobilien. Wir haben also mit deutlich weniger Angebot zu kämpfen, aber die Nachfrage in allen Preissegmenten von der Eigentumswohnung bis hin zum luxuriösen Einzelhaus ist deutlich gestiegen“, sagt Kirst, der jetzt zu Gast im Sylt-Podcast des Hamburger Abendblatts war.

Es herrscht ein regelrechter Run auf die Objekte: „Sobald eine Immobilie auf den Markt kommt, gibt es zahlreiche Bewerber. Dementsprechend kurz sind die Vermarktungszeiten“, sagt Kirst. Mit Beginn der Corona-Pandemie sei auf der Insel im vergangenen Jahr eine Preissteigerung bei Immobilien von etwa 10 bis 15 Prozent festzustellen gewesen. Im Vergleich zu 2020 habe es in diesem Jahr in Toplagen eine weitere Preissteigerung um 15 bis 20 Prozent gegeben, weiß Kirst zu berichten.

Immobilienpreise auch für Hamburger Verhältnisse hoch

Im Jahr 2018 wurden rund 788 Millionen Euro durch den Verkauf von Wohn- und Ferienimmobilien auf Sylt erzielt – das sind die aktuellen Zahlen des Gutachterausschusses. „Wir vermuten, dass es 2019 einen leichten und in 2020 einen deutlichen Anstieg gegeben hat. Es waren zwar weniger Objekte am Markt, aber für die wurden Höchstpreise erzielt“, sagt Kirst. Auch mit dem Geschäft in diesem Jahr – trotz des geringen Angebots – ist der Luxusmakler zufrieden.

„Es wurden in Kampen für neuwertige Einzelhäuser in Toplagen mit Wattblick, die mehr als 2000 Quadratmeter Grundstücksgröße und mehr als 400 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche haben, bis zu 25 Millionen Euro erzielt“, sagte Kirst im Sylt-Podcast. Das sind Preise, die selbst für Hamburger Verhältnisse schwindelerregend sind. Aber auch Doppelhaushälften im Neubaustandard mit etwa 150 bis 170 Qua­dratmetern Wohn- und Nutzfläche werden in Kampen laut Kirst für Preise zwischen vier und sechs Millionen Euro gehandelt.

„Noch vor vier Jahren waren etwa 40 Doppelhaushälften auf dem Markt in Kampen, weil die Bauträger sich zahlreiche Grundstücke gesichert hatten, aber die sind inzwischen abverkauft. Deshalb gab es in diesem Jahr kaum noch Transaktionen in diesem Bereich.“

Käufern geht es auf Sylt auch ums Prestige

Wird da überhaupt noch über den Preis verhandelt? Wohl eher nicht: „Auf eine Doppelhaushälfte kommen 30 bis 40 Anfragen und drei bis vier Angebote, die sich dann gegenseitig überbieten“, sagt Kirst. In diesem Luxussegment haben die Kunden auch hohe Ansprüche. Eine Garage gehört da zum Standard. „Das Klientel wünscht eine zeitgemäße und moderne Innenausstattung. Jeder, der nach Sylt kommt, träumt natürlich von einem typischen Friesenhaus unter Reet. Gewünscht sind im oberen Preissegment auch ein oder mehrere Kamine, Sauna, hochwertige Bodenbeläge und technische Highlights.“

Bei Neubauprojekten würden auch neben der Tiefgarage Wellnessbereiche gebaut, zu denen auch ein Innenpool gehöre. Und ältere Kunden legen darauf Wert, dass die Immobilie über einen Fahrstuhl und ein ebenerdiges Schlafzimmer verfügt. Doch vor allem geht es auch um das Prestige. Kirst lächelt vielsagend. „Es besteht manchmal ein kleiner Wettbewerb zwischen den potenziellen Immobilienkäufern. Man möchte kein Haus von der Stange kaufen, sondern etwas Besonderes haben, was der andere nicht hat.“

Etwas Besonderes ist auch ein hochpreisiges Objekt in Achsum im Osten der Insel, das Kirst aktuell im Portfolio hat. Das wird als „repräsentativer Landsitz“ vermarktet, hat immerhin fast 3000 Quadratmeter Grundstück und 345 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche unter Reet. Das Anwesen ist schon seit geraumer Zeit am Markt – der Kaufpreis liegt bei 6,8 Millionen Euro – zuzüglich 3,57 Prozent Maklercourtage. Aber gibt es auf Sylt überhaupt noch Immobilien zu erschwinglichen Preisen?

Preise auf Sylt werden wohl weniger rasant steigen

Selbst „Wohnungen im Geschosswohnungsbau mit 70er-Jahre Standard in Westerland liegen inzwischen bei 8000 Euro pro Quadratmeter“, sagt der Immobilienexperte. Für 6000 bis 7000 Euro könne man Wohnungen in Tinnum bekommen, die dann aber in der Nähe der Bahnstrecke oder am Rande des Gewerbegebiets liegen. Für Tinnum, das sich bis Alt-Westerland zieht, sieht Kirst Potenzial, vor allem wegen der zentralen Lage auf der Insel.

Dort erwartet Kirst auch noch Neubauprojekte. Und geht davon aus, dass die Immobilien an Wert gewinnen werden. Das gilt auch für den Rest der Insel. „Die Preise werden kontinuierlich weiter steigen, aber wohl nicht so rasant wie in den vergangenen zwei Jahren.“

Seit mehr als drei Jahrzehnten ist der gebürtige Kölner in der Immobilienbranche tätig. Ende der 80er-Jahre startete Kirst seine Ausbildung zum Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft beim inzwischen international agierenden Hamburger Makler Engel & Völkers. 13 Jahre lang war er für das Unternehmen tätig. Kirst kümmerte sich um den Auf- und Ausbau des Franchisenetzwerks – das heißt, Selbstständige werden Lizenznehmer und können dann den Namen und das Know-how des Maklers nutzen – in Deutschland, später auch in Spanien und in Kapstadt in Südafrika.

Immobilienmakler Kirst fühlt sich auf Sylt "pudelwohl"

Nach seinem Wechsel zu Dahler & Company war Kirst auch hier für den Ausbau des Franchisenetzwerks verantwortlich, war später selbst Gesellschafter von zwei Wohnimmobilienbüros in Harvestehude und Eppendorf. Ein Kunde brachte ihn auf die Idee, auf der Insel Immobilien zu verkaufen.

Seit 14 Jahren ist Kirst nun hier. „Ich habe die Lizenz für Sylt von Dahler & Company erworben, und seitdem bin ich gemeinsam mit einem langjährigen Mitarbeiter vor Ort.“ Tom Kirst ist längst in seiner Wahlheimat angekommen. Auf Sylt schätzt er vor allem die Natur. Auch die Architektur auf der Insel spricht den Luxusmakler an, der in Kampen lebt und sich hier „pudelwohl“ fühlt.