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Ostsee und Nordsee: Tipps für Wanderungen an der Küste

| Lesedauer: 12 Minuten
Edgar S. Hasse
Der östlichste Punkt Schleswig-Holsteins: die Steilküste Staberhuk auf der Ostsee-Insel Fehmarn.

Der östlichste Punkt Schleswig-Holsteins: die Steilküste Staberhuk auf der Ostsee-Insel Fehmarn.

Foto: imago stock&people

Spektakuläre Perspektiven oder eine Wattwanderung mit fachkundiger Führung: Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Hamburg. Von der Leuchtturmwanderung mit Bade-Stopp, der Tour zur Südspitze Sylts bis hin zum historischen Gang auf dem Ochsenweg: Abendblatt-Redakteur Edgar S. Hasse hat die schönsten Wanderungen zwischen Ostsee und Nordsee zusammengestellt. Zehn Touren, die nach Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern führen:

1. Thalasso-Kurwege rund um Rostock

Wo eine frische Meeresbrise auf die sauerstoffreiche Waldluft trifft, können Spaziergänger auf wahre Wunderkräfte hoffen. Christine Teichert, Badeärztin in Warnemünde und Diedrichshagen, muss es wissen: „Eine Wanderung auf den Thalasso-Kurwegen verbindet eine leistungsangepasste Belastung mit dem Frischluftaufenthalt und dem reizvollen Landschaftserlebnis der Küste.“

Thalasso-Wandern (vom altgriechischen thalatta = Meer) tut also Körper, Geist und Seele gut. In Rostock Warnemünde gibt es zehn solcher Kurwege mit Längen von 3,7 bis 16,7 Kilometern. Sie führen am Strand entlang, weisen durch Küstenwälder mit vielen Kiefern. Die Tourismusverwaltung bietet für vier Strecken einen kostenlosen Audioführer für das Smartphone an. Neben der Wegbeschreibung­ leitet eine weibliche Stimme zu Atem- und Bewegungsübungen an.

2. Wanderung zur Südspitze Sylts

Das Meer hat sich weit zurückgezogen. Große Flächen sind trockengefallen, die Südspitze von Sylt erstreckt sich nun scheinbar bis zum Horizont. Vom Watt aus ist ein eher seltenes Bild zu sehen: das Tetrapodenwerk, dahinter Reetdächer, der Hörnumer Leuchtturm, eine feine Dünenkette bis in den Südosten.

Tatsächlich bietet eine Wanderung zur Südspitze Sylts, der Hörnum Odde, sowohl bei Ebbe als auch bei Flut spektakuläre Perspektiven. Die 5,3 Kilometer lange Tour startet auf dem Parkplatz im Hörnumer Hafen und führt dorthin wieder zurück. Wo Wattenmeer und offene See im Süden Sylts aufeinandertreffen, lässt sich die Dynamik der Naturkräfte erahnen.

Der „Blanke Hans“ nagt mit Vehemenz an der Sand­substanz der Insel, weshalb hier jedes Jahr gut eine Million Kubikmeter Sand aufgespült werden muss. Auf der Wanderung, die durch Dünen- und Heidelandschaft führt, können je nach Jahreszeit Küstenseeschwalben und Sandregenpfeifer beobachtet werden. Und am Ende kann man schließlich im Restaurant Südkap einkehren.

3. „Land, Watt und Meer“-Wanderweg bei Büsum

Man muss schon sehr aufpassen, zumindest beim Essen. Die „Büsumer Krabbensuppe“ muss gar nicht aus Büsum kommen, sondern nur einem regionalen Rezept entsprechen. So kann sie als Dosenware in Dänemark hergestellt worden sein. Täuschungssicher verläuft dagegen eine Wanderung rund um Büsum, dem 5000-Einwohner-Ort an der Meldorfer Bucht. Der Deutsche Volkssportverband (DVV) hat hier, an den Gestaden der Nordsee, den Wanderweg „Land, Watt und Meer“ angelegt.

Wattwanderung, am besten mit fachkundiger Führung, gehört in jedem Fall dazu. Das flutscht! Zwei Varianten stehen zur Wahl, beide haben ihren Ausgangs- und Zielpunkt an der Tourist-Information am Südstrand 11. Die kurze Route führt vom Hafen mit den Krabbenkuttern durch den Hochzeitswald und schließlich über den neu gestalteten Deich direkt an der Nordsee zurück. Macht sieben Kilometer. Fast doppelt so lang ist der Rundweg durch die Orte Büsumer Deichhausen und Warwerort an der Meldorfer Bucht.

4. Zum Leuchtturm Westerheversand – mit Bade-Stopp

Stopp, aussteigen. Wir sind auf dem Parkplatz Westerhever. Von dort aus geht es ganz gemütlich zum Leuchtturm Westerheversand. Vor uns liegen Salzwiesen – und irgendwo in der Ferne, da ist Amerika.

Die Tour bietet mehrere Optionen: Wer weiter als sechs Kilometer laufen will, kann Richtung St. Peter-Ording wandern oder nach dem Besuch des Leuchtturms gleich wieder zum Ausgangs- und Zielpunkt zurückkehren (Westerhever, Parkplatz Ahndelweg 4). Zwischendurch kann man sogar baden: Denn nicht weit vom Leuchtturm entfernt liegt die idyllische Badestelle Stufhusen. Eine Mischung aus Sand- und Grünstrand lädt hier zum Rasten ein.

Das Ziel der Tour ist jederzeit zu sehen: der 41 Meter hohe Leuchtturm Westerheversand, eines der meist fotografierten Gebäude an der Westküste. Er wurde 1906 auf einer vier Meter hohen Warft gebaut. Nachdem jahrzehntelang Leuchtturmwärter hier arbeiteten, wird das Seezeichen heute automatisch von Tönning aus überwacht.

5. Elf Kilometer Fehmarns Steilküste

Im Osten geht die Sonne auf: Wer zeitig aus den Federn kommt, startet auf der Sonneninsel Fehmarn seine Wanderung frühmorgens an der südlichen Ostküste. Es sind gut elf Kilometer, die in Katharinenhof beginnen und enden. Zunächst geht es entlang der Ostseeküste Richtung ehemaliger Marineküstenstation Staberhuk, dem östlichsten Vorposten Schleswig-Holsteins. Der Weg oberhalb der Steilküste führt direkt zum Leuchtturm Staberhuk.

Er ist seit 1903 in Betrieb und dient als Orientierung für die Schiffe im Fehmarnsund. Die gusseiserne Laterne stammt übrigens vom alten Leuchtturm auf der Nordseeinsel Helgoland. Der expressionistische Maler Ernst Ludwig Kirchner verbrachte hier einige Sommer und malte auch diesen Leuchtturm. Das Gemälde befindet sich heute im Besitz des Carnegie Museums of Art in Pittsburgh.

Nach dem Leuchtturm-Besuch heißt es: wieder zurück nach Katharinenhof. Dort blühen im Frühjahr die Buschwindröschen. Und in der NS-Zeit befand sich auf Katharinenhof ein Erholungsheim der SS – so groß sind hier die Kontraste.

6. Historische Wanderung durch das Langenberger Forst

Was für eine Ochsentour: Am Ortseingang steht das Schild „Luftkurort Leck“, dann folgt der Hinweis auf den Ochsenweg. Den gehen wir durch den Langenberger Forst, vorbei an Seen und Mooren, um nach 15 Kilometern wieder am Ausgangspunkt anzukommen (Leck, Marktstraße). Fünf Kilometer lang ist der historische Ochsenweg durch den Langenberger Forst, dem größten Wald Nordfrieslands. Nadel- und Laubbäume wachsen auf den kargen Heideflächen.

Vom 15. bis 19. Jahrhundert wurden jährlich bis zu 30.000 Ochsen von Dänemark nach Süden zu den Viehmärkten getrieben. Die Tiere haben hier einen tiefen Hohlweg in die Geest getreten, dem heute die Menschen folgen. Das Ziel war damals der berühmte Ochsenmarkt von Wedel an der Elbe.

Erst die Eisenbahn setzte diesem Treiben ein Ende. Ein Info-Pavillon über den Wald und seine Entstehung befindet sich auf dem Parkplatz (Tierfriedhof/Fischteiche an der B 199, südlich von Leck). Besonders abwechslungsreich im Langenberger Forst sind zudem die Fischteiche und die 45 Meter hohe Rantzau-Höhe. Mehr geht nicht auf dem platten Land rund um Leck.

7. Ab Kellenhusen: Wandertour mit DDR-Historie

Es ist eine Tour, die vieles offenlässt. Sie startet im Ostseeheilbad Kellenhusen (bei Neustadt/Holstein) und führt rund vier Kilometer nach Dahmeshöved. Schon wieder ein Leuchtturm! Und auch noch einer mit vielen Geschichten. Zu DDR-Zeiten diente das Leuchtfeuer DDR-Bürgern als Navigationspunkt bei ihrer Flucht über die Ostsee in die Bundesrepublik. Heute kann der Turm zeitweise besucht werden – auch und gerade von hochzeitsbereiten Paaren. Denn in dem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert befindet sich ein Standesamt.

Und nun kommen die weiteren Möglichkeiten: Sie können jetzt weiter nach Dahme laufen, auf der Strandpromenade flanieren, einen Kaffee trinken, Eis genießen, die Seele baumeln lassen. Oder baden gehen. Wenn Sie immer weiterlaufen, gelangen Sie an einen kilometerlangen FKK-Strand. Derweil grasen auf dem Deich Schafe und Schottische Hochlandrinder. Pappeln säumen hinter dem Deich eine asphaltierte Straße, an die ein Campingplatz grenzt. Es scheint, als sei man in eine andere Welt gelangt, weit weg vom Puls der Zeit.

8. Wandern von der Nordsee zur Ostsee

Schleswig-Holstein – das Land zwischen den Meeren. Wanderer können diesen bekannten Tourismus-Slogan auf der fast 120 Kilometer langen Route mit allen Sinnen erkunden. Sie ist in fünf Etappen eingeteilt und führt von Meldorf an der Nordsee bis an die Kieler Ostsee-Förde: immer der Nase nach. Dabei entdeckt man die Eider, den Nord-Ostsee-Kanal – und möglicherweise Steinzeitmenschen. Wer die erste Etappe (27 Kilometer) von Meldorf nach Albersdorf absolviert, sollte zumindest von dem Steinzeitpark Albersdorf mal etwas gehört haben.

Auf dem 40 Hektar großen Gelände leben im Sommer Menschen ganz freiwillig wie die Altvorderen vor 7000 Jahren. Das nächste Highlight, das die Tour zwischen Nord- und Ostsee prägt, ist der Nord-Ostsee-Kanal. Kaiser Wilhelm II., dessen Herz vor allem für die deutsche Flotte und seine eigene Yacht „Hohenzollern“ schlug, weihte die künstliche Wasserstraße 1895 ein. Wanderexperten bewerten die gesamte Strecke durch typisch norddeutsche Landschaften, Dörfer und Kleinstädte als schwer – also nichts für Anfänger!

9. Ostsee: Eiszeitliches Steilufer bei Travemünde

Die letzte Eiszeit vor 12.000 Jahren formte dieses geologische Kleinod in Travemünde. Ortsauswärts führt der sechs Kilometer lange Weg auf dem Brodtener Steilufer nach Niendorf mit seinem idyllischen Fischerhafen. Parken kann man in Travemünde, zurück geht’s mit dem Bus oder noch einmal zu Fuß.

Der Schriftsteller Franz Kafka ist den anfangs von Bäumen gesäumten Weg gegangen, der Komponist Richard Wagner ebenso. Und der in Lübeck geborene Thomas Mann war von seinen Kindheitserinnerungen an Travemünde so beeindruckt, dass der Ort immer wieder in seinen Romanen wie in den „Buddenbrooks“ auftauchte. Bei klarem Wetter bietet sich vom Steilufer aus ein Panoramablick auf die strahlend blaue Ostsee.

Das Brodtener Ufer gilt als eines der markantesten Steil­ufer der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Hier brüten Uferschwalben in stattlicher Kolonie, während auf dem Meer Reiher-, Berg- und Eiderenten schwimmen. Blesshühner leben in diesem Biotop ebenso wie Schwäne. Ein Ausflugslokal, die Hermannshöhe, lädt zur Einkehr ein. Denn auch kurze Wanderungen wecken die pure Lust auf Speis und Trank.

10. Knapp 100 Kilometer Ostfriesland-Wanderweg

Und los geht’s in Rhauderfehn, um in mehreren Tagesetappen bis nach Esens-Bensersiel am Wattenmeer der Nordsee zu gelangen. Die knapp 100 Kilometer lange Strecke gilt als leicht zu bewältigen, weil es kaum Steigungen gibt. Der Wanderweg führt teilweise auf der Strecke der ehemaligen Kleinbahn von Leer nach Wittmund entlang und ist mit einem weißen „O“ auf schwarzem Grund markiert. Wanderer lernen Leer und Aurich kennen und entdecken am Rande 24 Scheuerpfähle, an denen sich Rinder und Pferde reiben können. Heute sind diese Kunstobjekte.

Die Natur ist friesisch-herb: grünes, plattes Binnenland, auf dem Kühe grasen. Und immer weht eine frische Brise über Kanäle und Windmühlen. Um das alles zu entdecken, muss man nur den ersten Schritt tun: Die erste Etappe, 22 Kilometer, geht von Rhauderfehn bis in die Innenstadt von Leer. Diese lädt mit ihren kleinen Gassen und Geschäften zum Bummeln und Einkaufen ein – wenn es coronabedingt erlaubt ist.

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