Lockerungen und Verschärfungen

Entsteht im Norden Hamburgs ein gefährliches Corona-Dreieck?

| Lesedauer: 7 Minuten
Christopher Herbst und René Soukup
Im Kreis Stormarn drohen wieder erhebliche Verschärfungen der Corona-Regeln während sich die Lage in Hamburg nicht geändert hat. Der angrenzende Kreis Segeberg plant derweil umfangreiche Lockerungen.

Im Kreis Stormarn drohen wieder erhebliche Verschärfungen der Corona-Regeln während sich die Lage in Hamburg nicht geändert hat. Der angrenzende Kreis Segeberg plant derweil umfangreiche Lockerungen.

Foto: HA / Frank Hasse

Wenige Meter hinter der Stadtgrenze öffnet die Außengastronomie wieder. Im Kreis Stormarn werden die Regeln derweil verschärft.

Norderstedt. Im Kreis Segeberg, dessen Inzidenz in dieser Woche stabil unter 100 liegt (Stand 22. April: 66,4), soll es zum Teil bereits von Sonnabend an neue Regelungen im Zuge der Corona-Pandemie geben. Nach Auskunft eines Sprechers sei man in der Vorbereitung einer entsprechenden Verfügung.

Bestätigt ist: Die Außengastronomie darf öffnen, nachdem Restaurants und Cafés seit November geschlossen waren. Pro Tisch sind vorerst maximal fünf Personen aus zwei Haushalten gestattet, eine Kontaktnachverfolgung entweder über Smartphone-Apps oder schriftliche Formulare muss gewährleistet sein.

Hinter Hamburgs Stadtgrenze: Außengastronomie und Einzelhandel öffnen

Für den Einzelhandel soll mindestens Click & Meet gelten – die Terminvereinbarung könnte auch per Zuruf an der Tür geschehen. Allerdings wird sogar erwogen, die Einschränkungen soweit aufzuheben, dass lediglich die Kontaktdaten erhoben werden müssten. Für die ersten 800 Quadratmeter Verkaufsfläche gäbe es ein Limit von einem Kunden pro zehn Quadratmeter, ab 800 Quadratmeter hätte jede Person doppelt so viel Platz.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Kreis Segeberg: Schulen wechseln teils zum Präsenzunterricht

Für die Schulen gilt ab 26. April: Die Jahrgänge eins bis sechs finden im Wechselunterricht, ergänzt durch eine Notbetreuung, statt. Die Jahrgänge sieben bis 13 bleiben beim Distanzunterricht, ausgenommen sind die Abschlussklassen. Diese treffen sich in Präsenz, hierbei gelten die gängigen Hygienebestimmungen und zudem wie überall in Schleswig-Holstein eine Testpflicht für Kinder, Jugendliche und Beschäftigte. Diese müssen zweimal pro Woche vor Ort einen Schnelltest durchführen oder ein negatives Testergebnis vorlegen, das nicht älter als drei Tage sein darf.

Kindertagesstätten wechseln in den eingeschränkten Regelbetrieb. Das Betretungsverbot sowie die Einschränkung der Gruppengrößen werden ab 26. April aufgehoben, alle Kinder mit berufstätigen Müttern oder Vätern dürfen betreut werden, ebenso Kinder mit erhöhtem Förderbedarf.

Verschärfte Corona-Regeln im Kreis Stormarn

Mit Lockerungen ist im benachbarten Kreis Stormarn derweil noch nicht zu rechnen. Der Corona-Inzidenz-Wert in Stormarn lag am Donnerstag bei 103,2 und somit zum dritten Mal in Folge über der 100er-Marke. Der Landrat teilte am Donnerstagabend mit, dass verschärfte Regeln in Stormarn bereits von Sonnabend an gelten.

Eine davon ist die nächtliche Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr. Grundschüler gehen ab Montag dann nicht mehr jeden Tag in die Bildungseinrichtung, müssen womöglich sogar komplett zu Hause bleiben. Und die privaten Kontakte werden ebenfalls weiter eingeschränkt.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

Von Montag an ausschließlich Homeschooling?

Details klärt jetzt das Sozial- und Gesundheitsministerium in Kiel, setzt sich dazu am Freitagvormittag mit der Kreisbehörde in Bad Oldesloe in Verbindung. Dabei muss berücksichtigt werden, dass das bestehende Infektionsschutzgesetz erweitert wurde um eine Corona-Notbremse mit einheitlichen Regeln in Deutschland. Länder haben jedoch die Möglichkeit, diese strenger zu fassen. Und das ist beim Thema Schule in Stormarn aktuell noch der Fall.

Derzeit haben die Klassen eins bis sechs Präsenzunterricht. Von Montag an müssten Jungen und Mädchen auch der höheren Jahrgänge eigentlich ausschließlich daheim lernen. Gerade bei den jüngeren Kindern wäre wieder vermehrt die Hilfe der Eltern gefragt, sofern sie nicht die Notbetreuung in Anspruch nehmen können. Abschlussklassen und Förderschulen sind hierbei ausgenommen.

Landrat zu Schulschließungen: „Die Entscheidung trifft Kiel"

Die Notbremse sieht Schulschließungen jedoch erst ab einer Inzidenz über 165 vor und Wechselunterricht bei über 100. Dabei bleibt immer die Hälfte der Schüler zu Hause. Wie die Lehranstalten den Rhythmus des Wechselunterrichts organisieren, ob wöchentlich oder tageweise, ist ihnen überlassen.

„Die Entscheidung, was gilt, trifft Kiel. Es wird abhängig vom Infektionsgeschehen an den Schulen sein“, sagt Landrat Henning Görtz. Derzeit seien an den Bildungseinrichtungen nur Einzelfälle bekannt, die Infektionen stammten aus dem privaten Umfeld. Das wird er dem Ministerium auch bei seiner Lageeinschätzung am Freitagmorgen mitteilen. Beide Seiten stimmen sich eng ab, bevor dem Erlass aus der Landeshauptstadt eine Allgemeinverfügung des Kreises folgt mit entsprechenden Regeln.

Die AHAL-Regeln gegen Corona: So verringern sie das Ansteckungsrisiko

  • Abstand halten: Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Hygiene: Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund, waschen Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife und achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Im Alltag Maske tragen: Auch wo die (erweiterte) Maskenpflicht nicht gilt, ist es empfehlenswert, sich und andere vor Ansteckung zu schützen. FFP2-Masken oder OP-Masken bieten Schutz vor Ansteckung
  • Lüften: Wenn Sie sich mit anderen Personen in einem Raum aufhalten, lüften Sie regelmäßig, um das Risiko einer erhöhten Viruskonzentration in der Raumluft zu verringen
  • Außerdem: Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

In Sachen Ausgangssperre greift das Infektionsschutzgesetz

Görtz sagt, er könne mit der 165er-Marke gut leben. „Denn wir haben ja Teststrategien an den Schulen, die sollten sich erst einmal bewähren.“ Seit Ferienende sind zwei Corona-Tests pro Woche Pflicht, um am Unterricht teilzunehmen – natürlich bei negativem Ergebnis. Eltern, die solche Kontrollen ablehnen, dürfen ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Wie es in den Kindertagesstätten im Kreis in der kommenden Woche weiter geht, ist ebenfalls noch nicht geklärt.

In Sachen Ausgangssperre greift das jetzt ausgeweitete Infektionsschutzgesetz: Demnach darf das eigene Grundstück oder die Wohnung nur in Notfällen, zur Berufsausübung und Pflege von Angehörigen nach 22 Uhr verlassen werden, zudem ist das Joggen und Spazierengehen bis 24 Uhr möglich - aber nur alleine. Görtz hat Zweifel am Sinn dieser Vorgabe: „Ich halte die Ausgangssperre für sehr undifferenziert. Sie geht nicht auf Besonderheiten des Infektionsgeschehens ein, bringt in ländlichen Bereichen weniger als in städtischen.“

Private Kontakte: Nur noch Treffen mit einer Person erlaubt

Änderungen gibt es auch bei den privaten Kontakten. Bislang konnten sich zwei Haushalte mit maximal fünf Personen treffen. Kinder bis 14 Jahre zählten dabei nicht mit. Die Regel für Jungen und Mädchen bleibt, aber nun darf ein Haushalt nur noch eine Person als Gast begrüßen. Bitter wird es zudem für die Gastronomie.

Gerade erst hatten Restaurants ihre Terrassen geöffnet, konnten somit den Umsatz zumindest ein wenig steigern. Vielerorts genossen es die Menschen, sich an der frischen Luft verköstigen zu lassen. Das ist in Kürze wieder verboten. Die Betriebe müssen sich auf das Abholen von Speisen und Lieferdienst beschränken.

Corona-Test ist Pflicht vor dem Friseurbesuch in Stormarn

Supermärkte bleiben geöffnet. Laut Kreisverwaltung ist das Einkaufen mit dem Ehepartner höchstwahrscheinlich untersagt. Es gilt eine Person pro Haushalt, wobei Kinder bis 14 Jahre dabei sein dürfen. Beim übrigen Einzelhandel ist Terminshopping mit Corona-Test und Maske angesagt.

Die Friseurgeschäfte und Fußpflegesalons müssen ebenfalls nicht schließen. Allerdings sind Kunden jetzt angehalten, ein negatives Test-Ergebnis vorzuzeigen. Die Menschen im Kreis können sich an 72 Stationen kontrollieren lassen. Und: Bis 14-Jährige dürfen in Fünfer-Gruppen kontaktlosen Sport im Freien ausüben.