Nordseeurlaub

Dünenlodges und mehr: Camping auf Amrum wird revolutioniert

| Lesedauer: 5 Minuten
Friederike Ulrich
Dominic und Nadine Cloudt mit Töchterchen Eleanor und Kompagnon Kristian Bozic (r.) vor dem Campingplatz in den Dünen.

Dominic und Nadine Cloudt mit Töchterchen Eleanor und Kompagnon Kristian Bozic (r.) vor dem Campingplatz in den Dünen.

Foto: Dünencamping Amrum

Neue Betreiber aus Bayern krempeln den Campingplatz in Wittdün um – mit luxuriösen Elementen. Was das im Einzelnen bedeutet.

Amrum.  Von einem bayerischen Kloster in die Dünenlandschaft einer Nordseeinsel – einen größeren Sprung kann man in Deutschland kaum machen. Nadine und Dominic Cloudt aus Herrsching, Betreiber eines Wohnmobilstellplatzes am Ammersee, haben ihn gewagt.

Gemeinsam betreiben die 30-Jährigen künftig den größten Beherbergungsbetrieb der Insel Amrum: den Dünencampingplatz in Wittdün, den sie am 1. Januar übernommen haben. Hinter den Zelten, Wohnwagen und Campingbussen ihres Arbeitsplatzes wird also nicht mehr die Wallfahrtskirche des Klosters Andechs in den Himmel ragen, sondern der Leuchtturm von Amrum.

Neu-Amrumer haben ihre Jobs in Bayern an den Nagel gehängt

Als Stellvertreter haben die Cloudts ihren Freund Kristian Bozic (29) aus München mitgenommen. Alle drei haben für ihre neue Aufgabe im Norden ihre ursprünglichen Jobs an den Nagel gehängt: Nadine Cloudt war Projektleiterin einer Digitalagentur, ihr Mann Marketingleiter einer Gastronomiekette und Bozic Elek­troplaner in einem Ingenieurbüro.

Weil sie den Campingplatz nicht nur übernehmen, sondern auch nach ihren Vorstellungen ausbauen wollen, ist bis zur Eröffnung am 15. März noch viel zu tun. „Rezeption und Shop werden komplett erneuert“, sagt Nadine Cloudt, die – sofern die zehn Monate alte Eleanor es zulässt – auch selber mit anpackt. „Außerdem bauen wir ein Restaurant ein, das den früheren Minikiosk ersetzt.“

Pizza aus dem Steinofen und "Glamping" mit Halbpension

Statt Pommes aus der Mikrowelle soll es auf dem Campingplatz künftig italienische Küche geben. Die Konzession haben sie schon bekommen, Köche und Personal sind bereits eingestellt. Im Bella Ciao soll es dann Pizza aus dem Steinofen, hausgemachte Pasta und Leckeres vom Grill geben. 32 Plätze wird das Restaurant innen haben – und noch einmal ebenso viele im Wintergarten, den Nadine Cloudt „richtig gemütlich, mit Kräutern und Lichterketten“ einrichten will.

Doch mit einem Restaurant allein ist es natürlich nicht getan, wenn man seinem Campingplatz wie die Cloudts mit dem Zusatz „Genuss und Comfort Hideaway“ bewirbt. „Wir möchten hier eine luxuriöse Form des Campings anbieten“, erläutert Nadine Cloudt. „Trotz aller Naturverbundenheit muss bei uns niemand auf die Annehmlichkeiten eines Hotels verzichten.“ So können Gäste künftig Halbpension mitbuchen, Kindermenüs in verschiedenen Größen – und wer nicht im Restaurant essen möchte, kann sich ein Schlemmer-Frühstück im Picknickkorb oder Abendessen und Getränke zum Wohnmobil bringen lassen.

"Dünenlodges" sollen ein neue Luxuselement auf Amrum werden

Geliefert werden die Speisen nicht etwa in Einmalverpackungen, sondern auf den Restauranttellern, die anschließend abgeholt werden. „Wir legen in Küche und beim Platzbetrieb einen starken Fokus auf Müllvermeidung und großen Wert auf nachhaltige und ökologische Lösungen“, so Pächterin Cloudt. So bietet der dem Platz angegliederte neue Inselmarkt neben einem kleinen Supermarkt-Sortiment und täglich frischen Brötchen, Broten und Gebäck Getränke wie Kaffee, Kakao und Tee im platzeigenen Mehrwegbecher an – gegen Pfand.

Ein weiteres Luxuselement auf dem Campingplatz werden die Dünenlodges sein, die sich derzeit noch im Bau befinden: eine Art komfortabler Holzfässer mit vielen Fenstern, gemütlichen Betten und Küchenzeile. In „Privatlage“ inmitten der Dünen gelegen sind die Lodges in zwei Größen verfügbar: für zwei Personen oder, mit zusätzlichem Etagenbett, für eine vierköpfige Familie.

Bayern haben 26 andere Bewerber um den Campingplatz ausgestochen

Und so war es auch das Konzept der Cloudts, das die Gemeindevertretung von Amrum bei der Auswahl der neuen Campingplatzbetreiber überzeugt hatte. „Wir haben uns die Auswahl nicht leicht gemacht, es gab eine Reihe von sehr guten Bewerbungen“, sagte Bürgermeister Heiko Müller nach der Sitzung in den Amrum News. „Mit ihrem Konzept, ihrer Erfahrung und ihrem Engagement hat uns das zukünftigen Pächterehepaar sehr beeindruckt.“

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27 Bewerber hatten sich auf die Ausschreibung der Gemeinde gemeldet und für die Übernahme des Platzes interessiert. Nach einer Vorauswahl wurden schließlich acht Bewerber eingeladen, um dem Campingplatzbeirat ihr Konzept im Detail vorzustellen. Dabei konnte das Ehepaar aus Süddeutschland auch mit seiner eigenen Campingleidenschaft punkten.

"Camping ist einfach die schönste Art, Urlaub zu machen"

„Camping ist einfach die schönste Art, Urlaub zu machen“, sagt Dominic Cloudt, der von Kindesbeinen an so seine Ferien verbracht hat. Auch seine Frau ist schon lange leidenschaftliche Camperin. Norddeutschland kannten die beiden schon von Ferienreisen mit dem Wohnmobil her, die sie unter anderem nach Langeoog geführt hatten.

Auf Amrum waren sie zuvor noch nie – aber sofort begeistert, als sie die Fotos in der Ausschreibung sahen. „So schön in den Dünen gelegen war der Platz genau das, was wir gesucht haben“, sagt Nadine Cloudt. „Die Erfüllung unsers Traums.“ Wie gut, dass sie den Wohnmobilstellplatz zu Füßen des Klosters Andechs dank eines Platzwarts auch aus der Ferne betreiben können.