Effekten

Das sind die weiteren KZ-Häftlinge aus Kaltenkirchen

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Wolfgang Klietz
Andrej Wagapow

Andrej Wagapow

Foto: Arolsen ARchives / Arolsen Archives

Außer von José Lopez sind in den Arolsen Archives Effekten von 20 weiteren Männern registriert, die im KZ-Außenkommando waren.

Norderstedt/Hamburg. Josef Banasiak, geboren am 17. August 1913, wurde als„Schutzhäftling Pole“ gefangen gehalten. Er kam im März 1945 nach Neuengamme und war maximal vier Wochen im KZ-Außenlager Kaltenkirchen. Möglicherweise wurde er zuvor auch in Mauthausen gefangen gehalten.

In den Akten taucht auch die Schreibweise Banasciak auf. Der verheiratete Pole war von Beruf Arbeiter, seine Religion wird in den Akten mit katholisch angegeben. Er trug die Häftlingsnummer 75854 und überlebte die Haft in den Lagern.

Der Niederländer Emiel Blommaert kam am 26. Juni 1900, nach anderen Angaben am 26. Oktober 1909 in Heinkenszand zur Welt. Der ledige Kaufmann lebte in Den Haag und wurde am 28. August 1944 in das Durchgangslager Amersfoort eingeliefert. Aus dem Transport aus Amersfoort kamen 20 Niederländer in das KZ-Außenlager Kaltenkirchen, von zehn nicht überlebten.

Weitere Bilder und Dokumente aus den Arolsen Archives

Am 8. September 1944 traf Blommaert im Konzentrationslager Neuengamme ein, von dort wurde er nach Kaltenkirchen transportiert. In den Akten aus dem Lager Kaltenkirchen wurde er mit der Häftlingsnummer 48955 geführt. Es lässt sich nicht feststellen, wann Blommaert in Kaltenkirchen war. Er überlebte die Lager.

Hier kommen Sie zu der Geschichte über die Effekten aus Kaltenkirchen

Bernhard Boy wurde am 20. Dezember 1913 in Gelsenkirchen geboren. Mit der Häftlingsnummer 53963 inhaftierte ihn das NS-Regime in der Haftkategorie „Befristeter Vorbeugehäftling“, der wegen krimineller Delikte eine Strafhaft absaß und in ein KZ überstellt wurde. Boy hatte bereits 1939 laut einer Transportliste des Polizeigefängnisses Hamm eine Gefängnisstrafe verbüßt. Am 3. Oktober 1944 wurde er im KZ Neuengamme registriert, das ergibt sich aus der Aufschrift auf der Effektentüte. Er war mehrere Monate im KZ-Außenlager Kaltenkirchen und wurde bei der Räumung des Außenkommandos Kaltenkirchens am 16. April 1945 in das Auffanglager Wöbbelin gebracht. Boy überlebte und war im August 1945 wieder in Gelsenkirchen gemeldet.

Alexander Jezierski (oder Jeziorski) wurde am 12. Dezember 1902 in Polen geboren und war mit der Nummer 35133 in den Konzentrationslagern Neuengamme und Kaltenkirchen inhaftiert. Zuvor hatten die Nazis ihn aus seiner Heimat nach Compiegne in Polen verschleppt. Mit einem Transport von dort traf er am 7. Juni 1944 in Neuengamme ein.

Der Landarbeiter war einer der ersten Toten des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen und soll laut Todesurkunde 21. November 1944 an einem „Herzschlag“ verstorben sein. Dabei handelt es sich vermutlich eine fingierte Angabe. Er wurde auf dem Friedhof Kaltenkirchen beerdigt.

Der Vorname von Nikolai Katschmar erscheint in den Unterlagen auch in der Schreibweise Nikolaij. Er kam am 12. Dezember 1922 in Pogaresko in Polen zur Welt. Seine Nationalität ist nicht zweifelsfrei geklärt. In unterschiedlichen Dokumenten werden Polen, Russland und die Ukraine als Heimatland genannt. Katschmar lebte im Januar1945 in Hamburg. Er war vermutlich Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangener.

Etwa am 15. Januar kam er als Häftling im KZ Neuengamme an und wurde bald darauf zu einem unbekannten Zeitpunkt in das KZ-Außenlager Kaltenkirchen überstellt. Am 16. April 1945 gehörte er zu den Gefangenen, die bei der Räumung des Außenlagers ins Auffanglager Wöbbelin transportiert wurden. Katschmar war mit der Nummer 70053 in Neuengamme und Kaltenkirchen inhaftiert und überlebte.

Franz oder Franciszek Kekus wurde am 6. Juli 1908 (oder 1907) in Polen in Krakau geboren. Er wurde vom 4. Februar bis zum 17. März 1943 im „Häftlingskrankenbau“ des Konzentrationslagers Auschwitz gefangen gehalten. Vermutlich kam er am 25. August 1944 mit 750 Häftlingen aus Auschwitz im das KZ-Außenlager Bremen-Borgwardwerke an. Ob er in Neuengamme war, ist unklar. In Kaltenkirchen war Kekus mit der Häftlingsnummer48024 inhaftiert. Nachgewiesen ist auch, dass er bei der Räumung des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen nach Wöbbelin am 16. April 1945 dabei war und überlebte.

Michal Klamrowki kam am 29. September 1896 zur Welt. In den Akten aus dem Lager Kaltenkirchen wird sein Vorname mit Michel angegeben, außerdem findet sich die Schreibweise Klamrowski für seinen Nachnamen. Der Pole war von Beruf Setzer und wurde von der Gestapo am 10. Oktober 1944 aus Warschau kommend in das Lager Neuengamme und danach in Kaltenkirchen eingeliefert. Er trug die Häftlingsnummer 55116. Klamrowki starb am 21. Dezember 1944 in Kaltenkirchen. Als Todesursache wurde eine „Darmkrankheit“ angegeben, die auf einen tödlichen Verlauf der im KZ-Außenlager Kaltenkirchen grassierenden Ruhrkrankheit hinweisen könnte.

Eduard Konrad kam am 30. November 1912 in Žatec (deutsch: Saaz) zur Welt und war tschechoslowakischer Staatsbürger. Sein Name erschien am 7. September 1940 im „Deutschen Kriminalpolizeiblatt“ als Täter mit dem Stichwort „Einbruch in Brüz“. Gemeint ist wahrscheinlich Brüx in Nordböhmen. Dort war er offenbar am 30. August aus dem Kreiskrankenhaus entwichen. Für das 1941 ist eine Haft im Polizeigefängnis Hamm dokumentiert. Er verbüßte einen weiteren Teil seiner Strafe in der Strafanstalt Börgermoor.

Konrad wurde am 7. Januar 1943 in das KZ Neuengamme überstellt. In den Akten trägt er die Bezeichnung „SV“-Häftling, die Abkürzung steht für Sicherungsverwahrung. Konrad war mindestens seit Anfang 1945 Häftling des KZAußenlagers Kaltenkirchen und wurde dann am 16.April 1945 bei der Auflösung des Lagers in das Auffanglager Wöbbelin gebracht. Seine Häftlingsnummer lautete 13720. Konrad überlebte.

Artus Kosmal wurde am 13. Mai 1908 geboren in Płock (deutsch Schröttersburg) geboren und war polnischer Staatsbürger. Die Einweisung in ein Konzentrationslager erfolgte durch die Sicherheitspolizei Warschau in das KZ Stutthof bei Danzig. Am 4. September 1944 wurde er nach Neuengamme und später nach Kaltenkirchen mit der Häftlingsnummer 46071 überstellt. Am Ende des Krieges gehörte er zu den Gefangenen, die nach Wöbbelin transportiert wurden. In den Kaltenkirchener Akten wird sein Vorname mit Artur angegeben. Kosmal überlebte die Haft.

Youtube: So arbeitet das Archiv in Bad Arolsen

Fjodor Kurotschka wurde am 28. August 1923 in Pij in der Sowjetunion geboren und war in Kaltenkirchen als „Schutzhäftling“ mit der Nummer 40854 inhaftiert. Zuvor war er nach Compiegne verschleppt worden und kam am 28. Juli 1944 mit einem Transport französischer Häftlinge in Neuengamme an. Spätestens seit Januar 1945 war er mehrere Monate im KZ-Außenlager Kaltenkirchen inhaftiert und wurde bei der Räumung nach Wöbbelin transportiert. Er überlebte.

Leon Ludwicki kam am 18. Februar 1918 zur Welt und war Pole. In den Unterlagen von Bad Arolsen wird als Geburtsort Zooluweck genannt. Er war vom 7. Juli 1943 bis zum 6. Oktober1944 im „Strafgefängnis und Untersuchungshaftanstalt“ in Hannover inhaftiert und wurde danach in das Konzentrationslager Neuengamme überstellt, wo er am 13. Oktober 1944 eintraf. Dort und im Lager Kaltenkirchen trug Ludwicki die Häftlingsnummer 56050. Er wurde nach Wöbbelin transportiert. Er überlebte. Seine letzte bekannte Adresse war Ratzeburg, Seedorferstraße.

Was sind die Arolsen Archives?

Andrej Massljuk wurde am 30. Mai 1908 in Kiew geboren und war in den Lagern Neuengamme und Kaltenkirchen als „Schutzhäftling“ mit der Nummer 54730 inhaftiert. In Neungamme kam er am 5. Oktober 1944 an, wurde mehrere Monate in Kaltenkirchen gefangen gehalten und nahm am Räumungstransport am 16.April1945 in das Auffanglager Wöbbelin teil Er überlebte.

Piotr Nowak wurde am 2. November 1909 in Moczenica geboren. Der Pole war im Konzentrationslager Neuengamme und Kaltenkirchen in der Kategorie „Schutzhäftling“ mit der Nummer 75867 inhaftiert. Nowak traf er irgendwann zwischen dem 4. und 8. März 1945 dort ein und starb am 21. April 1945 im Lager in Wöbbelin. Dorthin waren die Kaltenkirchener Häftlinge vor den vorrückenden alliierten Truppen transportiert worden.

Stanislaus (oder Stanislaw) Orzechowski wurde am 3. Januar 1895 in Zuromin geboren und lebte mit seiner Familie als Buchhalter in Warschau. Der Pole traf am 5. Oktober 1944 in Neuengamme und 10. Oktober 1944 im Lager Kaltenkirchen ein und trug die Häftlingsnummer 55070. Vermutlich gehörte Orzechowski zu den Opfern der Vergeltungsmaßnahmen, die alle Einwohner Warschaus nach dem Warschauer Aufstand betrafen Er starb in Kaltenkirchen am 16. Dezember 1944.

Youtube: Effekten im Arolsen-Archiv

Für den am 8. August 1925 in Bjeltschkow geborenen Häftling Ostapischin liegen in den Arolsen Archives die Vornamen Petro und Peter vor, im Lager Kaltenkirchen wurde der Pole als Pjotr geführt. Ostapischin wurde mit einem Transport aus dem KZ Mittelbau-Dora am 5. Oktober1944 in das KZ Neuengamme, später nach Kaltenkirchen und dann nach Wöbbelin überstellt. In der Haftkategorie „Schutzhäftling“ trug er die Nummer 75853, nach anderen Angaben 75823. Er überlebte.

Über Stanislaw Pardela ist nur bekannt, dass er am 1. September 1914 zur Welt kam. Er war ab Januar 1945 in den Lagern Neuengamme und Kaltenkirchen in der Kategorie „Schutzhäftling“ mit der Nummer 71167 inhaftiert. In Unterlagen aus Kaltenkirchen werden das Geburtsdatum 1. August 1914 und die Nummer 70007 angegeben.

Für den am 17. Oktober 1896 geborenen Schanis Samse liegen auch der Nachname Samso und der Vorname Schamia vor. Der Lette trug als „Schutzhäftling“ die Nummer 59506 und kam am 16. Oktober 1944 aus dem KZ Sachsenhausen nach Neuengamme, danach nach Kaltenkirchen und nach Wöbbelin. Er überlebte.

In den Unterlagen der Hamburger Gestapo wird der am 5. September 1914 im polnischen Mogilnitza (deutsch Pruth) geborene Pawel Tarnopolsky mit dem Nachnamen Tarnopilszyi geführt. In den Dokumenten werden mehrere Nationalitäten genannt, darunter die russische und die polnische. Tarnopolsky war am „Schutzhäftling“ mit der Nummer 70375 in Neuengamme, Kaltenkirchen und Wöbbelin inhaftiert. Er überlebte.

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Der am 27. Mai 1920 geborene Friedrich Tischer war Österreicher und war in Neuengamme und Kaltenkirchen als „Schutzhäftling“ mit der Nummer 47302 inhaftiert. Er wurde, wie die Dokumente in den Effekten zeigen, am 13.April 1944 aus der Wehrmacht entlassen und von der Polizei in Kiel verhaftet. Vermutlich war Tischer bei der Marine am Standort Schönkirchen tätig. Nach der Verhaftung kam er zunächst ins KZ Sachsenhausen, danach nach Neuengamme und Kaltenkirchen.

Er gehörte zur „Sonderabteilung Wehrmacht“. Tischer ist einer der ersten Toten des Lagers. Er starb am 13. November 1944 in Kaltenkirchen und wurde dort auf dem Friedhof bestattet. In den Dokumenten der Arolsen Archives findet sich die Adresse Wels/ Oberdonau Au 15. In seinem Heimatort erinnert ein Stolperstein an Tischer.

Der Ungar Andrej Wagapow kam am 17. Dezember 1922 zur Welt. Als Geburtsort wird Burombay genannt. In Kaltenkirchen wird das Geburtsjahr mit 1924 angegeben. In einigen Dokumenten wird er auch als Russe bezeichnet. Wagapow war in Neuengamme, Kaltenkirchen und Wöbbelin mit der Nummer 68044 inhaftiert. Er überlebte.