Nordstrand

Der kleinste Dom Deutschlands hat die größte Krippe

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Katy Krause

Alt-katholische Kirchengemeinde auf Nordstrand zeigt zu Weihnachten Größe. Erstmals stehen dort Figuren, die ihresgleichen suchen.

Nordstrand. Weites plattes Land, umgeben vom Wattenmeer: Auf der nordfriesischen Halbinsel Nordstrand an der Nordsee leben gerade einmal rund 2500 Menschen und wahrscheinlich genauso viele Schafe. Ausgerechnet hier findet sich ein Dom. Zugegebenermaßen handelt es sich um den kleinsten Dom Deutschlands und die Sache mit dem Dom entstand mehr durch ein Missverständnis.

Auf Nordstrand sind die Leute stolz auf ihren Theresien-Dom. Und nun verfügt die kleine Kirche auch noch über ein stattliches Krippenspiel, das zu den größten seiner Art zählen dürfte.

Allein das Kamel, das etwa zwei mal zwei Meter groß ist, nimmt ordentlich Raum in Anspruch. Gut, dass es steht. Anders als eines der Schafe. Gleich eine kleine Herde hat sich in Nordstrand an der Nordsee eingefunden. Hinzukommt natürlich die Heilige Familie. Josef, Maria und das Christkind – in Lebensgröße versteht sich. Das Kamel hat die drei Weisen aus dem Morgenland mitgebracht. Und laut Überlieferung der Geburt Christi dürfen auch ein Ochs und ein Esel nicht fehlen.

Kirchengemeinde in Nordstrand an der Nordsee holte Figuren aus Polen

Die Figuren stammen aus Polen. Dort war die Kirchengemeinde fündig geworden. Denn es wurde gezielt nach der lebensgroßen Darstellung gesucht. Zu Weihnachten sollten sie die Kirchgänger erfreuen. Allerdings warum denn bloß unbedingt so groß? Einmal in etwas die Größten sein, wenn man schon zu den kleinsten Kirchengemeinden hoch oben im Norden zählt. Streben hier Kirchenmitglieder über ihre Verhältnisse? "Also die Figuren waren in dieser Menge und Vielfalt gar nicht geplant", erklärt Jens Schmidt, Pfarrer der Alt-katholischen Kirchegemeinde St. Theresia auf Nordstrand. Irgendwie habe sich das alles so ergeben.

Ursprünglich sollte nur die Heilige Familie auf die Halbinsel vor Pellworm ziehen. Dafür gab es auch einen Spender. Doch als Gemeindemitglieder die Figuren sahen, befanden sie, dass es ohne Ochsen und Esel nicht ginge. Eine Weihnachtskrippe ohne Hirten und Schafe? Das kam für andere nun wieder nicht infrage. Sie sponserten laut Schmidt die Schafe. "Und drei Frauen hatten einen absoluten Narren an dem Kamel gefunden", erinnert sich Schmidt. Sie hätten sich zusammengetan und dessen Anschaffung finanziert. Zwei neue Gemeindemitglieder wollten dann unbedingt die drei Sterndeuter.

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Und während die Heilige Familie zusehends Gesellschaft bekam, zeigte sich bei den aufgrund von Corona ausgelagerten Gottesdiensten im Zelt vor der Kirche: Es wird langsam zu kalt für die Veranstaltungen im Freien. So rückte der Pfarrer von seiner Idee ab, die lebensgroßen Figuren draußen aufzustellen.

Sie sollen jetzt vielmehr ihren Platz in der Kirche finden. An diesem Wochenende feiern sie Premiere. Im Altarraum wird es dann ganz schön eng im kleinsten Dom Deutschlands. Doch Schmidt ist ein praktisch veranlagter Mensch. Er kann der Idee sehr viel Gutes abgewinnen.

Ganze Kirche an der Nordsee verwandelt sich am Ende in eine Art Krippe

Dadurch, dass die Kirche kleiner sei, wären die Gemeindemitglieder mehr im Krippengeschehen drin. "Wir setzen auch Strohballen in die Landschaft, so dass Leute wirklich fast neben der Krippe sitzen können", berichtet Schmidt. So als seien die Besucher eben selbst Hirten oder Beteiligte.

So verwandelt sich am Ende die ganze Kirche in eine Art Krippe. So stehen Figuren verteilt im ganzen Kirchenraum und der Altarboden ist größtenteils mit Stroh ausgelegt.

Die Kirche kam übrigens aufgrund eines Irrtums zu ihrem großspurigen Namen. An der Kirchturmspitze steht in großen Lettern D. O. M. Das steht allerdings für die lateinische Widmung Deo Optimo Maximo, im Sinne von dem höchsten Gott. Doch im Volksmund wurde die Bezeichnung der Kirche weitergetragen, die 1634 nach einer schlimmen Flutkatastrophe von Deichbauern aus den Niederlanden, Flandern und dem heutigen Belgien erbaut wurde. Bis heute.

Mit der Idee, solche Figuren für eine Art Outdoor-Krippe anzuschaffen, hatte Schmidt schon lange geliebäugelt. Dann kam Corona. Sieben Monate Open-Air-Gottesdienste. Die Situation mit dem Zelt vor der Tür, bei dem nicht so recht Adventstimmung aufkommen wollte und das Gefühl, gerade in diesen Zeiten, etwas anders machen zu wollen, gab den Anstoß, die Heilige Familie für ein besonderes Krippenspiel anzuschaffen. Der Rest nahm unerwartetet Fahrt auf. Vielleicht auch coronabedingt, überlegt Schmidt. "Viele verbinden mit der Weihnachtskrippe das Gefühl von Geborgenheit, Heimat und Wärme." Die stille Sehnsucht danach könnte zu den vielen bereitwilligen Spendern geführt haben.

Kirchenmitglieder lassen sich das Singen nicht verbieten

Schmidt geht derzeit davon aus, dass die Weihnachtsgottesdienste in der geplanten Form stattfinden können. Mit Anmeldung, begrenzter Teilnehmerzahl und zahlreichen Vorsichtsmaßnahmen. Unter anderem ist am 24. Dezember um 16 Uhr eine weihnachtliche Krippenfeier geplant. Dann haben die Figuren ihren großen Auftritt, denn in diesem Zusammenhang werden die Neuankömmlinge auf Nordstrand auch gesegnet. Um 18 Uhr steht das Friedenslicht von Bethlehem im Vordergrund und um 22 Uhr wird die traditionelle Christmette gefeiert.

Alle Gottesdienste sollen damit enden, dass die Gemeindemitglieder von Nordstrand Kerzen am Friedenslicht von Bethlehem entzünden. Zusammen mit der Figur des Christkindes geht es hinaus vor die Kirche an der Nordsee, wo es in eine Krippe gelegt wird. Mit den Kerzen in den Händen und genug Abstand wird ein Kreis um das Kind gebildet. "Da wir in der Kirche nicht singen dürfen, aber es draußen möglich ist, machen wir das", so Schmidt. Denn nur so könnten sie die beiden Weihnachtslieder singen, die einfach zu Heiligabend dazu gehören: "Stille Nacht" und "O du fröhliche".