Statistik

Corona beschert Dörfern im Norden Tourismus-Boom

Im Corona-Sommer war an den Stränden von Nord- und Ostsee kaum ein freies Fleckchen zu finden. Von dem Tourismusboom profitierten besonders kleine unbekannte Orte.

Im Corona-Sommer war an den Stränden von Nord- und Ostsee kaum ein freies Fleckchen zu finden. Von dem Tourismusboom profitierten besonders kleine unbekannte Orte.

Foto: Marcus Brandt/dpa

Unbekannte Orte erfreuen sich riesiger Beliebtheit. Besucherzahlen in Hamburg brechen ein. Was die aktuelle Statistik sonst zeigt.

Hamburg/Kiel. Plötzlich sind sie gefragt wie nie: Kleine Orte im hohen Norden, wo die Kirche meist schon die größte Sehenswürdigkeit ist. Wichtig: Die Dörfer müssen nahe der Küste liegen und über eine Übernachtungsmöglichkeit wie einen Landgasthof oder einen Campingplatz verfügen.

Schon sind sie ein Tourismusmagnet – zumindest im Corona-Jahr 2020, wo alles etwas anders ist. Genau wie die aktuellen Zahlen des Statistischen Amtes.

Kleine Dörfer in Schleswig-Holstein profitieren vom Lockdown

Wer denkt denn bitte bei Kosel, Waabs oder Wöhrden an einen schönen Jahresurlaub im deutschen Wonnemonat September? Doch wie die Auswertung des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein zeigt, sind es eben deutlich mehr Touristen als gedacht.

Kleine Gemeinden im Norden profitieren von der Corona-Krise, ganz im Unterschied zur großen Metropolregion Hamburg.

Minus von 50 Prozent: Hamburg verzeichnet deutlich weniger Gäste

In der Hansestadt, wo sich statistisch schon bemerkbar macht, wenn bloß ein Musical ohne sofortigen Anschluss endet, schlagen Corona und die Folgen enorm durch. Die Hansestadt verzeichnet deutlich weniger Gäste und Übernachtungen als im Vorjahr.

Die Zahl der Gäste sank allein im September um 42 Prozent auf 386.000 im Vergleich zu 2019. Die Zahl der Übernachtungen verringerte sich um 37,9 Prozent auf 845.000, so das Statistikamt Nord. Noch ernüchternder ist der Blick auf den Zeitraum von Januar an. In den neun Monaten brach die Gästezahl um 51,6 Prozent ein (2,76 Millionen Ankünfte) und die Übernachtungen lagen mit 5,88 Millionen bei minus 49,3 Prozent. Im Durchschnitt blieben die Gäste zwei Tage lang.

Westerdeichstrich beliebt bei Touristen

Da kann so manches Dithmarscher Dorf ganz andere Zahlen vorweisen. Westerdeichstrich zum Beispiel –bekannt für seinen weitläufigen Strand mit FKK-Abschnitten. Die Gemeinde nahe Büsum mit rund 900 Einwohnern erfreute sich im September über 1002 Besuchern und 4719 Übernachtungen.

Allein die Übernachtungen verdoppelten sich im Vergleich zum Vorjahr. Auf den Vorjahreszeitraum (Januar bis September) gesehen bleibt sogar trotz des Lockdowns ein Plus von 5,8 Prozent bei den Übernachtungen.

Trotz wochenlanger Schließung Übernachtungsplus

Osterhever und Tating legen bei den Übernachtungen von Januar bis September sogar um 21 und 11,2 Prozent zu. Auch der kleine Ort mit dem großen Namen "Welt" nahe St. Peter Ording zählt zu den Gewinnern und verzeichnet ein Plus von 2,3 Prozent.

Waabs kann 32,2 Prozent und Nordermeldorf 39 Prozent mehr Übernachtungen vorweisen – und das trotz wochenlang verhängter Schließung. Wer in Hedwigenkoog dieses Jahr Urlaub machte, blieb hier im Durchschnitt sagenhafte acht Tage. Im September waren es sogar 11 Tage, also ein Jahresurlaub.

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Orte in der Metropolregion Hamburg leidet sehr

Doch während die kleinen Dörfer von der neu entdeckten Zwangsleidenschaft der Deutschen zur ihrer Heimat und den zugegebenermaßen überfüllten Orten am Meer profitierten, sieht es im übrigen Schleswig-Holstein nicht so rosig aus.

Die Kreise Segeberg (rund 230.000 Übernachtungen, minus 47 Prozent), Stormann (182.000 Übernachtungen, minus 44 Prozent) und Pinneberg (332.000 Übernachtungen, minus 36 Prozent) leiden zusammen mit der Hansestadt unter dem eingeschränkten Reiseverkehr. Und die Statistik dürfte noch schlechter ausfallen, da es sich hier bislang nur um die Monate Januar bis September handelt, und der zweite Lockdown mit seinen Folgen erst einfließen wird.