Ostsee-Insel

Fehmarn: Widerstand gegen österreichisches Riesen-Hotel

Urlaub am Strand: So soll das Jufa Hotel aussehen.

Urlaub am Strand: So soll das Jufa Hotel aussehen.

Foto: Lindenkreuz Eggert GbR

Die Jufa Gruppe plant ein Vier-Sterne-Haus mit 90 Zimmern am Meeschendorfer Strand. Kritiker finden das Gebäude viel zu hoch.

Ostsee. Fehmarn dürfte den meisten Österreichern kein Begriff sein. Doch vielleicht entwickelt sich die Ostseeinsel demnächst zu einem Ferienziel für die Nachbarn aus dem Alpenland. Denn auf Fehmarn plant die österreichische Jufa Gruppe ein Vier-Sterne-Hotel direkt am Meeschendorfer Strand.

Die Kette, die bereits 61 Häuser in Europa betreibt, hatte für das rund 1,1 Hektar große Gelände der ehemaligen Erholungsstätte des Kreises Hersfeld-Rotenburg im Süden der Insel bereits im Juni vergangenen Jahres einen Erbpachtvertrag für 75 Jahre unterschrieben.

Österreicher planen auf Fehmarn ein modernes Familienhotel

„Wir betreiben bislang noch kein Hotel an der Ostsee. Das Areal in Meeschendorf ist der ideale Standort für unser Produkt. Wir wollen hier ein Familienhotel mit einer moderneren Architektur bauen, die sich harmonisch in die Umgebung einfügt.

Natürlich wird das Haus mit 9o Zimmern auch Möglichkeiten für Tagungen bieten und eine Gas­tronomie, die allen Urlaubern und Insulanern offen steht“, sagte der Jufa-Vorstandsvorsitzende Gerhard Wendl dem Abendblatt.

Noch stehen die alten Gebäude auf dem Grundstück. Der Abriss ist im kommenden Jahr geplant. Der Baustart ist für 2022 und die Eröffnung 2024 vorgesehen.

Finaler Hotel-Entwurf wird im Dezember vorgestellt

Anfang Dezember befasst sich die Politik auf der Insel wieder mit dem Projekt: „Bei der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am 3. Dezember stellt die Jufa der Politik ihren finalen Entwurf für das in Meeschendorf geplante Hotel vor.

Darin sind auch die planerischen Festsetzungen für das Gebäude enthalten“, sagte Benjamin May, Leiter des Bauamtes der Stadt Fehmarn. Die Politik müsse diesem Entwurf zustimmen und das bilde dann die Grundlage für die öffentliche Auslegung des Entwurfs, so May weiter.

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Jufa geht davon aus, dass es in dem elfköpfigen Ausschuss eine Mehrheit für ihren Entwurf gibt. Aber die Österreicher müssen sich auch Kritik gefallen lassen: „Das Gebäude ist zu hoch und passt mit seinen Ausmaßen nicht an diesen Standort am Strand“, sagte Andreas Herkommer, Vorsitzender des Bau- und Umweltausschusses der Stadtvertretung von Fehmarn.

Allerdings räumt der SPD-Politiker auch ein, dass die drei anderen Ausschussmitglieder der SPD die Pläne in der vorgesehenen Größe befürworten.

Aus Sicht von Jufa-Chef Wendl ist der Austausch mit der Politik sehr kon­struktiv. Man habe auch weitere Zugeständnisse gemacht und die Höhe des Gebäudes zuletzt um 50 Zentimeter auf rund 15 Meter reduziert.

Campingplatzbetreiberin hat Angst vor Lärmbelästigung

Die meiste Stimmung auf der Insel gegen das Projekt macht die Nachbarin. Das ist Katherin Kleingarn, die dort den Campingplatz Insel-Camp Fehmarn betreibt.

Kleingarn befürchtet, „eine erhebliche Verschattung für unsere Stellplätze und einen Lärmpegel, der Tag und Nacht laut Lärmschutzgutachten am obersten Limit liegen wird.“ Außerdem sei die geplante Baumasse gebietsunverträglich und verursache einen erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild, so Kleingarn weiter.

Im Abendblatt-Gespräch betonte die Unternehmerin aber auch: „Ich möchte hier kein Hotel verhindern und hoffe auf einen Kompromiss. Das geplante Gebäude muss auf jeden Fall von der Höhe und Größe her reduziert werden.“ Sollte es dazu nicht kommen, schließt Kleingarn allerdings eine Klage gegen das Bauvorhaben nicht aus.

Ein weiteres Entgegenkommen des Bauherrn wird es aber wohl nicht geben: „Die, trotz vieler Gespräche, anhaltende Kritik der benachbarten Betreiberin des Campingplatzes ist aus Sicht der Jufa Hotels nicht mehr ganz nachvollziehbar. Hier ist bei uns der Eindruck entstanden, dass trotz vieler Zugeständnisse, es trotzdem nicht möglich war, einen Konsens herzustellen, was uns natürlich leid tut“, sagte Jufa-Chef Wendl.

Zahl der Hotels auf Fehmarn ist bislang übersichtlich

Unterdessen ist Heinz Jürgen Fendt, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Stadtvertretung, anders als sein Parteifreund Andreas Herkommer ein Förderer des Projekts. Fendt sagte: „Ich unterstütze die Pläne für das Jufa-Familienhotel. Das Konzept passt zur Insel und wir haben auf Fehmarn Bedarf für weitere Hotels.“

Die Anzahl auf der Insel ist bislang übersichtlich. In 13 Hotels stehen rund 830 Zimmer zur Verfügung. Das sind meist kleinere Häuser, nur das Ifa Hotel, mit 280 Appartements am Südstrand in den vom dänischen Stararchitekten Arne Jacobsen entworfenen Hochhäusern, sticht da heraus.

Die Insel lebt von den Urlaubern, deshalb befürwortet Tourismusdirektor Oliver Behncke das Projekt: „Die Pläne für das Jufa Hotel finden bei Politik und mir hohe Anerkennung, auch im Hinblick auf die Zielgruppenausrichtung und die vorgesehene Qualitätssteigerung. Zudem erreichen wir mit diesem 90-Zimmer-Hotel eine Streckung der Vor- und Nachsaison.“ Behncke ist wichtig: „Des Weiteren erzielen wir mit Hotelgästen auf der Insel durch deren Ausgabeverhalten eine hohe Wertschöpfung.“