Nordsee

Einwohner von St. Peter-Ording sind tourismusmüde

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Catharina Jäckel
So malerisch einsam ist es am Strand von St. Peter-Ording nur derzeit in der kühleren Jahreszeit. Im Sommer brummt der Tourismus

So malerisch einsam ist es am Strand von St. Peter-Ording nur derzeit in der kühleren Jahreszeit. Im Sommer brummt der Tourismus

Foto: imago stock / imago/Photocase

Bewohner des beliebten Urlaubsortes kritisieren vor allem die Masse an Tagesgästen und die Verkehrsprobleme.

St. Peter-Ording. Einen Parkplatz vor dem Supermarkt ergattern, gemütlich über die Promenade schlendern oder spontan in ein Restaurant setzen und schlemmen – in St. Peter-Ording ist das in der Hochsaison gar nicht so einfach. Daran stören sich vor allem die Einwohner des beliebten Ferienortes. Sie sind sich einig: Tourismus ist gut, mehr Touristen sollten es aber nicht werden. So lassen sich die Ergebnisse einer Studie zusammenfassen, die das Institut für Tourismus und Bäderforschung (NIT) im Auftrag der Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording im Mai und Juni 2020 durchgeführt hat.

Dabei ging es vor allem darum, welchen Einfluss der Tourismus auf das Leben in St. Peter-Ording hat und wie die Bevölkerung zum einheimischen Tourismus steht. Insgesamt wurden dazu 3554 Fragebögen an alle Einwohner ab 16 Jahren verteilt, 1315 von ihnen beantworteten die Fragen. „Der Rücklauf von 37 Prozent ist sehr hoch“, so Bente Grimm vom NIT in Kiel, „das lässt daraus schließen, dass die Einwohner das Thema Tourismus sehr bewegt.“

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Zu erwarten war, dass St. Peter-Ording von den meisten Anwohnern als lebenswerter Ort wahrgenommen wird. Sowohl Alteingesessenen als auch Zugezogene leben gern in der „Sandkiste“ an der Nordsee. Nur fünf Prozent gaben an, eher ungern oder sehr ungern in St. Peter-Ording zu wohnen. Die meisten Einwohner denken auch, dass der Tourismus für den Ort positive Effekte hat. Bei Einwohnern, die einen direkten Tourismusbezug haben, also ganz oder teilweise vom Tourismus leben, war der Anteil mit 69 Prozent noch etwas höher als bei den Einwohnern, die keinen Tourismusbezug haben (62 Prozent). So sind sich fast alle einig, dass der Tourismus die lokale Wirtschaft und Nahversorgung im Ort fördert und dafür sorgt, dass das vielfältige Angebot an Restaurants und Cafés wächst.

97 Prozent ärgern sich über die Verkehrsprobleme

Bei der Frage nach den persönlichen Auswirkungen des Tourismus wendet sich das Blatt jedoch: Mehr als 40 Prozent der Befragten geben an, dass Tourismus eher bzw. überwiegend negative Effekte hat. 97 Prozent finden, dass der Tourismus die Verkehrsprobleme im Ort vergrößert, also für Stau sorgt oder die Parkplatzsuche erschwert. Zudem finden fast alle Einwohner, dass es durch die Touristen auf den Wegen, beim Einkaufen und in Restaurants zu voll ist und die Besucher die Preise im Ort in die Höhe treiben. „Der Tourismus in St. Peter-Ording polarisiert, insbesondere hinsichtlich der persönlichen Auswirkungen, und spaltet dadurch den Ort“, so Grimm.

Insbesondere die Masse an Touristen stört die Einwohner. 68 Prozent sind der Meinung, dass zu viele Touristen den Ort bevölkern. Vor allem Tagesausflügler und Touristen mit Hund flanieren offenbar zu zahlreich durch St. Peter-Ording. Weniger als die Hälfte der Befragten gab hingegen an, dass die Zahl der Übernachtungsgäste zu hoch ist. Die ist im Jahr 2019 auf mehr als 422.000 gestiegen. An Wochenenden im Hochsommer strömen zusätzlich Tausende Tagesausflügler in den Ort.

Die Akzeptanz von noch mehr Touristen geht gegen null

Was die Tourismus-Zentrale als Erfolg verbuchen kann, führt zu Spannungen mit den Bewohnern von St. Peter-Ording. Die Akzeptanz von noch mehr Touristen geht gegen null: Nur zwei Prozent der Befragten mit Tourismusbezug wünschen sich mehr Touristen in dem Badeort, die Antworten der Einwohner ohne Tourismusbezug zusammengenommen, war es sogar nur ein Prozent.

Die Ergebnisse werfen Fragen auf, die den Forschern zufolge in gesellschaftlichen und politischen Runden diskutiert werden müssen. „Als Tourismus-Zentrale bedanke ich mich ausdrücklich für die Teilnahme an der Studie und die vielen wertvollen Hinweise und Ideen, die wir gewinnen konnten“, erklärte Constanze Höfinghoff, scheidende Tourismus-Direktorin. „Nun gilt es, genauer hinzuschauen, wer eigentlich wo auf die jeweiligen Handlungsfelder Einfluss nehmen kann.“

Anleinpflicht für Hunde und autofreie Zonen gewünscht

Klare Handlungsrichtlinien ergeben sich aus den Ergebnissen zwar nicht, allerdings äußerten die Einwohner Wünsche. So fühlt sich laut Studie mehr als jeder Zweite weniger gut oder schlecht informiert, das gilt auch für Befragte mit Tourismusbezug. Sie wünschen sich mehr Presseberichte oder einen Newsletter für Einheimische.

Mehr als die Hälfte der Befragten würden außerdem autofreie Zonen, Sammelparkplätze vor dem Ort sowie eine Anleinpflicht für Hunde begrüßen, um die Natur zu schützen.

In welche Richtung sich der Tourismus in St. Peter-Ording entwickelt, hängt wohl auch vom Ausgang der Bürgermeisterwahl am Sonntag ab. Fünf Kandidaten und damit fünf Tourismuskonzepte stehen zur Wahl.