Ostsee

Das sind die großen Pläne der Koeppens für Glücksburg

Yvonne und  Christoph Koeppen vor ihrem  Strandrestaurant Glückselig

Yvonne und Christoph Koeppen vor ihrem Strandrestaurant Glückselig

Foto: Glück in Sicht Ostseelodges GmbH & Co KG

Die Hamburger betreiben an der Ostsee 26 Ferienhäuser, bald drei Restaurants – und haben jetzt auch das Intermar Hotel übernommen.

Glücksburg. Dies ist die Geschichte eines Hamburger Ehepaares, das sich in Glücksburg eigentlich nur vom stressigen Arbeitsleben in Hamburg erholen wollte. Doch was mit Wochenendtrips an die Ostsee begann, ist zu einer großen Liebe geworden – und zu einem Geschäft: Denn inzwischen gehören Yvonne und Christoph Koeppen in Glücksburg 26 Ferienhäuser und zwei (bald drei) Restaurants. Und neuerdings betreiben sie auch das Intermar Hotel. Dabei hatten die beiden mit Gastronomie und Hotellerie bis vor Kurzem nichts zu tun. Aber der Reihe nach.

Vor gut 13 Jahren suchte das Ehepaar einen schönen Ort, um zu heiraten – und fand Glücksburg. Geheiratet wurde im Wasserschloss, dem Wahrzeichen der Stadt, gefeiert im Strandhotel direkt an der Promenade. „Mit diesem Tag begann unsere Liebe zu Glücksburg“, sagt Yvonne Koeppen. Erst kam das Ehepaar im Urlaub hierher, vor acht Jahren kaufte die inzwischen auf sechs Personen angewachsene Familie ein Ferienhaus – und verbrachte immer mehr Wochenende nicht in Hamburg, sondern hoch oben in Schleswig-Holstein.

Glücksburg liegt nur ein paar Kilometer von Flensburg entfernt und war für die Koeppens zunächst ein Ort der Entspannung. Bis sie eines Tages bei einem Strandspaziergang eine kleine Bucht am Ende der Promenade entdeckten. Hier stand früher ein Schullandheim, nebenan gab es einen Campingplatz für Dauercamper direkt an der Flensburger Förde. „Die Stimmung war unglaublich. Diese Ruhe, diese Abgeschiedenheit. Und das nur wenige Meter entfernt vom Stadtkern“, sagt Christoph Koeppen. Sie hätten sich beide sofort in den Platz verliebt.

Mittendrin in der Tourismus-Industrie an der Ostsee

„Und dann stand an dem Gebäude des ehemaligen Landschulheims auch noch ein Verkaufsschild.“ Sofort begann es in den Köpfen des Ehepaares zu arbeiten. Koeppen ist ein Mann der Tat. Er hat mehrere Unternehmen in der Solarbranche gegründet und leitet heute als Anteilseigner und Vorstandsvorsitzender die Firma Enerparc, die auf die Entwicklung, den Bau und Betrieb großer Fotovoltaikanlagen spezialisiert ist. Seine Frau ist Marketingexpertin, hatte bei verschiedenen Verlagen gearbeitet: „Uns war klar: Die Gelegenheit, ein solches Grundstück zu kaufen und zu entwickeln, die gibt es nie wieder.“ Gemeinsam entstand die Idee, hier am Wasser große Ferien-Lodges zu bauen – und plötzlich waren die Koeppens mittendrin in der stark wachsenden Tourismus-Industrie an der Ostsee.

Das Paar stellte der Stadt sein Konzept vor – und bekam tatsächlich den Zuschlag. Seit 2017 stehen 26 Lodges auf dem 50.000 Quadratmeter großen Areal, das „Glück in Sicht“ heißt. Die kleinste Lodge bietet 43 Quadratmeter Platz, die größte hat 210 Quadratmeter. Viele haben eine eigene Sauna, einige einen extra Bereich, in dem zum Beispiel mitreisende Großeltern untergebracht werden können – in Coronazeiten alles andere als unwichtig.

Damit die Gäste gut essen gehen können, eröffneten die Koeppens direkt neben der Anlage im vergangenen Jahr ein eigenes Restaurant, das Glückselig. Spätestens jetzt waren die Wochenendtrips nach Glücksburg für das Paar auch immer mit (viel) Arbeit verbunden. Aber es ging offenbar noch mehr: Als die beiden vor nicht allzu langer Zeit auf das alte Restaurant Quellental unweit des Yachthafens stießen, das seit Langem leer stand und ziemlich heruntergekommen war, war die nächste Idee geboren: „Die Lage war wieder ein Traum. Versteckt hinter dem wunderschönen Hafen, den Wald im Rücken.“

Seit wenigen Wochen betreiben die Koeppens das Intermar an der Strandpromenade

Also kauften die Koeppens das Grundstück, besorgten sich alte Pläne und Bilder des Restaurants und sind im Moment dabei, die Renovierung zu organisieren. „Die Vorbereitungen sind recht umfangreich. Denn wir wollen nach Möglichkeit zu den alten Wurzeln des Quellentals zurückkehren“, so Christoph Koeppen. Noch diesen Herbst sollen die Bauarbeiten beginnen. Die Neueröffnung ist für das Frühjahr 2021 geplant.

Ganz nebenbei und in aller Stille haben sie zwischendrin noch ein Restaurant in Glücksburg übernommen – und das Hotel, in dem es sich befindet, gleich dazu: Seit wenigen Wochen betreiben die Koeppens das Intermar an der Strandpromenade. „Wir wurden im Frühjahr angesprochen, ob wir uns spontan vorstellen können, dort einzuspringen“, sagt Christoph Koeppen und grinst.

Konnten die beiden. Mitte Mai, zum Ende der Corona-Schließzeit, eröffneten die Koeppens das Restaurant neu unter dem Namen Gudlak. Anfang Juli übernahmen sie dann das Intermar Hotel mit 90 Zimmern. „Die sind erst vor Kurzem renoviert worden und in einem super Zustand“, so Yvonne Koeppen.

Unter der Woche lebt die Familie in Othmarschen

Fragt man die beiden, wie sie das alles schaffen, zucken sie mit den Schultern. Geht schon irgendwie. Dabei sind sie in der Regel nur am Wochenende in Glücksburg. In der Woche leben sie in Othmarschen. Hier gehen die Kinder zur Schule. Hier ist der eigentliche Arbeitsplatz von Koeppen, wie er sagt. Die Projekte in Glücksburg seien eher wie ein Hobby gedacht gewesen. Ein Hobby, das zunehmend mehr Zeit in Anspruch nimmt. Yvonne Koeppen kümmert sich um das Marketing der derzeit vier Läden. Ihr Mann regelt die Finanzen und die Baumaßnahmen. „Alle großen Entscheidungen treffen wir zusammen.“

Ins operative Geschäft versuchen sie sich wenig einzumischen. „Wir haben für alle Bereiche Betriebsleiter, denen wir absolut vertrauen.“ Sagt Christoph Koep­pen – und hebt schnell einmal die Plexiglaswände vom Boden auf, die der Wind im Glückselig umgeworfen hat. Gast im eigenen Restaurant ist man eben nie.