Kiel-Holtenau

Havarie in Schleuse – Frachter fuhr offenbar ohne Lotse

Die Spuren einer Schiffskollision sind am Nordtor der Schleuse in Holtenau zu sehen. Nachdem ein Frachter am Samstag in Kiel-Holtenau in ein geschlossenes Schleusentor gefahren ist und dieses stark beschädigt hat, ist die Ursache dafür weiter unklar.

Die Spuren einer Schiffskollision sind am Nordtor der Schleuse in Holtenau zu sehen. Nachdem ein Frachter am Samstag in Kiel-Holtenau in ein geschlossenes Schleusentor gefahren ist und dieses stark beschädigt hat, ist die Ursache dafür weiter unklar.

Foto: Axel Heimken/dpa

Frachter rammt an der Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal ein Schleusentor. Warum kein Lotse an Bord war, ist weiter unklar.

Kiel. Nachdem ein Frachter am Sonnabend in Kiel-Holtenau in ein geschlossenes Schleusentor gefahren ist und dieses stark beschädigt hat, ist die Ursache dafür weiter unklar. Offenbar sei kein Lotse an Bord gewesen, obwohl der Frachter für die Passage der Schleuse eigentlich lotsenpflichtig gewesen wäre, sagte eine Sprecherin der Wasserschutzpolizei in Kiel am Sonntag. Womöglich habe es auch Funk- und Kommunikationsprobleme gegeben. Die Ermittlungen laufen noch.

„Wir wissen noch nicht, ob menschliches oder technisches Versagen zu dem Unfall geführt hat“, sagte ein Sprecher der Kieler Polizei am Montag. „Die Mannschaft beruft sich auf technisches Versagen.“ Alkohol sei nach dem bisherigen Ermittlungsstand nicht im Spiel gewesen.

Mit einer Geschwindigkeit von drei bis vier Knoten (5,5 bis 7,4 km/h) hatte sich der 88 Meter lange und 3800 Tonnen schwere Frachter „Else“, der von Litauen auf dem Weg nach Frankreich war, am frühen Samstagmorgen in das nördliche Schleusentor gebohrt. Nach sechs Stunden und mit Hilfe von zwei Schleppern konnte das Leck geschlagene Schiff befreit und in die nahe gelegene Lindenau-Werft gebracht werden. Dort werde der Frachter, der Ammoniumnitrat, ein Bestandteil für Düngemittel, geladen hat, überprüft.

Tor der großen nördlichen Schleuse für Schiffsverkehr gesperrt

Gleichzeitig werde auch der entstandene Schaden an dem seeseitigen Tor der großen nördlichen Schleuse untersucht, sagte Detlef Wittmüß, Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Kiel-Holtenau, am Sonntag. Bis auf Weiteres sei diese für den Schiffsverkehr gesperrt. Der Nord-Ostsee-Kanal sei weiter über die zweite südliche Schleusenkammer zu befahren.

In der kommenden Woche sollen laut Wittmüß Taucher begutachten, ob und wie schwer die sogenannten Luftkammern des Schleusentores unter Wasser beschädigt sind. Fest stehe, dass das Tor ausgebaut und ersetzt werden muss. Eigentlich gebe es jedoch kein Ersatztor mehr. Dieses wurde den Angaben nach vor fast drei Jahren durch ein anderes Schiff so stark beschädigt, dass es aktuell immer noch repariert wird. Nun prüft das WSA, ob ein weiteres Schleusentor, das derzeit ebenfalls noch in Reparatur ist, schon früher wieder genutzt werden kann.