Pandemie

Wie ist die Lage in Sierksdorf, Herr Bürgermeister?

Rund drei  Kilometer lang ist der Sierksdorfer Ostseestrand.

Rund drei Kilometer lang ist der Sierksdorfer Ostseestrand.

Foto: dpa/Marcelo Hernandez/Montage: HA

Die Corona-Krise verlangt den Ferienzielen an Ost- und Nordsee viel ab. Letzter Teil unserer Serie: Udo Gosch.

Sierksdorf.  Ein Todesfall hat Udo Gosch (SPD) ins Bürgermeisteramt gebracht. Im Mai starb Sierksdorfs ehrenamtlicher Bürgermeister Bernhard Markmann, Gosch (67) setzte sich bei der anstehenden Wahl durch. Der ehemalige Mathematik- und Sportlehrer ist seit zwei Jahren in Pension. Er hat eine erwachsene Tochter. Seine Hobbys sind die Familie, die SPD und der HSV. „Und obwohl es mir schwerfällt, die Bundesligatabelle oder die Umfragewerte der SPD in den Medien zu sehen, werde ich auch weiterhin sowohl zur SPD als auch zum HSV stehen“, sagt er.

Wie ist bei Ihnen im Ort aktuell die Lage?

Die Ostseeküste ist zu jeder Zeit einen Urlaub wert – unabhängig von den Jahreszeiten. Aufgrund des Coronavirus und der damit verbundenen Umstände, was andere Reiseziele angeht, ist die Ostseeküste und damit auch das Ostseebad Sierksdorf beliebter denn je. So wundert es nicht, dass die Buchungslage hervorragend ist. Insbesondere in Sierksdorf ist in der Regel ein entspannter Urlaub möglich, da hier keine „Handtuch an Handtuch“-Situation vorherrscht, prinzipiell ein idyllisches Plätzchen am Strand zu finden ist und die allseits gebotene Abstandsregel von 1,50 Meter grundlegend eingehalten werden kann. An den beiden vergangenen Wochenenden war das allerdings nicht so. Da sind wir an der Grenze unseres Fassungsvermögens angekommen. Insbesondere die Parkplatzsituation war prekär. Es war alles zugeparkt. Ansonsten bietet Sierksdorf mit seinem wunderschönen Hinterland auch beste Bedingungen für eine ausgiebige Fahrradtour. Ausgiebig genutzt werden darüber hinaus die Angebote der Surf- und SUP-Board-Schulen, der Hansa-Park und an kühlen Tagen das Panoramic-Schwimmbad.

Haben Sie zu viele oder zu wenige Badegäste?

Das Aufkommen an Badegästen ist abhängig von der Wettersituation. Wie gesagt: Die beiden letzten Wochenenden waren wegen des schönen Wetters und der in vielen Bundesländern noch andauernden Schulferien extrem. Dennoch ist auch an Hochsommertagen am Sierksdorfer Strand in der Regel ein entspannter „Tag am Meer“ möglich.

Warum sollten wir in Ihrem Ort Urlaub machen?

Weil Sierksdorf einfach ein wunderschöner entspannter Ort ist. Hier gibt es tatsächlich noch die malerische Ostsee-Idylle. Einen kilometerlangen Sandstrand, eine romantische Steilküste, ursprüngliche Fischerromantik, kleine Fischkutter und Reetkaten, Pferdeweiden, Blumenwiesen, Gutshöfe und himmlische Ruhe – eine authentische Ostsee-Atmosphäre und der Zauber des Nordens in seiner reinsten Form. Schön ­– wie gemalt. So sah es auch der Expressionist Karl-Schmidt-Rottluff, Mitbegründer Künstlergemeinschaft „Brücke“. Er hat von 1951 bis 1973 seine Sommer in unserem kuscheligen Ostseebad verbracht und in vielen seiner schönsten Werke verewigt.

Was ist das Highlight in dieser Saison?

Das Highlight ist sicherlich die Entspanntheit in Corona-Zeiten. Insbesondere unter dem Steilufer ist ein „chilliger“ Badetag beinahe zu jeder Zeit möglich. Um Abstand zu halten und die Kalorien, die im „Lockdown“ angefuttert wurden, zu verbrennen, sind Sportarten wie ein SUP-Board- oder ein Surfboard-Schnupperkurs zu empfehlen. Ein Spaziergang – mit Abstand – auf der in den letzten Jahren neugestalteten „Pfingstbeek-Promenade“ ist ebenso möglich. Grundsätzlich ein Urlaubs-Highlight sind Rundflüge ab dem kleinen Sierksdorfer Flugplatz „Hof Altona“.

Wie lang ist Ihr Strand?

Der Sierksdorfer Strand ist rund drei Kilometer lang.

Wo baden Sie selbst am liebsten?

In der Ortsmitte unterhalb der Steilküste. Hier gibt es keinen Straßenverkehr selbst Fußgänger verirren sich hierher selten. Es ist ein Ruhepol auch an betriebsamen Tagen im Jahr.

Urlaub in Zeiten des Coronavirus
Urlaub in Zeiten des Coronavirus

Nennen Sie uns die drei am häufigsten zu hörenden Vorurteile über Touristen.

In unserem Ostseebad gibt es kaum Vorurteile über Touristen zu hören, dennoch dazu drei kleine Anmerkungen: Wir würden uns wünschen, dass sich das Parken auf die dafür vorgesehenen Parkplätze beschränkt und Fahrzeuge nicht „wild“ in sämtlichen Anwohnerstraßen abgestellt werden. Des Weiteren wäre es wünschenswert, dass Sierksdorf als Tempo-30-Zone wahrgenommen würde, und sich alle Verkehrsteilnehmer neben der Geschwindigkeitsbeschränkung, an die Rechts-vor-links-Regel hielten – so auch Fahrradfahrer. Darüber hinaus gibt es im Urlaub ebenfalls das Coronavirus. Die Mehrheit der Gäste hält sich an Abstands-, Masken- und Hygieneregeln, dennoch wäre es erstrebenswert, dass sich alle Gäste an die Regelungen halten, ohne mit den im Tourismus Beschäftigten oder Gewerbetreibenden über den Sinn und Unsinn der Maßnahmen zu diskutieren.

Wo muss Ihr Ort besser werden, um mehr Touristen anzulocken?

Für eine bessere Auslastung in der Nebensaison sollte das Hotelangebot erweitert werden. Zudem wäre eine Art Marktplatz mit Lebensmittelgeschäften, kleinen Cafés und Shops vorteilhaft.

Was wäre Ihr Ort ohne Touristen?

Sierksdorf wäre vorrangig eine „Wohnstadt“ für Bürger, die in Lübeck oder Hamburg arbeiten.

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Was wird sich in den kommenden Jahren in Ihrem Ort ändern?

In Planung befindlich ist eine Infrastrukturmaßnahme im strandnahen Bereich der Straße „Am Waldwinkel“, welche ein Hotelprojekt, eine Seniorenresidenz sowie bezahlbaren Wohnraum für junge Familien mit Erstwohnsitz umfasst. Weitere Planungen sind kostenloses WLAN am Strand, die Erschließung von Rundwegen, der Ausbau touristischer Rad-/Wanderwege und die Gestaltung eines seeseitigen Rad-/Wanderweges entlang der Steilküste in Richtung Neustadt. Soeben abgeschlossen wurde die Maßnahme „Wegeverbindung Panoramic zur Pfingstbeek-Promenade“.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat Corona für Ihren Ort?

Die Steuereinnahmen werden massiv sinken. Aus diesem Grund werden bereits für das aktuelle Jahr geplante Infrastrukturmaßnahmen (z. B. die Überarbeitung der Holzplattformen am Strand) verschoben.

Wann sind diese Folgen überwunden?

Wenn man das wüsste. Voraussetzungen für die Normalisierung des Lebens sind sicherlich vorrangig ein Impfstoff gegen das Coronavirus, ein Wiederaufleben der Weltwirtschaft, ein Ende von Kurzarbeit und drohenden Insolvenzen und damit verbunden eine längerfristige finanzielle Planungssicherheit.

Wo machen Sie Urlaub – und wann?

Meine Frau und ich sind Frankophile. Das heißt, wir haben eine Zuneigung für alles Französische. Durch unseren Eintritt in das Renten-/Pensionsalter ist es möglich, zeitlich wesentlich entspannter zu planen. Man ist nicht mehr auf die Ferienzeiten angewiesen.