Flensburg

Arzt steht wegen Millionenbetrugs mit Methadon vor Gericht

Am Landgericht Flensburg wird seit Mittwoch in dem Fall verhandelt (Archivbild).

Am Landgericht Flensburg wird seit Mittwoch in dem Fall verhandelt (Archivbild).

Foto: Frank Molter/dpa/picture-alliance

Ein Husumer Arzt soll die Ersatzdroge knapp 1000-mal ohne Indikation verschrieben haben. Hilfe bekam er von einem Apotheker.

Flensburg. Vor dem Landgericht Flensburg müssen sich seit Mittwoch ein Arzt und ein Apotheker aus Husum wegen unerlaubtem Verschreiben und Handel mit Betäubungsmitteln verantworten. Zu Prozessbeginn wurden die Anklageschriften verlesen, wie ein Gerichtssprecher sagte. Den Männern werden gewerbsmäßiger Betrug und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen. Der Kassenärztlichen Vereinigung soll Schaden in Höhe von mehr als 1,2 Millionen Euro entstanden sein.

Die Praxis des Arztes befand sich in Husum im selben Gebäude direkt über der Apotheke des Mitangeklagten. Angeklagt sind in dem Verfahren mehr als 2500 Fälle zwischen April 2007 und Juni 2011.

Arzt in Husum verschrieb knapp 1000-mal Methadon

Der Mediziner soll seinen Patienten knapp 1000-mal ohne medizinische Gründe die Ersatzdroge Methadon und andere verschreibungspflichtige Medikamente verkauft oder verschrieben haben. Zudem soll er Behandlungen abgerechnet haben, die entweder überhaupt nicht oder nicht in abgerechneter Form stattfanden.

Laut Anklage soll der Apotheker wiederum in knapp 1500 Fällen vom Arzt verschriebene Substitutionsmedikamente wie Methadon abgegeben haben, obwohl er wusste, dass dafür keine medizinische Notwendigkeit bestand. Zudem soll der Arzt in mehr als 50 Fällen Rezepte auf den Namen ahnungsloser Patienten ausgestellt haben, die der Apotheker bei den Krankenkassen abrechnete. Die nur zum Schein verordneten Medikamente soll er tatsächlich nie ausgeliefert haben.

Den Kassen entstand dadurch demnach ein Schaden in Höhe von mehr als 230.000 Euro. Dem Apotheker wird vorgeworfen, dieses Geld als Gegenleistung für Betäubungsmittel behalten zu haben, die er dem Arzt zuvor unentgeltlich geliefert hatte. Für den Prozess sind insgesamt 21 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte im Januar fallen.

( dpa )