Urlaub vor der Haustür

Kostenlos campen – mitten im wilden Schleswig-Holstein

| Lesedauer: 8 Minuten
Isabella Sauer
Redakteurin Isabella Sauer testet den Naturcampingplatz in der Segeberger Heide bei Buchholz.

Redakteurin Isabella Sauer testet den Naturcampingplatz in der Segeberger Heide bei Buchholz.

Foto: Isabella Sauer

Machen Sie Urlaub vor der Haustür! Heute: Das Projekt Wildes Schleswig-Holstein und der Naturcampingplatz in der Segeberger Heide.

Segeberger Heide. Um ein paar erholsame Tage zu erleben, muss man nicht unbedingt viel Geld ausgegeben. Zugegeben, dafür müssen ein paar Abstriche gemacht werden. Beispielsweise beim Komfort der Unterkunft oder der Auswahl von Frühstück oder Abendessen. Und trotzdem: Mit wenig Geld im Gepäck lässt sich ein wunderschöner Urlaub in Schleswig-Holstein machen. Wie das geht? Das Projekt „Wildes Schleswig-Holstein“ macht es möglich und bietet knapp 20 kostenfreie Übernachtungsplätze für Menschen an, die eine Wanderung oder eine Fahrradtour machen.

Bevor mein Freund Michael und ich uns mit unseren Trekkingrädern ins Abenteuer stürzen, müssen wir uns für einen der Übernachtungsplätze in Schleswig-Holstein entscheiden. Die Auswahl für eine Nacht unter dem Sternenhimmel ist riesig. Wie wäre es mit einem Quartier auf einem Privatgelände in Barmstedt, dem Erlebniswald Trappenkamp oder gar ein Platz mitten im Stiftungsland Schäferhaus im Kreis Schleswig-Flensburg? Unser Wahl fällt auf die Segeberger Heide, denn dieser Ort ist nicht all zu weit von unserem Zuhause entfernt (etwa 47 Kilometer). Noch dazu gibt es eine gute Bahn-Anbindung und wir können für 8,37 Euro plus sechs Euro Fahrradgebühr vom Hamburger Hauptbahnhof nach Bad Segeberg fahren. Von dort aus sollen es dann laut Google Maps nur noch 17 Kilometer sein.

Grüne Wiesen und Äcker

Auf der Internetseite www.wildes-sh.de werden die einzelnen Naturcampingplätze beschrieben. So wird uns in der Segeberger Heide im Forstgutbezirk Buchholz eine freie Fläche zum Zelten mitten im Wald versprochen. Und auch eine Dixi-Toilette am Waldspielplatz wird angepriesen. Ebenso soll Grillen erlaubt sein. Wir sind gespannt und packen unsere Fahrradtaschen mit Kleidung, Waschutensilien, Lebensmitteln für Abendessen und Frühstück sowie Schlafsack und Luftmatratze. Das Zelt kommt über die Radtaschen. Ebenso zwei Campingstühle.

Gegen Mittag brechen wir auf, nehmen die Regionalbahn nach Bad Oldesloe (RE 8), steigen dort um und fahren weiter nach Bad Segeberg. Die Fahrzeit: rund 50 Minuten. Dann wird endlich in die Pedalen getreten. Wir fahren vom Bahnhof aus zunächst die B 206 entlang. Noch sind die Straßen voll und der Geräuschpegel hoch. Dann biegen wir ab in Richtung Obi-Markt, folgen den Schildern nach Fahrenkrug. Es geht in die Segeberger Straße hinein, wir kreuzen die Autobahn 21 und sehen immer häufiger grüne Wiesen und Äcker. Während wir die Sonnenstrahlen auf unserer Haut genießen und neugierige Blicke in fremde Gärten werfen, macht sich die Sorge breit, auch wirklich alles eingepackt zu haben. Unser Klassiker: Wir haben die Zahnbürsten vergessen!

Auch Google Maps verliert ab und zu die Orientierung

Als wir nach fünf Kilometern durch Fahrenkrug fahren, fühlt es sich schon ein wenig mehr nach Kurzurlaub an. Raus aus der Großstadt, rauf aufs Land. Wir fahren an einer Milchtankstelle vorbei, an einem Mini-Bahnhof, weiter die Wahlstedter Straße hoch. Uns kommen Traktoren entgegen, aber auch viele Radfahrer. „Hier wird noch gegrüßt“, denke ich erfreut. Umso weiter wir fahren, desto weniger Menschen sind auf den Straßen unterwegs.

Schließlich treffen wir auf einen Kreisverkehr, nehmen die dritte Ausfahrt Richtung Kielerstraße in das ausgeschilderte Industriegebiet. Danach wird es endlich etwas abenteuerlich. Wir verschwinden plötzlich in einem großen Wald, lassen die Sonne hinter uns, spüren den Schatten auf unserer Haut. Wir fahren und fahren, immer der Nase beziehungsweise dem Waldduft nach.

Die grobe Richtung zeigt uns der Kompass an. Und trotzdem: mehrmals müssen wir wieder umkehren, da eine Schranke uns den weiteren Weg versperrt. Und auch Google Maps verliert ab und zu die Orientierung. Letztlich kommen wir mit ein wenig Glück auf die L 79 und erblicken ein Parkplatz-Schild, dem wir folgen. Nach knapp zwei Stunden ist es dann geschafft, wir haben unsere Unterkunft für den Abend gefunden. Vor uns liegt eine wunderschöne in Sonne eingetauchte Lichtung.

Alles ist außerordentlich sauber

Uns fallen sofort die einzelnen Baumstamm-Buchten ins Auge. Drei Holzpfähle umrahmen eine Übernachtungsfläche. Wir suchen uns eine davon im hinteren Bereich der Rasenfläche aus und begrüßen zwei Familien, die gerade grillen. Danach geht es ans Aufbauen des Zeltes und das Herrichten unserer „Küche“. Währendessen steigt mir immer wieder die frische Waldluft in die Nase. Auch genieße ich das laute Vogelzwitschern. Weniger erfreue ich mich dann im ersten Moment an den Ameisen, die die Holzbänke hoch und runter sausen und immer wieder in den kleinen Löchern darin verschwinden. Nach wenigen Minuten verpufft das Unwohlsein und schwenkt in Staunen um.

Als unsere Unterkunft steht, geht die Erkundungstour los. Wir begutachten am Eingang des Naturcampingplatzes eine kleine, runde Stelle, in der gebrauchte Grillasche abgeladen werden kann. Auch fällt uns der Müllcontainer auf, der bis oben hin beladen ist. Immerhin sammelt sich hier der Müll, denn ansonsten ist hier alles außerordentlich sauber.

Urlaub in Zeiten des Coronavirus
Urlaub in Zeiten des Coronavirus

Auf der Übernachtungsfläche tummeln sich nun immer mehr Menschen. So kommen eine Mutter und vier Jugendliche vorbei, suchen sich ebenfalls eine Bucht aus. Sie sind aus Wedel an gereist und erzählen uns, dass sie häufiger bei „Wildes Schleswig-Holstein“ mitmachen. „Uns gefällt das Konzept. Es ist unkompliziert und man taucht so richtig in die Natur ein“, sagt die 45-Jährige.

Radfahrer und Wanderer dürfen eine Nacht bleiben

Eine Nacht dürfen sie bleiben – eine der goldenen Regeln des Projekts, das von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein angeboten wird. Weitere Regeln sind, dass das Übernachtungsangebot nur für Naturfreunde gilt, die mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind. Und: Besteht vor Ort nicht die Möglichkeit einer WC-Nutzung, sind Exkremente zu vergraben. Wie abenteuerlich!

Tipps für die Umgebung:

  • Entspannen: Im Hallenschwimmbad in Wahlstedt (knapp 10 Kilometer mit dem Fahrrad entfernt). Aqua Fun Wahlstedt, Scharnhorststraße 2, 23812 Wahlstedt, Tel. 04554/60 93 55.
  • Entdecken: Wildpark Eekholt, mehr als 700 Tiere auf 67 Hektar Fläche. Wildpark Eekholt, Eekholt 1, 24623 Großenaspe, Tel. 04327/9 92 30. Ehemaliges Marine-Artillerie- Arsenal Wahlstedt, Forstgutbezirk Buchholz, Alter Barker Weg, 23812 Wahlstedt.
  • Erleben: Erlebniswald Trappenkamp, auf einer Fläche von mehr als 100 Hektar werden Waldthemen in verschiedenen Erlebnisräumen dargestellt. Erlebniswald Trappenkamp, Tannenhof, 24635 Daldorf, Tel. 04328/17 04 80.
  • Genießen: Hofcafé Weide, jeden Sonntag selbst gebackene Torten, Kuchen sowie süße und herzhafte Köstlichkeiten aus der Hofbackstube auf der Terrasse oder der Obstwiese genießen. Hofgemeinschaft Weide-Hardebek, Weide 7, 24576 Bimöhlen, Tel. 04327/1 41 90.

Etwas versteckt auf der Lichtung hat sich ein Pärchen ein Zelt aufgebaut und genießt die Zweisamkeit. Gegen 22 Uhr kommt noch ein junger Radfahrer daher, der innerhalb weniger Minuten sein Trekkingzelt aufgebaut hat. Viel Kontakt suchen alle nicht. Hier freut sich jeder über die Ruhe im Wald, das Knistern des Lagerfeuers oder das Zwitschern der Vögel. Und manchmal, manchmal ist auch der Schuss eines Jägers zu hören. Eine Erinnerung dran, dass wir hier im wilden Schleswig-Holstein sind.

Anreise und Kontakt:

  • Anreise: Mit dem Pkw über die A7 Abfahrt Bad Bramstedt. Dann die B 206 über Hasenmoor, Fuhlenrüe bis zum Jugendwaldheim Hartenholm. Von da aus 1,3 Kilometer bis zur Pferdeklinik Bockhorn fahren, dann der L 79 in Richtung Heidmühlen für etwa 1,4 Kilometer folgen. Dort auf den ausgeschilderten Parkplatz fahren. Mit dem Fahrrad ab Bahnhof Bad Segeberg in Richtung Fahrenkrug über Wahlstedt in den Forstgutbezirk Buchholz (rund 17 Kilometer, empfehlenswert GPS-Tracker oder Navigationsgerät).
  • Kosten: Kostenlos, alle Infos auf www.wildes-sh.de
  • Kontakt: Wildes Schleswig-Holstein, Übernachtungsplatz Segeberger Heide, Koordinaten: Längengrad 10.0861, Breitengrad 53.9325.

In der nächsten Folge am 28. Juli berichten wir von einer Übernachtung im Turmzimmer auf dem Gutshof Groß Zecher.