Corona-Krise

Wie ist die Lage in Büsum, Herr Bürgermeister?

| Lesedauer: 7 Minuten
Matthias Popien
Büsums Wasserkante ist 2,7 Kilometer lang, auf dem Grünstrand stehen 1000 Strandkörbe.

Büsums Wasserkante ist 2,7 Kilometer lang, auf dem Grünstrand stehen 1000 Strandkörbe.

Foto: Hernandez/Lütje/Montage: HA

Corona verlangt den Ferienzielen am Meer viel ab. Wie funktioniert derzeit der Urlaub? Teil 5 unserer Serie: Hans-Jürgen Lütje.

Büsum.  Hans-Jürgen Lütje ist seit 2014 Bürgermeister von Büsum – und könnte, da er gerade wiedergewählt wurde, zum Langzeit-Bürgermeister werden. Seine zweite Amtszeit endet im Juli 2026. Der 58-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder.

Seine politische Heimat ist die Freie Wählergemeinschaft Büsum. Lütje ist in Wesselburen auf die Welt gekommen und hat sein ganzes Leben in Büsum verbracht. Zunächst lernte er Industriekaufmann, danach arbeitete er einige Jahre auf der Büsumer Werft.

Von 1987 bis zur Bürgermeisterwahl war er im Betrieb seiner Frau tätig, dem Fischgeschäft Möller. Außerdem arbeitete er als Immobilienmakler und betreute Ferienunterkünfte. Als Bürgermeister sei sein größter Erfolg die wirtschaftliche Gesundung Büsums, sagt Lütje. Seine Hobbys: Familie, Fahrrad fahren, Faulenzen.

Wie ist bei Ihnen im Ort aktuell die Lage?

Als der Lockdown kam, war ich wie viele Menschen in Büsum doch sehr geschockt. Die Hoteliers und sonstigen Gewerbetreibenden mussten sich natürlich erst einmal auf die geänderten gesetzlichen Vorgaben einstellen. Mittlerweile haben sich Gäste und Einheimische nach den Lockerungen mit der Situation und den zu treffenden Maßnahmen arrangiert. Wir sehen bei allen Beteiligten eine große Akzeptanz der neuen Hygienemaßnahmen. Dennoch gibt es natürlich Bereiche, in denen das Abstandhalten insbesondere bei hohem Gästeaufkommen schwer zu realisieren ist, wie zum Beispiel in der Fußgängerzone. Büsum steht auch in der Corona-Krise nicht still, sondern entwickelt sich ständig weiter. Momentan wird zum Beispiel das Meereswasserhallenbad „Piraten Meer“ modernisiert und barrierearm umgebaut. Die geplanten Hotelneubauten werden innerhalb der nächsten Jahre realisiert.

Haben Sie zu viele oder zu wenige Badegäste?

Für den Monat Juni hat Büsum so viele Übernachtungen wie noch nie verzeichnen können, die Auslastung liegt bei über 95 Prozent.

Warum sollten wir in Ihrem Ort Urlaub machen?

Büsum ist ein Ort für alle Generationen und für jeden Geldbeutel. Seitdem wir die Infrastruktur des Ortes und der Wasserkante modern und barrierearm gestaltet haben, hat der Ort noch mehr an Attraktivität gewonnen.

Was ist das Highlight in dieser Saison?

Büsum wird in diesem Jahr wie alle Ferienorte auf Großveranstaltungen verzichten. Für die Gäste und Bewohner unseres Ortes ist es ein ganz anderer Aufenthalt als in den Jahren zuvor. Ich habe das Empfinden, dass viele Menschen sich momentan mehr nach Ruhe sehnen und die Natur, das Watt, die Nordsee und die Sonnenuntergänge genießen. Auch wenn es kein großes Veranstaltungs-Highlight gibt, haben wir doch viele kleinere Highlights auf die Beine gestellt. Seit ein paar Tagen kann endlich wieder das sehr beliebte Kurkonzert mit unserer Kurkapelle stattfinden. Unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln erfreuen die Musiker jeden Tag, wenn das Wetter mitspielt, die Gäste im Freien im Büsumer Kurpark. Büsum lässt sich in kleinen geführten Gruppen beim Hafenbummel oder während einer Fahrradtour gut erkunden. Auch Schiffsausflüge, Fangfahrten und Fahrten nach Helgoland sind wieder möglich und werden gut von unseren Gästen angenommen. Für die kleinen Gäste stehen zum Beispiel Puppentheater und Bastelaktionen auf dem Programm.

Wie lang ist Ihr Strand?

Büsums Wasserkante ist 2,7 Kilometer lang. Hier gibt es einen gepflegten Grünstrand (unser neuer Deich) mit über 1000 Strandkörben. Außerdem besitzen wir eine künstlich angelegte Lagune bestehend aus einem Badebecken, einem Sportbecken für Kitesurfer, Surfer, Stand-up-Paddler, Tretbootfahrer und Kanufahrer. In der Lagune haben wir, obwohl Büsum an der Nordsee liegt, 24 Stunden Wasser. Die Krönung der Familienlagune ist die Watt’n Insel mit Buddelzonen, Gastronomie und vielem mehr.

Was tun Sie, wenn der Strand überfüllt sein sollte?

Unsere Wasserkante ist weitläufig genug, hier ist das Abstandhalten problemlos möglich. Etwas begrenzt ist der Platz in der Büsumer Fußgängerzone. Wir haben darum die Fläche für Sondernutzungen, etwa Kleiderständer, stark begrenzt.

Wo baden Sie selbst am liebsten?

Am liebsten in der Nordsee, wenn die Flut kommt, dann ist das Wasser immer etwas wärmer.

Nennen Sie die drei am häufigsten zu hörenden Vorurteile über Touristen.

Die Kritik an Touristen war, zumindest bei den jungen Einwohnern, zu meiner Jugendzeit viel größer als heute. Das lag daran, dass viele Büsumer ihre eigenen Schlaf- oder Kinderzimmer räumen mussten, damit diese an Gäste vermietet werden konnten. Die drei häufigsten Kritikpunkte: Urlauber können kein Auto fahren, sie fahren ständig mit den Fahrrädern gegen die Einbahnstraße und Wohnungen werden nur für Touristen gebaut.

Wo muss Ihr Ort besser werden, um mehr Touristen anzulocken?

Büsum ist schon jetzt sehr gut aufgestellt. In den letzten acht Jahren haben wir die Anzahl der Übernachtungsgäste ohne eine Erhöhung der Bettenkapazitäten verdoppelt.

Was wäre Ihr Ort ohne Touristen?

Büsum ohne Touristen wäre wie ein Fischbrötchen ohne Fisch. 95 Prozent der wirtschaftlichen Leistungen unseres Ortes generieren wir aus dem Tourismus. Ohne Gäste wäre Büsum definitiv ein toter Ort.

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Was wird sich in den kommenden Jahren in Ihrem Ort ändern?

In Büsum entstehen weitere Hotelkapazitäten. Damit können wir die Saison erheblich verlängern. Büsum ist jetzt schon nachhaltig, aber es wird weiter daran gearbeitet. Den Umweltgedanken wollen wir leben, Arbeitsplätze möglichst ganzjährig mit angemessener Bezahlung schaffen und gute Einkünfte auch für die Unternehmer sichern, damit Geld in Investitionen und Pflege der Betriebe fließt.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat Corona für Ihren Ort?

Das können wir noch nicht abschätzen. Wenn es keinen weiteren Lockdown gibt, wird Büsum mit einem blauen Auge davonkommen. Alles andere wäre eine Katastrophe.

Wann sind diese Folgen überwunden?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Es gibt leider auch in Büsum Branchen, die zu den Corona-Verlierern gehören. Zum Beispiel gastronomische Betriebe, die zu wenig Platz im Innenbereich oder keine Terrasse haben, oder Kinobetriebe sowie verschiedene Betriebe der Eventbranche.

Wo machen Sie Urlaub – und wann?

Im letzten Jahr habe ich die Sommerferien ausschließlich in Schleswig-Holstein, unter anderem in Malente und auf Helgoland verbracht. Im Februar waren wir mit Kindern und Enkelkindern in Hamburg und anschließend im Center Park in Bispingen. Für diesen Sommer ist noch nichts geplant. Wir werden wohl Urlaub im schönsten Bundesland, also Schleswig-Holstein, machen.