Geheimtipp an der Ostsee

Lübecker Bucht: Hinterm Strand geht’s weiter

Herrschaftlich kann man auf dem denkmalgeschützten spätbarocken Landsitz Gut Hasselburg wohnen. Es liegt in der Nähe von Neustadt.

Herrschaftlich kann man auf dem denkmalgeschützten spätbarocken Landsitz Gut Hasselburg wohnen. Es liegt in der Nähe von Neustadt.

Foto: Michael Rauhe

Serie: Die letzten Geheimtipps an Nord- und Ostsee. Was es im Hinterland der Lübecker Bucht alles zu entdecken gibt.

Lübeck.  Gelb ist bei vielen Gärtnern eine Hassfarbe. Wie bitte? Als Gartenlaie wundert man sich, und Anke Cosmus ist das völlig egal. Die Staudengärtnerin und Biologin liebt Pflanzen und hält sich nicht an Konventionen. „Da, schauen Sie, die Nachtkerze, sie wird überwiegend durch Nachtfalter bestäubt“, sagt sie. Die gelbe Blume darf hier in der Alten Gutsgärtnerei Sierhagen an der nordöstlichen Außenmauer gern weiterwachsen. Anke Cosmus hat die denkmalgeschützte Gärtnerei, deren Anfänge weit vor 1900 liegen, sowie den wunderschönen Garten seit 20 Jahren gepachtet. Ein Ausflug in ihr verwunschenes grünes Reich fern der vollen Strände der Lübecker Bucht in Scharbeutz, Haffkrug oder Sierksdorf lohnt sich.

Wir stellen Orte abseits der Ostsee vor. Denn: Hinterm Strand geht’s weiter. „Das Binnenland der Lübecker Bucht ist eine wunderbar erholsame Abwechslung zum lebendigen Strandleben. Hier kommt man zur Ruhe, erlebt unberührte Natur, entdeckt Sehenswertes und Kultur. Wer kann, sollte sich die Zeit für eine der ausgewiesenen Wander- oder Radtouren nehmen“, sagt Doris Wilmer-Hupertz von der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht.

Ein Garten aus zehn Zimmern: Immer eine neue Pflanzenwelt

Strohhut, praktisches Schuhwerk zum Reinschlüpfen und eine Blümchenbluse: Anke Cosmus sieht so aus, wie eine Gärtnerin auszusehen hat. Die 59-Jährige liebt und lebt ihren Beruf. Morgens, wenn sie ihren Dienst beginnt, dreht sie erst einmal eine Runde durch den 1,5 Hektar großen Garten mit Blick in die weite Landschaft der Holsteinischen Schweiz. Beim gegenwärtigen Wetter kann man ohnehin kaum am Strand hocken und in der Sonne braten.

Das grüne Paradies strahlt so viel mehr Ruhe und Gelassenheit aus. „Viele Touristen, die hier schon lange herkommen, fahren zu Beginn ihres Urlaubes zu mir und dann noch mal kurz vor der Abreise“, sagt Cosmus. Sie schätzen die Abgeschiedenheit dieses Ortes, umgeben von Feldern und Alleen. Die Gartenbesucher beladen ihre Autos dann mit den Stauden aus der Gutsgärtnerei und bringen ein Stück Ostholstein zurück nach Berlin, Hamburg oder wo immer sie herkommen.

Letzte noch fast vollständig erhaltene Gutsgärtnerei in Norddeutschland

Anke Cosmus hat den Garten in zehn Zimmer aufgeteilt. Diese heißen dann zum Beispiel Skulpturenzimmer mit Werken der Hamburger Galerie ZimArt­, dann ist der der Bauerngarten mit Blumen, Obst und Gemüse oder das Zimmer mit der Apothekerschlange und den verschiedenen Kräutern sowie das Rosenzimmer. Und hinter jeder Hecke öffnet sich ein neuer Raum, eine neue Pflanzenwelt. Vier Mitarbeiter helfen ihr bei der täglichen Arbeit, die doch nie ganz erledigt ist. „Man schafft nie alles als Gärtner.“ Hier müssten die braunen Blütenblätter der Rosen abgesammelt, dort die Wiese mit den verwelkten Margeriten gemäht werden. „Manche Besucher ärgern sich darüber, dass hier nicht alles so gestylt ist“, sagt sie. Ignorieren kann sie solche Kritik nicht. „Aber es hilft, die Sichtweise zu ändern“, sagt sie und lacht. Gelbe Blumen etwa, die seien doch schön. Und dort, wo Maulwurf­hügel sind, werde die Erde wunderbar für die neue Saat gelockert. Darüber müsse man sich doch nicht ärgern.

Die Alte Gutsgärtnerei ist die letzte noch fast vollständig erhaltene Gutsgärtnerei in Norddeutschland – die Gebäude und das Wegesystem sind bestehen geblieben. Sie belieferte das nahe gelegene Gut Sierhagen mit Obst und Gemüse sowie mit Blumenschmuck für festliche Anlässe. Wer nach dem Rundgang eine Stärkung braucht, kann zum Tortenstopp in das Palmenhaus Café einkehren. Das 1900 erbaute Palmenhaus, früher Orangenhaus genannt, schützte im Winterhalbjahr exotische, nicht winterharte Kübelpflanzen, die im Park der Grafen Plessen aufgestellt wurden.

Kaiserin Auguste Viktoria schenkte Gräfin Plessen das Haus zur Geburt ihres Sohnes Viktor. Die hohen Fenster mit grünen Glasfacetten schaffen außergewöhnliche Lichteffekte und eine ganz besondere Atmosphäre. Das Palmenhaus Café wurde vom Fachmagazin „Der Feinschmecker“ als eines der 525 besten Cafés in Deutschland ausgezeichnet. Mehr Informationen über die Alte Gutsgärtnerei gibt es unter www.gutsgaertnerei-sierhagen.de. Das Café im Palmenhaus ist zwischen März und November montags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet (www.palmenhauscafe.de).

Mitmach-Ausstellung für die ganze Familie

Gleich um die Ecke der Alten Gutsgärtnerei in der historischen Scheune auf Gut Sierhagen ist mit „field & fun“ auf mehr als 400 Quadratmetern eine Mitmach-Ausstellung für die ganze Familie entstanden – mit Spielscheune, Miniaturweltausstellung oder ferngesteuerten landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Geräten. Weitere Infos unter www.fieldandfun.de. Die Anlage ist zwischen April und Ende Oktober mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet (Eintritt: 5 Euro).

Wer auf einem denkmalgeschützten spätbarocken Landsitz übernachten will, ist auf Gut Hasselburg am richtigen Ort. Die Gebäude wurden in den vergangenen neun Jahren saniert. 16 Ferienwohnungen (2–8 Personen) und elf Gästezimmer stehen nun im herrschaftlichen, 1763 erbauten Torhaus und im ehemaligen Kuhhaus der Anlage bereit. Herrschaftlich sind allerdings auch die Übernachtungspreise: Eine Wohnung für zwei Personen kostet die erste Nacht ab 210 Euro, weitere Nächte 130 Euro. Günstiger sind die Gästezimmer, das Doppelzimmer kostet 100 Euro. Infos: www.hasselburg.de

Mehr Ausflugstipps, Wander- und Radtouren sowie Freizeit- und Kulturangebote hat die Tourismus-Agentur Lübecker Bucht unter www.luebecker-bucht-partner.de zusammengestellt.

Weitere Ausflugstipps in der Lübecker Bucht und im Raum Grömitz:

  • Hofgemeinschaft Klostersee: Schon die Fahrt durch die Felder zum Hof Klostersee bei Grömitz führt in eine andere, abgeschiedene Welt ohne Trubel. Seit 1987 wird der Hof biodynamisch bewirtschaftet. Die Menschen, die hier leben und arbeiten, betreiben als Verein eine Bäckerei, eine Käserei und Landwirtschaft. Die 130 Rinder und 40 Schweine werden artgemäß mit eigenem Futter versorgt. Im Mittelpunkt der Hofgemeinschaft steht der Hofladen im ehemaligen Pferdestall. Gerlinde und Alberto Ariberti betreiben das Geschäft von Beginn an.
  • Infos: Hofgemeinschaft Klostersee, Klostersee 1, Grömitz. Mo–Sa, 9–18 Uhr, sonn- und feiertags geschlossen­, Infos unter www.klostersee.org.
  • Das Dörfchen Grube Siggeneben­ mit seinen weißen Reetdachhäusern und rosa Stockrosen ist eine wunderschöne Abwechslung zum Strandleben: ein Traum mitten in der Natur.
  • Für Kunstliebhaber empfehlenswert ist das Kloster Cismar mit den dort arbeitenden Künstlern. Von Schriftkunst über Holzskulpturen bis hin zu Malerei ist für Kunstliebhaber etwas dabei. Alle Künstler und Infos unter www.groemitz.de/kloster-cismar.
  • Ein echter Geheimtipp sind LandKunstStücke – das sind Kunstwerke im landwirtschaftlichen Raum, die dazu bewegen, über die Verbindung von Mensch und Landwirtschaft nachzudenken – auf nette, künstlerische Art. Am besten lassen sich die Kunstwerke auf unserer Radroute erfahren. Die Werke und ihre Standorte im Internet­ unter www.landkunststueck.de
  • Ein Abstecher zum Mühlenteich Lensahn lohnt sich – hier kann man mit dem Rad herumfahren oder herumspazieren. Natur pur, Ruhe und Idylle. Nach dem Spaziergang lohnt sich ein Ausflug zum Hofcafé Lunaus in Kabelhorst mit Eis sowie hausgemachten Kuchen und Torten. Infos: www.lunaus.de
  • Übernachtungstipp: Kolauerhof. Ferien auf dem Bauernhof mit Komfort. Unter www.kolauerhof.de und auf dem Hof Grimm. Dort kann man idyllisch und ruhig übernachten. Infos unter www.apfelhof-groemitz.de. Preise: ab 130 Euro die Nacht.

Lesen Sie am Sonnabend: Groß Schwansee

„Nord? Ost? See!“ Das neue Abendblatt-Magazin zum Urlaub an Nord- und Ostsee gibt es in der Geschäftsstelle, unter www.abendblatt.de/magazine sowie unter Telefon 040/ 333 66 999. Preis: 9 Euro, Treuepreis: 7 Euro (zzgl. Versandkosten)