Plastikmüll im Meer

Forscher finden Quarkbecher gut erhalten im Pazifik

Handout: An Bord des Geomar-Forschungsschiffes stellt sich heraus, dass auf einer Quarkpackung, die in der Tiefsee gefunden worden war, die Beschriftung noch gut zu erkennen ist.

Handout: An Bord des Geomar-Forschungsschiffes stellt sich heraus, dass auf einer Quarkpackung, die in der Tiefsee gefunden worden war, die Beschriftung noch gut zu erkennen ist.

Foto: Matthias Haeckel / dpa

Geomar-Wissenschaftler aus Kiel belegen: Plastikmüll ist nach gut 20 Jahren noch wie neu. Sehr spezielle Cola-Dose gefunden.

Kiel/Hamburg. Es ist beinahe unglaublich: Eine Verpackung mit handelsüblichem deutschen Speisequark hat sich über viele Jahre im Wasser des Ost-Pazifik gehalten, ohne sich groß aufzulösen. Kieler Wissenschaftler des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung haben jetzt Ergebnisse einer Forschungsreise aus dem Jahr 2015 veröffentlicht und verblüffende Erkenntnisse der Fachwelt mitgeteilt, wie sie auf ihrer Webseite schreiben.

Die Wissenschaftler haben in der Tiefsee die rund 20 Jahre alte Quarkpackung und eine ähnlich alte Mülltüte gefunden. Sie waren trotz der Jahrzehnte im Wasser noch wie neu. Es habe sich gezeigt, „dass weder die Tüte noch die Quarkpackung Zeichen von Fragmentierung oder sogar Abbau in ihre Bestandteile aufwiesen“, sagte der Biochemiker Stefan Krause vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.

Plastikmüll auf dem Tiefseeboden

Der Fund, über den ein Team um Krause im Fachjournal „Scientific Reports“ berichtet, biete erstmals einen fundierten Anhaltspunkt über das Schicksal von Plastik auf dem Tiefseeboden.

Bislang gibt es zum Abbau von Plastikmüll auf dem Meeresgrund in mehr als 4000 Metern Tiefe kaum Langzeitdaten, weil gefundene Kunststoffe selten konkret datiert werden können. Im Fall des Quarkbechers und der Mülltüte kam den Forschern der Zufall zu Hilfe, der Rest war Detektivarbeit: In der Mülltüte steckte eine Coca-Cola-Dose - eine Sonderedition zum Davis-Cup 1988.

Und die Quarkpackung eines deutschen Herstellers zeigte eine fünfstellige Postleitzahl, die es erst seit 1990 gibt. Zudem war der Hersteller 1999 aufgekauft worden, womit der Markenname verschwand.

Haben deutsche Forscher den Müll hinterlassen?

Den Müll hatten wahrscheinlich deutsche Forscher zwischen 1989 und 1996 hinterlassen, als sie in dem Gebiet etwa 800 Kilometer vor der Küste Perus zu den Auswirkungen eines potenziellen Abbaus von Manganknollen forschten. Bei einem erneuten Besuch des Areals 2015 fanden die Wissenschaftler den Plastikmüll. Ein Tiefseeroboter fischte die Teile im Ostpazifik schließlich aus dem Meer.

Bei der Analyse der Kunststoffe fiel den Wissenschaftlern auch auf, dass auf den Verpackungen eine andere Mikrobengemeinschaft siedelte als am Meeresboden der Umgebung. „Die Mikroben kommen alle im Tiefseeboden vor. Aber offenbar könnten größere Ansammlungen von Kunststoff lokal für eine Verschiebung im Verhältnis der vorherrschenden Arten sorgen“, sagt Krause. Damit könne Plastikmüll auf dem Meeresboden künstliche Lebensräume schaffen und so die Funktionsfähigkeit des Ökosystems gefährden.