Urlaubsserie

Kieler Förde: Die Hauptstadt der schönen Strände

Der Falckensteiner Strand liegt an der engsten Stelle der Kieler Förde. Im Hintergrund ziehen die großen Schiffe vorbei.

Der Falckensteiner Strand liegt an der engsten Stelle der Kieler Förde. Im Hintergrund ziehen die großen Schiffe vorbei.

Foto: imago images / penofoto

Die schönsten Urlaubsorte an Nord- und Ostsee – Serie, Teil 13. Auf diese Region kommt man nicht sofort, doch gerade deshalb hat sie ihren Reiz.

Kiel hat mehr zu bieten als eine hässliche Innenstadt. Ihre Lage rund um die Förde beschert der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt eine Fülle an Stränden, Promenaden und Steilküsten. Das Tolle: Je nach Wind und Sonnenstand kann man sich zwischen Ost- und Westufer entscheiden.

Während die vorherrschend westlichen Winde in Laboe (Ostufer) die Strandmuscheln fliegen und Kiter jubeln lassen, wehen sie in Falckenstein und Strande (Westufer) schräg ablandig und sind deswegen oft kaum zu spüren. Am Abend scheint die Sonne am Ostufer wesentlich länger, dafür ist der Sonnenaufgang über dem Meer nur von der westlichen Seite aus zu beobachten.

Kieler Förde mit der Förderfährlinie erkunden

Kurzum: In Kiel sollte man öfter mal das Ufer wechseln. Dafür gibt es die Fördefährlinie F1. Von März bis Oktober schlängelt sie sich im Zickzackkurs die 17 Kilometer lange Förde hoch und verbindet eine tolle Schifffahrt mit herrlichen Badeorten. Für 9,60 Euro (Kind 4,40 Euro) können Besucher den ganzen Tag lang überall aus- und wieder zusteigen.

Für 3,60 Euro kann außerdem das Fahrrad mit. Da die Fähre direkt am Kieler Hauptbahnhof startet und endet, gelingt der Strandbesuch aus Hamburg somit auch ganz ohne Auto. Noch in Kieler Stadtgrenzen lohnt ein Zwischenhalt an der Station Bellevue.

20er-Jahre Stelzenrestaurant mit Badeanstalt

300 Meter weiter ragt die Seebar in die Förde, ein Stelzenrestaurant mit angeschlossener Badeanstalt im Stil der 20er-Jahre. Schwimmen, Sonnen, Schiffegucken und Stand-up-Paddeln sind hier allerdings ein windanfälliges Vergnügen, aber an sonnigen Flautentagen einfach großartig.

Über die nächste Station Mönkeberg gelangt man zum vielleicht romantischsten Restauranttisch an der Kieler Förde. Er steht im angrenzenden Kitzeberg im Restaurant Kiek ut direkt an einem kleinen Badestrand. An der Stirnseite einer Rotunde geben große Fenster den Blick aufs Wasser frei, und die Küche ist hervorragend.

Von Mönkeberg 25 Fährminuten entfernt liegt Falckenstein. Wie sein Hamburger Namensvetter, das Falkensteiner Ufer, hat auch Kiels Falckenstein einen Leuchtturm. Und ähnlich wie auf der Elbe ziehen viele große Schiffe scheinbar zum Greifen nah vorbei. Und doch ist das Badevergnügen in Kiel ungleich größer. Es ist eben ein Unterschied, ob man im braunen Flusswasser treibt oder im Meerwasser der Förde bis auf den Grund schauen kann.

Drei Tipps für die Kieler Förde:

  • Der Südbalkon von Kiel: Wenn in Kiel die Sonne scheint, dann am Tiessenkai. Der 300 Meter breite Anleger für historische Segelschiffe ist nach Süden ausgerichtet. Davor liegt der Eingang in den Nordostseekanal. Die meistbefahrene künstliche Seewasserstraße der Welt ist zum Schiffegucken ideal – am besten mit Fisch­brötchen oder Kuchen aus dem urigen Schiffercafé. (Infos unter www.schiffercafe-kiel.de)
  • Schwentinetalfahrt: Die Schwentine gilt unter Paddlern als einer der schönsten Flüsse Norddeutschlands. Ihre Ufer sind dicht bewachsen, ihr Lauf führt durch Wälder und Felder. Wildschweine, Lurche, Schlangen und sogar Schildkröten fühlen sich hier heimisch. Ganz nah kommen Sie ihnen bei der Schwentinetalfahrt mit einem Ausflugsschiff, aber besser noch in einem gemieteten Kanu oder einem Ruderboot. Los geht es an der Holsatiamühle (Infos unter www.schwentinetalfahrt.de)
  • Prinz Willy: Das kleine Eck-Café am Südfriedhof ist unter Singer-Songwritern bestens bekannt. Andreas Kümmert trat vor vier Gästen auf, bevor er 2013 bei „The Voice of Germany“ gewann. Auch Gysbert zu Knyphausen war schon da. Im Sommer treten die Künstler normalerweise am Strand von Stein auf. An der Surfschule Tatort Hawaii gibt es ein Mini-Open-Air-Festival. Der Eintritt ist frei, für die Künstler geht ein Hut rum. Ob all das – oder zumindest etwas davon – in diesem Jahr auch stattfindet? Am besten immer wieder einmal auf der Webseite nachschauen. (Infos unter: www.prinzwilly.de)

Falckensteiner Ufer: Ein Kilometer Sandstrand

Vom Fähranleger Falckenstein erstreckt sich der breite Sandstrand zu beiden Seiten auf einer Länge von etwa 500 Metern. Imbissbuden, ein Spielplatz und besonders der seicht abfallende Meeresboden machen den Strand sehr familienfreundlich.

Auch Parkplätze gibt es im angrenzenden Wald reichlich. An heißen Sommerwochenenden kann es daher sehr voll werden. Die Förde aufwärts wird der Strand an einer kleinen Steilküste schmaler und leerer. Dies ist auch eins der schönsten Stand-up-Paddel­reviere. Leihboards gibt es an der familiären Surf- und Segelschule Westwind für 10 Euro pro Stunde (www.westwind-kiel.de).

Sehr beliebt: Der Badestrand von Laboe

Nur einen Sprung über die Förde entfernt liegt der nächste Fährstopp Laboe. Auch dieser Badeort hat bei Weitem nicht den Schick von Timmendorf oder Scharbeutz, erfreut sich aber ähnlich großer Beliebtheit.

Vor dem breiten Strand liegt ein knie- bis hüfttiefes Flachwasserrevier, das etwa 400 Meter in die Förde reicht. Das nervt zwar beim Schwimmen, ist aber für Kinder zum Planschen genial. Kein Wunder also, dass im Sommer Familien aus ganz Deutschland Laboe in eine No-go-Area für Ruhebedürftige verwandeln.

Webcam hilft Kitern und Windsurfern

Vor dem Losfahren lohnt auf jeden Fall ein Blick durch die Webcam auf dem Marine-Ehrenmal (einfach mal danach googeln). Der Füllstand des Strandes lässt sich daran ebenso gut abschätzen wie der Wind. Das ist wichtig für die vielen Kiter und Windsurfer, die in Laboe sehr gute Flachwasserbedingungen finden.

Zum Surfenlernen ist es hier ähnlich perfekt wie am Wulfener Hals auf Fehmarn und in Pelzerhaken. Vom Marine-Ehrenmal weiter nach Osten leert sich der Strand Richtung Steilküste beträchtlich. Dort liegt auch der Campingplatz Neustein mit seinem fantastischen Meerblick und einigen wenigen Stellplätzen für Urlauber.

Geheimtipp in der Kieler Förde: Strände von Stein bis Schönberg

Äußerster Stopp der Fördefährlinie ist Strande am westlichen Eingang der Förde. Die Heimat von FDP-Politiker Wolfgang Kubicki ist zwar definitiv einen Besuch wert, aber aus Hamburger Sicht interessanter sind die Strände am östlichen Fördeeingang.

Während die Hamburger Blechlawine an heißen Sommerwochenenden vor allem in die Lübecker Bucht rollt, ist es an den Stränden von Stein bis Schönberg vergleichsweise leer, obwohl sie über die A 7 ähnlich schnell zu erreichen sind. Auch diesen Orten fehlt es ein wenig an Flair, aber wer Sand und Wasser will, kommt ja auch ohne Gosch und Café Wichtig aus. Besonders puristisch sonnt es sich in Heidkate.

Puristischer Strandausflug nach Heidkate

Manchmal sind eine Imbissbude und ein Toilettencontainer eben alles, was man braucht. Auf dem großen Parkplatz hinterm Deich steht das Auto für ein paar Euro am Tag nie weiter als 300 Meter vom Wasser entfernt. Am Sandstrand ragen im Abstand von 100 Metern große Steinbuhnen ins Meer. Sie beruhigen das Wasser dazwischen und vermitteln nicht so geübten Schwimmern ein sicheres Gefühl. Außerdem gibt es einen kleinen Hundestrand.

Der Clou: Für 10 Euro pro Auto oder Campingbus dürfen Besucher auf dem Parkplatz in Heidkate auch über Nacht stehen. Aber bitte alles gesittet und entspannt. Wer laut die Musik aufreißt und Müll verteilt, wird mit den überwiegend einheimischen Strand­besuchern wenig bis gar keine Freude haben. Ähnliches gilt für eine besonders schöne Konzertreihe im benachbarten Stein.

Singer-Songwriter spielen am Strand

Der Kieler Szene-Club Prinz Willy holt an fünf Sommerabenden Singer-Songwriter ganz nah an den Strand auf die Bühne der Surfschule Tatort Hawaii. Das Publikum sitzt auf der großen Wiese davor. Nicht alle hören konzen­triert zu. Viele picknicken, Kinder spielen, einige baden. Das Minifestival ist kostenlos und finanziert sich über Getränkeverkauf und einen Hut, der für die Künstler rumgeht. (www.tatort-hawaii.de/konzerte).

So kommen Sie an die Kieler Förde:

  • Mit dem Auto geht es am besten über die (endlich) fertig ausgebaute A 7. Hinter Neumünster geht es noch ein kurzes Stück auf die A 215. Bis Kiel sind es nur knapp 90 Kilometer. Die Fahrtzeit beträgt aktuell knapp 45 Minuten.
  • Mit der Bahn dauert es vom Hamburger Hauptbahnhof ebenfalls nur eine Stunde. Die Regionalbahn fährt teilweise zweimal pro Stunde.
  • Infos zum Urlaub: kiel-marketing.de, Tel: 0431/6791 00 oder Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein: www.ostsee-schleswig-holstein.de, Tel: 0431/600 58-3

Natürlich gehört Stein so wenig zu Kiel wie Heidkate, Strande oder Laboe. Aber es wäre töricht, die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt nicht über ihre Grenzen hinaus zu denken. Wer in Kiel wohnt, tut dies auch wegen dieser Strände.

Ich zumindest bin deswegen vor zwei Jahren nach Kiel gezogen und pendele seitdem vier Tage die Woche nach Hamburg zur Arbeit. So sehr ich Hamburg für all die aufregenden Themen schätze, die einen dort erwarten, so sehr liebe ich die Ruhe, die es eben nur am Meer gibt. Und da ist Kiel tatsächlich ganz weit vorn.

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