St. Peter-Ording

So ist ein Hotelaufenthalt unter Corona-Bedingungen

| Lesedauer: 9 Minuten
Auf dem Weg zum weitläufigen Strand in St. Peter-Ording müssen, wie üblich in der Corona-Krise, auch die Abstandsregeln beachtet werden. Auf der Badbrücke markieren Pfeile die Gehrichtung. Momentan herrscht Linksverkehr.

Auf dem Weg zum weitläufigen Strand in St. Peter-Ording müssen, wie üblich in der Corona-Krise, auch die Abstandsregeln beachtet werden. Auf der Badbrücke markieren Pfeile die Gehrichtung. Momentan herrscht Linksverkehr.

Foto: Michael Rauhe

Endlich! Touristen dürfen wieder an die Nordsee reisen. Was eine Abendblatt-Reporterin bei einem Besuch in St. Peter-Ording erlebte.

Hamburg. Endlich zurück in ein bisschen Normalität, Gäste empfangen und arbeiten. Wochenlang mussten die Hotels an der schleswig-holsteinischen Küste coronabedingt schließen. Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt, Gäste mussten ihre Reisen stornieren. Seit gestern dürfen die Hotels in Schleswig-Holstein wieder öffnen. Das Abendblatt war im StrandGut Resort in St. Peter-Ording. Wie ist ein Hotelaufenthalt unter Corona-Bedingungen?

Schon die Fahrt Richtung Norden, ob nach St. Peter-Ording oder über die B 199 und B 5 Richtung Dagebüll und Niebüll, zeigt: Der Tourismus kommt ins Rollen, als ob es die Leute kaum abwarten konnten, an die Küste zu fahren. Bereits am frühen Montagmorgen waren viele Autos mit auswärtigen Kennzeichen unterwegs. Auch an der Autoverladestation nach Sylt in Niebüll und an den Fähranlegern nach Amrum und Föhr war viel los. Der Verkehr staute sich in Niebüll, die Wartezeit betrug rund zwei Stunden.

Blaue Pfeile auf dem Boden markieren die Gehrichtung

Bereits am frühen Morgen seien außergewöhnlich viele Menschen auf dem Weg nach Sylt gewesen, so eine Bahnsprecherin. Die Zahl der Züge sei auf 18 erhöht worden. Zum Wochenanfang sind die umfassendsten Lockerungen seit Beginn der Corona-Krise in Schleswig-Holstein in Kraft getreten. So fiel die Einreisesperre für Touristen auf dem Festland und den Inseln weg. Hotels und Ferienwohnungen dürfen wieder öffnen. Kapazitätslimits wie in anderen Ländern gibt es nicht. Die Kontaktbeschränkungen gelten aber weiterhin.

Ankunft in St. Peter-Ording. Erst einmal ist da die Freude, am Meer zu sein, Seeluft zu inhalieren, die Weite zu genießen. Das Regenwetter? Egal. Die gute Luft zählt. Und so sind auch Regina und Herbert Kalke aus der Nähe von Aumühle am Montagmorgen Richtung Norden gefahren. „Wir haben die Gunst der Stunde genutzt und wollten einfach raus“, sagt Frau Kalke. Sie schlendert mit ihrem Mann über die Badbrücke, auf der momentan Linksverkehr herrscht – um sich aus dem Weg gehen zu können. Blaue Pfeile auf dem Boden markieren die Gehrichtung. Vergisst jemand diese Regel, reicht ein Lächeln.

Trotz der Corona-Regeln steht der Urlaub im Mittelpunkt

Die Leute sind entspannt, nehmen es locker. Bei Gosch ist jede Menge los, aber auch dort mit dem nötigen Abstand. „Wir haben das Meer vermisst, die Luft und das Licht“, sagt Frau Kalke. Zuvor hatte das Paar im StrandGut Resort eingecheckt. Sie sind beeindruckt davon, wie strukturiert alles abläuft. „Es wurde an viele Kleinigkeiten gedacht.“ Damit alles den Auflagen entsprechend abläuft, hatte sich das Team um Hotelchef Karsten Werner viele Gedanken gemacht – denn trotz der Anforderungen steht immer noch der Urlaub im Mittelpunkt. Masken, Desinfektionsmittel, Abstandsschilder und kreisförmige Aufkleber am Boden, um auf den nötigen Sicherheitsabstand von 1,50 Meter hinzuweisen, könnten abschreckend wirken und ständig an die möglichen Gefahren einer Corona-Infektion hinweisen.

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Ja, sie erinnern daran, dass im Moment nicht alles so ist wie gewohnt und Vorsicht geboten ist, aber die Hinweise sind freundlich gestaltet und beschreiben kein Horrorszenario. Das neue gesellschaftliche Miteinander in Corona-Zeiten ist längst eingeübt, wie immer mit einigen Ausnahmen, berichtet Constanze Höfinghoff, Tourismusdirektorin in St. Peter-Ording, die großen Respekt vor dem Ansturm der Touristen hat. Der Verkehr im Ort war beträchtlich. „Es war ungewohnt nach einer so langen Ruhepause so viele Autos zu sehen, dabei war es ein ganz normaler Anreisetag“, so Höfinghoff. „Wir sind einfach alle megasensibel.“ Im Großen und Ganzen seien die Gäste vernünftig. Einen besonderen Andrang gab es auf den Campingplätzen. „Da standen die Telefone nicht still.“

Mund- und Nasenschutz ist im Hotel nicht verpflichtend

Aber warum sollte das, was zu Hause klappt, nicht auch im Urlaub selbstverständlich sein? Hotelchef Karsten Werner gibt sich entspannt: „Es ist ein Spagat zwischen Urlaub und Sicherheit, den wir machen müssen, aber wir möchten unseren Gästen immer auch ein Gefühl von Entspannung geben.“

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Ein schwieriger Spagat, der zumindest an diesem ersten Anreisetag, an dem es für alle Beteiligten eine Premiere ist, zu gelingen scheint. Die Tage vorher hatten die Hotelmitarbeiter Abläufe geübt, in Rollenspielen alle möglichen Situationen durchgespielt. Jetzt ist der große Tag, an dem es ernst wird. Im Laufe des Vormittages füllt sich das Hotel zusehends, Gäste stehen in der Lobby und warten darauf, einchecken zu können. Es ist ein bisschen mehr Papierkram zu erledigen als gewohnt, weil jeder Gast Angaben zum Gesundheitsstand machen muss, ob eine Infektion vorliegt. Diszipliniert und geduldig wartet jeder mit dem nötigen Abstand. Die meisten Gäste tragen einen Mund- und Nasenschutz.

Hotels haben verschiedene Konzepte

Verpflichtend ist das nicht. „Die Gäste können das selbst entscheiden. Nur wenn der Sicherheitsabstand, etwa auf den Hotelfluren, nicht eingehalten werden kann, gilt die Maskenpflicht“, sagt Kerstin Brandt, stellvertretende Hotelchefin. Das Personal trägt aber im Restaurant Masken. Und hier wie auch sonst im Einzelhandel arbeiten die Mitarbeiter in der Rezeption oder an der Bar hinter Plexiglas-Scheiben, die als Spuckschutz dienen. Und weil die Macher des StrandGut dem skandinavisch-nordischen Stil des Hotels treu bleiben und das Ambiente nicht verschandeln möchten, kommen die hochwertigen Plexiglasscheiben mit schickem Eichenholz daher. Ansonsten sorgen Schilder und Piktogramme dafür, dass jeder Gast über die Verhaltensregeln Bescheid weiß. Überall stehen Spender mit Desinfektionsmitteln. Regelmäßiges Desinfizieren aller öffentlichen Bereiche im Hotel ist ein Muss, und der Fahrstuhl darf nur von zwei Menschen oder einer Familie benutzt werden.

70 der 98 Zimmer sind Richtung Wochenende gebucht. „Wir gehen davon aus, dass es am Wochenende dann gut voll sein wird“, so Werner. Er ist sich der Herausforderung bewusst, und so setzt zum Beispiel das Restaurant Deichkind in diesen Zeiten ein anderes Konzept um. „Wir haben ein Check-In, eine Platzierung der Gäste und einen getrennten Ein- und Ausgang. Unser Frühstück wird à la carte zubereitet, hinter Glasscheiben, sichtbar für die Gäste.“ Natürlich sind die Abstände bei der Tischbelegung zu beachten, und es dürfen nur 70 Menschen ins Restaurant statt der üblichen 150. Ein Beisammensein bis in den späten Abend wird es nicht geben: Um 22 Uhr ist Sperrstunde.

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Trotz der Maßnahmen geht es im Hotel und im Ort entspannt zu. Das Urlaubsfeeling tritt sofort ein, ohne dass die Pandemie vergessen wird. Karsten Werner: „Wir sind froh, dass es wieder losgeht und sind natürlich darauf angewiesen, dass unsere Gäste alles mitmachen.“ Die verlorenen zwei Monate Schließungszeit werde er nicht aufholen können, aber der Sommer kommt ja noch. „Die vergangenen zehn Tage sind wir mit drei Mitarbeitern in der Rezeption, weil so viele Anfragen und Buchungen eingehen.“

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