Zweiter Weltkrieg

Helgoland gedenkt der Bombardierung vor 75 Jahren

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Die Hochseeinsel Helgoland aus einem Flugzeug heraus fotografiert.

Die Hochseeinsel Helgoland aus einem Flugzeug heraus fotografiert.

Foto: Marcus Brandt/dpa

1000 britische Flugzeuge warfen innerhalb von 104 Minuten etwa 7000 Bomben ab. Warum die Insulaner das nie vergessen werden.

Helgoland. Der 18. April 1945 ist ein Datum, das den Helgoländern für immer in Erinnerung bleiben wird. An diesem Tag verübte die britische Luftwaffe ein verheerendes Bombardement, bei dem 1000 britische Flugzeuge innerhalb von 104 Minuten etwa 7000 Bomben abwarfen und die Insel unbewohnbar machten. Unter Hitler war der rote Felsen zur Festung ausgebaut worden und den Allierten als Schutzhafen und Stützpunkt für deutsche Kriegsschiffe ein Dorn im Auge. Die Bewohner hatten in den Luftschutzbunkern Zuflucht gesucht und wurden am nächsten Tag evakuiert.

Fünfzehn Helgoländer hatten zuvor noch versucht, mit den Briten Kontakt aufzunehmen, um den erwarteten Angriff und damit die Zerstörung ihrer Heimat abzuwenden. Sie wurden jedoch verraten und am 18. April von der Gestapo verhaftet. Sieben von ihnen wurden am 21. April 1945 in Cuxhaven erschossen.

Briten versuchten, Helgoland komplett zu zerstören

Mit einem Gedenkgottesdienst im Internet, Glockenläuten und einer Kranzniederlegung erinnert Helgoland am Sonnabend an die verheerende Bombardierung vor 75 Jahren. Es sei eine Tragödie kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges gewesen, die bis heute im Bewusstsein der Insulaner tief verankert sei, sagte Bürgermeister Jörg Singer am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Denn die Angriffe am 18./19. April 1945, bei denen 285 Menschen ums Leben kamen, seien der Beginn des Versuchs der Briten gewesen, Helgoland komplett zu zerstören. Zudem erinnere das Datum an die Evakuierung der rund 2500 Insulaner am Tag nach den Bombenangriffen. Erst nach Rückgabe der Insel 1952 durch die Briten hätten die Insulaner zurückkehren können.

Helgolands Pastorin Pamela Hansen hat wegen der Corona-Auflagen den Gedenkgottesdienst als persönliche Wanderung über die Insel angelegt. Ihr Mann hat gefilmt. Der Beitrag soll am Sonnabend auf Youtube oder auf Facebook verbreitet werden, wie sie sagte. Im Glockenturm der St. Nicolai-Kirche will Bürgermeister Jörg Singer gemeinsam mit Pastorin Hansen einen Kranz zum Gedenken an die Opfer niederlegen. Um 12.05 Uhr soll die Helgoland-Glocke, die nach der Rückgabe der Insel wieder zurückkehrte, läuten. Um 12.10 Uhr, als vor 75 Jahren die Bombenangriffe begannen, ertönt die Totenglocke.

Gedenken in Coronazeiten berührt Helgoländer

„Der Jahrestag ist für uns auch ein Anlass, für den Frieden zu beten und so etwa nie mehr zuzulassen“, sagte Hansen. Auf Helgoland sei praktisch kein Stein auf dem anderen geblieben. Viele Bewohner trügen das Geschehene in sich, auch wenn die meisten Zeitzeugen inzwischen gestorben seien. Singer betonte, gerade in Coronazeiten berühre die damalige Vertreibung von 1945 bis 1952 das Lebens- und Freiheitsgefühl der Helgoländer.

Zwei Jahre nach der Bombardierung, am 18. April 1947, zerstörten die Briten mit der bis heute größten nicht-nuklearen Sprengung der Geschichte militärische Bunkeranlagen der Insel. Rund 4000 Torpedoköpfe, fast 9000 Wasserbomben und mehr als 91.000 Granaten verschiedensten Kalibers, insgesamt 6700 Tonnen Sprengstoff, waren im U-Boot-Bunker sowie im Tunnellabyrinth an der Südspitze des Felsens und bei den Küstenbatterien gestapelt.

Um 13 Uhr wurde die riesige Explosion von Bord des Kabellegers Lasso ausgelöst. Ein gewaltiger Feuerstrahl und Tonnen Gesteins schossen in den Himmel. Der Rauchpilz soll neun Kilometer in die Höhe gestiegen sein. Aus dem Material der gesprengten Südspitze entstand das Mittelland, der U-Boot-Bunker im Südhafen wurde zerstört. Zur kompletten Zerstörung der Insel kam es nicht. Die Hafenanlagen und Küstenschutzmauern blieben intakt, auch der Zivilschutzbunker blieb verschont und kann heute in Teilen besichtigt werden.

( HA/dpa )